Kampf dem MRSA-Keim: Krankenhaus am Ball

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Ulrich Schell übergibt aktuelle Nasenabstrichsproben an die Leiterin des mikrobiologischen Labors Wall, Dr. Rabea Schikarski aus Lüdenscheid.

ALTENA - Seit Montag beteiligt sich auch das St. Vinzenz-Krankenhaus an einer einmaligen Aktion: Bis einschließlich Freitag, 24 Uhr, werden im Haus alle Patienten bei der Aufnahme auf den multiresistenten Keim „MRSA“ getestet. Das geschieht kreisweit. Alle Kliniken zwischen Hönne und Volme wollen so herausfinden, wie die im Volksmund häufig fälschlich als Krankenhauskeim bezeichneten Bakterien in Zukunft besser bekämpft werden können.

Am Ort begleitet Ulrich Schell, OP-Manager und Hygienefachkraft, die Studie und arbeitet eng mit dem mikrobiologischen Labor Wall aus Lüdenscheid zusammen. Das holt die Proben der Patienten täglich frisch im St. Vinzenz-Krankenhaus ab und wertet sie zügig aus. In der laufenden Woche werden so etwa 100 Screenings durchgeführt. Das Ergebnis wird dann Ärzten, Pflegern und dem weiteren Fachpersonal zugänglich gemacht, die sich im Arbeitskreis MRE-net. MK zusammen geschlossen haben

Netzwerk ist sinnvoll

. Ulrich Schell: „Wir haben dieses Netzwerk vor zwei Jahren gegründet. In Arbeitsgruppen tagen wir regelmäßig unter Einbeziehung des Gesundheitsamtes, um MRSA so weit wie möglich einzudämmen.“ Das Team aus allen Krankenhäusern des Märkischen Kreises ist dabei durchgängig hochkarätig besetzt. „Viele Chefärzte sind dabei und natürlich die Hygienefachkräfte oder Hygienebeauftragten aller Häuser.“

Zurück geht die Gründung dieses Netzwerkes auf das bereits 2005 ins Leben gerufene länderübergreifende Projekt Euregio MRSA-net. Hier arbeiten Krankenhäuser und Mediziner aus Twente, Niederlande, mit Krankenhäusern aus dem Münsterland eng zusammen. Weil sich viele Niederländer im Grenzgebiet operieren lassen, aber Angst vor diesen im Fachjargon Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) haben, wurde die Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Denn komischerweise kommen in Deutschland diese Erreger bis zu 20-mal häufiger vor als in den Niederlanden. Dort gehen entsprechende Infektionen praktisch gegen Null.

Ulrich Schell: „Wir sind vielleicht noch nicht so weit, wie im Münsterland, aber auf einem guten Weg.“

MRSA sei nicht typisch für Krankenhäuser, das Krankheitsbild werde heute zunehmend auch außerhalb von Hospitälern nachgewiesen. Deshalb seien auch viele Hausärzte mit im Boot. Dass Handeln geboten ist, belegen die Zahlen: So hat sich in Deutschland allein in den letzten Jahren der Anteil der MRSA-Infektionen fast verzehnfacht.

Nicht schicksalhaft

Das Auftreten von MRSA ist aber nicht schicksalhaft. Bereits eine gute Händehygiene drückt die Quote gewaltig nach unten. Die MRSA-Sanierung selbst dauert in der Regel etwa zwei Wochen.

Stichwort MSRA:

Staphylococcus aureus sind Bakterien, die auf der Schleimhaut des Nasenvorhofs und der Haut vorkommen. Erst bei Verletzung oder durch OP können Infektionen verursacht werden. Dann helfen Antibiotika. Manche Staphylococcus aureus sind unempfindlich gegenüber dem Antibiotikum. Solche resistenten Bakterien heißen MRSA.

Johannes Bonnekoh

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