Kanäle: 100 Dahler wollen mehr wissen

So soll es nicht sein: Ein defekter Hausanschluss.

ALTENA ▪ Mit einer Informationsveranstaltung zum Thema Dichtheitsprüfung hat die CDU am Montagabend voll den Nerv der Dahler Bürger getroffen: Über 100 Menschen kamen in die Gaststätte Droste, die wenigsten davon eingetragene Parteimitglieder. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, staunte Gerd Schmiedel, der Vorsitzende der Dahler Ortsunion. Und auch Marc Bunse, der neben den Stadtwerken auch den städtischen Abwasserbetrieb leitet und der als Referent geladen war, staunte über die Resonanz. Von Thomas Bender

„Es besteht kein Grund zu operativer Hektik oder Panik.“ Das war die Botschaft, die Bunse den Dahlern vermittelte. Brandaktuell erfuhren die, dass das Abwasserwerk an einem neuen Konzept zur Umsetzung arbeitet und dabei eine von der Landesregierung eingeräumte Fristverlängerung nutzen möchte. Bis 2014, das hat die Stadt bereits beschlossen, sollen die Eigentümer von rund 350 in den Wasserschutzzonen von Fuelbecke und Springer Quelle gelegenen Häusern den Nachweis über die Dichtheit ihrer Hausanschlüsse vorlegen. Der Rest (rund 2600 Häuser) soll dann in den Jahren bis 2020 peu a peu erfolgen. Bunse berichtete den Dahlern von Plänen, das Stadtgebiet in verschiedene Bezirke einzuteilen, die dann nach und nach abgearbeitet werden sollen. Darüber werde zur Zeit intern diskutiert, konkrete Beschlüsse sollen im Laufe des Jahres folgen.

Einer der Hintergründe: Die Prüfungen müssen von von der Industrie- und Handelskammer geschulten und anerkannten Sachverständigen abgenommen werden, die sich zudem eine nicht gerade billige Ausrüstung zulegen müssen. Bisher gibt es so einen Fachmann in Altena nicht, in Nachbarstädten ansässige Fachleute dürften dort entsprechend ausgelastet sein. Im Moment führe das Abwasserwerk Gespräche mit Handwerkern, die in Frage kämen, ließ Bunse die Dahler wissen. Kategorisch schloss er aus, dass sein Unternehmen selbst die Aufgabe übernehmen könnte: Das Abwasserwerk hat ganze drei Mitarbeiter, müsste also zusätzliches Personal einstellen - wohin damit, wenn die Aktion 2020 abgeschlossen ist? Als technisch nicht möglich bezeichnete es der Leiter des Abwasserwerkes, bei den regelmäßigen Kontrollen des städtischen Abwassernetzes die privaten Leitungen gleich mitprüfen zu lassen. Die Kameras, mit denen die großen Hauptsammler untersucht werden, passen nach seinen Worten nicht durch die in der Regel viel kleineren Hausanschlussleitungen.

Die Empfehlungen des Abwasserwerkes gehen in Richtung der Videountersuchung - Tests mit Luft- oder Wasserdruck sind nach Überzeugung von Bunses Mitarbeiter Günter Drabinski für die privaten Rohre unnötig belastend. Im Moment geht man von Kosten in Höhe von 300 bis 500 Euro für ein Einfamilienhaus aus - wenn denn alles in Ordnung ist. Genau das ist die Crux: Mit 400 Kilometern ist das private Abwassernetz nach einer überschlägigen Berechnung des Abwasserwerks dreimal so lang wie das öffentliche. Die Hausanschlüsse sind in der Regel nie geprüft worden. Mit entsprechend vielen Schäden rechnen Bunse und seine Mitarbeiter.

Allerdings: Schaden ist nicht gleich Schaden. Wenn die Untersuchung Haarrisse an der Oberseite eines Rohres zutage fördere, sei das sicher anders zu bewerten als eine durch Baumwurzeln völlig zerstörte Abwasserleitung, verdeutlichte Bunse an einem Beispiel. Dementsprechend werde das Abwasserwerk auch festlegen, wie dringend die jeweilige Reparatur sei. Grundsätzlich sei es so, dass der Sachverständige Vorschläge mache, wie Schäden zu beheben seien. „Das geht dann schnell in die Tausende“, bedauerte Drabinski. Es sei sicher sinnvoll, in solchen Fällen mehrere Angebote einzuholen, sagte Bunse und warnte vor „Kanalhaien“, die die Situation für sich auszunutzen versuchten.

Die Dahler nahmen das, was Bunse sagte, mehr oder weniger kommentarlos hin. Und als einer der Zuhörer sich fragte, was die Aktion eigentlich soll angesichts hoher Gülle-Einträge durch die Landwirtschaft oder der Chemikalien, mit deren Hilfe demnächst auch in Altena Erdgas „gecrackt“ werden soll, da konnte er nur mit den Schultern zucken - er habe die Gesetze nicht gemacht, gab er zu erkennen.

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