Werte neu zum Thema machen

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Jutta Lahrmann ist 34 Jahre alt. Nach Lehramtsstudium (1. Staatsexamen) schloss sie einen Diplom-Theologiestudiengang in Münster an. Die junge Frau stammt gebürtig aus Hemer und arbeitete zuvor im Raum Siegen-Wittgenstein.

Altena - Sie möchte „anstoßen, sich mit den Fragen des eigenen Glaubens auseinanderzusetzen.“ Jutta Lahrmann setzt dabei darauf, in der Kommunikation mit Heranwachsenden als „authentisch“ wahrgenommen zu werden. „Ich möchte, dass die jungen Leute merken, sie werden Wert geschätzt und ernst genommen.“

Seit ein paar Tagen ist die 34-jährige Diplom-Theologin auch in Altena angekommen. Die „angestellte Referentin für mobile Jugendpastoral im Sauerland“ – so ihre offizielle und irgendwie sperrige Dienstbezeichnung, soll sich von Breckerfeld, Halver, Schalksmühle über Meinerzhagen, Altena, Neuenrade und Werdohl im Auftrag des Bistums Essen um katholische Jugendarbeit kümmern. Doch halt, als vollständig konfessionsgebunden versteht sie sich und ihre Aufgaben „auf gar keinen Fall.“ Vielmehr möchte sie Bezugspunkt, Takt- und Ideengeber für eine fruchtbare Arbeit von und mit Jugendlichen jeder Glaubensrichtung über ihre sechs Pfarreien hinaus sein.

Vier Jahre hat die junge Frau zuvor auf der mittleren Ebene des Bistums Paderborn als Dekanatsreferentin für Jugend und Familie in Siegen gearbeitet. Dabei sammelte sie Erfahrungen mit Messdienern, der KJG, Pfadfindergemeinschaften oder anderen im BDKJ – Bund der katholischen Jugend – organisierten Gruppen und Einrichtungen.

Jugendpastoral

„Eindeutig ist die Jugendpastoral mein Schwerpunkt. Es geht also nicht um manchmal weitgehend sinnfreie Gruppentreffen von Kindern oder Heranwachsenden. Ich möchte niederschwellige Angebote etablieren, Bibelseminare, Gemeinschaftserfahrungen vermitteln.“ Das kann zudem die Mitarbeit an der Vorbereitung für Gottesdienste oder die Teilnahme an überregionalen Veranstaltungen mit Glaubensbezug ebenso sein, wie das Diskutieren mit Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9. Hier liegt der Fokus auf der Behandlung von Fragen wie „Was mir im Leben wichtig ist.“ Lahrmann hofft sehr, bei Schulleitern und Lehrkräften auf offene Ohren zu stoßen, um im Klassenverband oder in Kursen entweder „to go“, also außerhalb der Schulräume als auch „in to“, also in den Klassenräumen, mit den jungen Leuten zu arbeiten. Weil ihre Tätigkeit an Schulen eben nicht in Noten münde, hoffe sie sehr, „stets offene Gespräche führen zu können, die völlig druckbefreit sind.“ Dazu wird sie in Kürze gemeinsam mit Pfarrer Ulrich Schmalenbach auf die Schulen zugehen.

Konkret bewegen

Was will Jutta Lahrmann in ihrem doch räumlich ziemlich großen Einzugsbereich konkret bewegen? Noch einmal wiederholt sie, „anstoßen, sich kritischen Fragen stellen. Über Werte streiten, sie definieren. Ich nenne das Glaubenskommunikation.“ Natürlich könne man nicht kontrollieren, ob das wirklich die jungen Leute erreiche. „Aber ich bringe sie zum Denken, und das eben nicht von oben herab.“ Den vielfach zitierten Werteverfall in der heutigen Gesellschaft sieht sie übrigens eher nicht. „Der Umgangston hat sich verändert.“ Dazu nennt sie Worte wie Respekt, Freundschaft, Vertrauen, sagt aber auch: „Das hat noch immer einen riesen Stellenwert im Leben eines jeden Menschen. Da kann ich ansetzen.“

Immer medialer

Natürlich sei und werde die Zeit „immer medialer“, fielen Hemmschwellen in sozialen Netzwerken und im öffentlichen Raum. Lahrmann sieht deshalb „großen Bedarf einer anderen Art der Kommunikation.“ Kritischen Fragen in Richtung katholischer Kirche stellt sie sich immer wieder. Doch beim Hinterfragen zeige sich oft auch die Oberflächlichkeit. Besonders den Kirchen werde schon Kompetenz in Sachen soziales Engagement bescheinigt und erwartet, dass sie zu kritischen Zeitthemen klar und deutlich Stellung nähmen. Eines ist Jutta Lahrmann noch wichtig: Sie sei keinesfalls eine neue Gemeindereferentin, sondern jemand, der helfe, über neue Konzepte an Jugendliche heranzukommen. „Die Herausforderung ist auch hier in Altena: Ich muss etwas ganz von vorn aufbauen.“

Kontakt: Jutta.Lahrmann@bistum-essen.de. Büro: Lindenstraße 35, Tel. 0151 20 56 58 13

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