Geschäfte mit Kanälen: Abwasserwerk mit Plus

Neu gestaltet sind in der Nette die Kanaleinläufe - die Kanäle selbst wurden ebenfalls saniert.

ALTENA -  Gleich zwei Mal beschäftigte sich der Betriebsausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag mit dem städtischen Abwasserwerk. Zum einen ging es um den Jahresabschluss, zum anderen um die bis 2018 fälligen Investitionen.

„Unser Netz ist insgesamt in einem guten Zustand“ – diese Feststellung traf Marc Bunse, als es um das Abwasserbeseitigungskonzept für den Zeitraum bis 2018 ging. Damit das so bleibt, müssen jährlich rund 1,1 Mio. Euro investiert werden. Das Geld wird nicht nur für Sanierungsarbeiten gebraucht, sondern auch für Veränderungen, die notwendig sind, um das Leitungsnetz auf dem „anerkannten Stand der Technik“ zu halten. Dazu gehöre vor allem der Bau neuer Regenwasserüberlaufanlagen, erklärte Bunse. Das werde vom Ruhrverband wegen der zunehmenden Starkregenereignisse für notwendig erachtet. Ein weiteres Ziel ist es, Wasser aus den Kanälen zu verbannen, das da gar nicht hingehört. Vor allem in Dahle und Evingsen mündet mancher Bach in den Kanal, gleiches gilt für Drainagen.

Die Investitionssummen der kommenden Jahre werden unter der Abschreibung liegen, die das Abwasserwerk jährlich für seine Anlagen vornimmt. „Eine Neuverschuldung ist nicht vorgesehen“, erklärte Bunse den Politikern. Stattdessen werde das Unternehmen, das in der Rechtsform eines kommunalen Eigenbetriebes geführt wird, Schulden abbauen.

Dass das Abwasserwerk finanziell gut dasteht, ergibt sich aus dem Jahresabschluss für 2012. Rund 5,6 Mio. Euro Abwassergebühren zahlten die Altenaer im vergangenen Jahr, gut 5,2 Mio. Euro gab das Unternehmen aus. Das ergibt einen Überschuss von knapp 350 000 Euro.

Interessant ist ein Blick auf die Ausgaben. Gut zwei Mio. Euro gehen an den Ruhrverband, der in seinen Kläranlagen für die Abwasserbehandlung sorgt. Während diese Position in früheren Jahren stetig stieg, übt sich der Ruhrverband inzwischen in Ausgabendisziplin. Die Ruhrverbandsumlage ist seit mindestens fünf Jahren in etwa gleich geblieben.

Die zweithöchste Ausgabe sind mit 1,98 Mio. Euro die Abschreibungen, Zinsen schlagen mit 950 000 Euro zu Buche. Die Personalkosten betragen rund 254 000 Euro, 327 000 Euro braucht das Unternehmen für Materialaufwand. Davon werden unter anderem die Einsätze des Spülwagens bezahlt.

Der Jahresgewinn wird dazu verwendet, Verluste aus Vorjahren abzudecken – ab diesem Jahr wird das nicht mehr nötig sein. Billiger wird’s trotzdem nicht, im Gegenteil: Nach der Gebührenerhöhung zum Jahresbeginn steht die nächste schon in Aussicht, sie soll 2016 kommen. Grund: Die Gebührenzahler – und damit quasi alle Altenaer – sollen ihren Anteil an der Sanierung der Kommunalfinanzen leisten.

Gebühren, so steht’s in der Gemeindeordnung, müssen kostendeckend sein – Gewinne dürfen also mit den Kanälen nicht gemacht werden. Da hilft ein Kunstgriff: Zulässig ist eine so genannte Eigenkapitalverzinsung – und die wird sich richtig lohnen, beträgt das Eigenkapital doch 19,1 Mio. Euro. Drei Prozent Zinsen soll das Abwasserwerk ab diesem Jahr an die Stadt abführen, ab 2016 sollen es sogar sechs Prozent sein. Das ergibt dann einen Betrag von über 1 Mio. Euro, etwa ein Fünftel aller Gebühren landet dann im Stadtsäckel.

Der Bund der Steuerzahler hat jüngst diese in vielen Kommunen übliche Praxis kritisiert. Er stößt sich vor allem daran, dass die angesetzten Zinssätze deutlich über dem derzeitigen Marktniveau liegen. - von Thomas Bender

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