Seit über einem Jahr geschlossen

Jugendzentren: Neuer Chef gesucht

Die Tür des Jugendzentrums in Altena ist geschlossen - und das schon sehr lange.
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Die Tür des Jugendzentrums in Altena ist geschlossen - und das schon sehr lange.

Die Jugendzentren in Altena sind seit Ewigkeiten geschlossen - nicht nur wegen Corona. Der erkrankte Leiter scheidet nun aus. Gesucht wird ein neuer Chef, von dem aber mehr erwartet wird als nur die Zentren zu leiten.

Altena – Harald Thöne hat die Konsequenzen aus seinen lang anhaltenden gesundheitlichen Problemen gezogen und einen Rentenantrag gestellt. Damit ist der Weg frei für die Suche nach einem neuen Leiter der drei städtischen Jugendzentren. Die Stelle ist ausgeschrieben, gesucht wird ein Sozialarbeiter oder Sozialpädagoge beziehungsweise Absolventen von Studiengängen mit dem Schwerpunkt „Soziale Arbeit“.

Die Stadt wünscht sich, dass die Bewerber bereits über Erfahrungen in der offenen Kinder- und Jugendarbeit verfügen. Die Bewerbungsfrist endet am Dienstag nach Ostern (6. April), eingestellt werden soll „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Es handelt sich um eine unbefristete Vollzeitstelle.

Der Leiter der Jugendzentren in Altena, Harald Thöne (Mitte), ist seit längerem erkrankt und geht nun in Rente.

Jugendzentren seit über einem Jahr geschlossen

Vom neuen Stelleninhaber wird auch die „Weiterentwicklung der konzeptionellen Ausrichtung der Angebote für Jugendliche in den Jugendzentren“ erwartet – und das scheint auch nötig. Die drei Jugendeinrichtungen der Stadt – JuZ 29 und die beiden Begegnungsstätten in Dahle und auf dem Nettenscheid – sind seit einem Jahr geschlossen, ohne dass es zu einem öffentlich spürbaren Protest der Jugendlichen gekommen ist. Auch vor der Corona-Pandemie hatte es den Anschein, als würden die Einrichtungen nur von wenigen Jugendlichen angenommen.

Bürgermeister Uwe Kober (CDU) bekräftigte im Gespräch , dass neue Wege für die Jugendarbeit gesucht werden müssten. Gerade deshalb sei es wichtig, die Thöne-Nachfolge zu regeln: „Irgendwer muss diese konzeptionelle Arbeit ja leisten.“ Für die drei Jugendeinrichtungen gibt es nur einen einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter.

Ein Mitarbeiter krank, ganzer Bereich liegt brach

Das Gros der Arbeit erledigen Honorarkräfte. Auch damit begründete die Stadtverwaltung in der Vergangenheit, dass die Einrichtungen im vergangenen Jahr auch dann geschlossen blieben, als sie mit Hygienekonzepten hätten öffnen dürfen: Wegen Thönes Erkrankung sei keiner da gewesen, der diese Konzepte hätte entwickeln und umsetzen können.

Eine Aussage, die den CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmar Roder dazu brachte, in seiner Haushaltsrede anzumerken, dass es nicht sein könne, dass die Erkrankung eines Mitarbeiters dazu führe, dass ganze Bereiche über Monate brach liegen.

Als Dahler Ortsvorsteher betont Roder, dass die Konzentration der Arbeit auf einen zentralen Standort für ihn keine Option ist: Während der Pandemie habe er beobachten können, dass Jugendliche sich andere Treffpunkte gesucht und sich beispielsweise im Bereich des ehemaligen Schlecker-Markts getroffen hätten. Besser sei es, ihnen ein Angebot zu machen. Dazu müsse ein tragfähiges Konzept her: „Jugendarbeit ist mehr, als irgendwo einen Kicker aufzustellen.“

Jugendzentren kein Thema in der Politik

Auffällig ist, dass die Situation in den Jugendzentren lange nicht mehr Thema im Jugendhilfeausschuss war – der übrigens bis zur letzten Kommunalwahl vom heutigen Bürgermeister geleitet wurde. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass das anderswo anders ist.

Beispiel Isenbüttel in Niedersachsen: Dort wird die kommunale Jugendarbeit jährlich evaluiert, es gibt auch eine klare Zielvorgabe: Die Angebote sollen mindestens vier Prozent der altersrelevanten Zielgruppe erreichen – was nicht gelingt. Gründe sieht die dortige Jugendförderung im Wandel der Schullandschaft mit immer mehr Nachmittagsunterricht und dem „Vormarsch der sozialen Medien als primärem Medium der Kontaktaufnahme und -pflege“.

2018 zog die Gemeinde die Konsequenzen: Von drei Jugendeinrichtungen wurde eine geschlossen, eine weitere bietet nur noch zwei Stunden Teenie-Programm pro Woche. Geplant sind jetzt projektbezogene Angebote, für die stärker als bisher geworben werden soll.

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