Doch er muss zahlen

Junge (9) stirbt nach Unfall: Verfahren gegen Autofahrer eingestellt

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An dieser Stelle der Lenneuferstraße war der Junge auf die Straße gerannt und vom Auto erfasst worden.

Altena -  Weder der Junge noch der Autofahrer hätten den tragischen Unfall verhindern können: Zu diesem Ergebnis kommt die Staatsanwaltschaft. Der Junge war vom Auto erfasst worden und gestorben. Dennoch muss der Autofahrer zahlen.

Weder das Unfallopfer noch der Fahrer des Skoda hatten an diesem Mittag des 28. Septembers 2018 wirklich eine Chance. Das hat eine Rekonstruktion des Unfallherganges ergeben, wie Staatsanwalt Michael Burggräf aus Hagen auf Anfrage bestätigt.

Die nachträgliche Verkehrsanalyse des traurigen Geschehens, das damals einen großen Schatten auf das zeitgleich stattfindende Stadtfest „Lenne lebt“ warf, führte ein Unfallgutachter im Auftrag der Staatsanwalt durch. 

Der ging dabei der Frage nach: War der Unfall auf der Lenneuferstraße vermeidbar? Das Ergebnis: „Der Fahrer hat unmittelbar abgebremst, dennoch kam es zur Kollision mit dem Kind“, sagt Burggräf. Der kleine Junge aus Syrien starb noch an der Unfallstelle

1,3 Sekunden zum Bremsen reichen nicht

Zum Zeitpunkt des Unfalles war das Auto 18 km/h schnell. Erlaubt ist an dieser Stelle in der Innenstadt Tempo 30. Dennoch spricht die Staatsanwaltschaft von einem möglichen Sorgfaltspflichtverstoß „Der ist aber als äußerst gering einzustufen“, fügt Burggräf an. „Dem Fahrer blieben 1,3 Sekunden, um zu reagieren.“ Zu wenig, um den Zusammenstoß mit dem Neunjährigen zu verhindern. 

Dennoch muss der Fahrer eine Geldauflage von 300 Euro nach Paragraf 153 a Strafgesetzbuch an die Gerichtskasse zahlen, damit das Verfahren endgültig eingestellt wird. Diese Regelung habe auf Vorschlag der Staatsanwaltschaft ein Amtsgericht im Mai dieses Jahres bestätigt. 

Aber warum? Burggräf sagt, es sei letzten Endes offen geblieben, ob der wartende Bus, den das Kind offenbar noch erreichen wollte, auf der Lenneuferstraße mit eingeschaltetem Warn-Blinklicht gehalten habe. Manchmal würden Fahrer auch versäumen, diese Vorsichtsmaßnahme zu treffen. 

Bus spielt entscheidende Rolle

Sollte das Warnlicht aber eingeschaltet gewesen sein, hätte der Unfallfahrer den haltenden Bus nur mit sechs km/h, also Schrittgeschwindigkeit, passieren dürfen. „Das ließ sich nicht mehr zweifelsfrei klären.“

Deshalb spreche man von einem „äußerst geringen Sorgfaltspflichtverstoß“, der aber stets mit einer Geldstrafe verbunden sei. Das Amtsgericht hat die die 300-Euro-Geldauflage in monatliche Raten von je 50 Euro gestückelt. Deshalb sei das Verfahren noch nicht abgeschlossen, die Akten nicht geschlossen.

Aktueller Stand: Verfahren vorläufig eingestellt. Erst wenn die gesamte Summe bei der Gerichtskasse eingegangen ist, werde das Verfahren endgültig eingestellt. Vorbestraft ist der Unfallfahrer dann aber nicht. 

Der tragische Unfall hatte am Festtag von „Lenne lebt“ zu einer großen Anteilnahme in der Bevölkerung geführt. Besucher füllten damals spontan aufgestellte Spendenboxen für die Familie, der Canu-Verein spendete seine kompletten Veranstaltungserlöse aus dem Pappboot-Rennen auf der Lenne. 

Heute erinnern immer wieder Kerzen und niedergelegte Blumen an der Unfallstelle an das tragische Geschehen unmittelbar in Höhe der Mittleren Brücke.

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