Jürgen Hoffmann legt die Uniform ab

40 Jahre Freund und Helfer: Eine Altenaer Legende geht

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Ziemlich eng im Streifenwagen – ob’s nur am BMW liegt oder ein bisschen auch an „Kugel“ Hoffmann, das sei dahingestellt.

Altena - Als er nach Altena kam, da befand sich die Polizeiwache noch dort, wo heute das DRK ist und Dienstwagen waren VW Passat der ersten Generation – „da war jedenfalls mehr Platz drin als in den heutigen BMW“, erinnert sich Jürgen Hoffmann, der nach knapp 40 Jahren Polizeiarbeit in Altena mit Ablauf des Monats in den Ruhestand geht.

 „Damals war noch mehr los in Altena“, blickt er zurück ins letzte Jahrtausend und berichtet von „Lohntütenbällen“, wenn die Arbeiter ihr Geld bekamen und einen Teil davon in den vielen Kneipen, die es damals noch gab, auf den Kopf hauten: „Da ging es manchmal heftig zur Sache“. 22 Jahre jung war Hoffmann damals.

Nach der Grundausbildung in Bork war er zunächst bei einer Hundertschaft in Bonn eingesetzt – „unruhige Zeiten“, erinnert er sich; immerhin handelte es sich um die Hochzeit der RAF und es galten Urlaubssperren und 24-Stunden Bereitschaften für den jungen Polizisten. „Da war ich froh, dass ich die Maschinenpistole gegen meinen Anzug tauschen konnte, um als Personenschützer für Leonard Bernstein tätig zu werden“.

Hoffmann kennt in Altena Hinz und Kunz

Bald nach seinem Wechsel in die Burgstadt bekam es Hoffmann mit einem weiteren interessanten Einsatz zu tun: „Flugzeugabsturz am Wixberg, hieß es im Funk“ erinnert er sich. Ein Kampfflugzeug hatte den Fernsehumsetzer gestreift und war an den Hängen des Wixbergs abgestürzt. „Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, die Maschine zerschellte im Wald“, berichtet Hoffmann.

Auf solche Szenarien sind die Leitstellen von Polizei und Feuerwehr heute bestens vorbereitet. Damals sei das anders gewesen, sagt Hoffmann: „Es gab nur ganz wenige Beamte des gehobenen Dienstes, von denen war keiner greifbar. Wir waren auf uns alleine gestellt und wussten nicht, welche Waffen das Flugzeug an Bord hatte und welche Gefahren sonst von ihm ausgehen könnten“. 

Hoffmann kennt in Altena Hinz und Kunz und so ziemlich jeden Weg – „aber es gibt hier viele Ecken, in denen ich noch nie einen Einsatz gefahren habe“, sagt er und verdeutlicht damit auch, dass es in der Burgstadt im Laufe der Jahre immer ruhiger zuging – „die Leute gehen ja immer weniger vor die Tür“.

Streifendienst – ewig kann man das nicht machen

Hoffmann stammt aus Neuenrade, hat anfangs aber mit seiner Frau an der Lennestraße gewohnt – „keine besonders gute Idee“, meint er angesichts der Tatsache, dass ihm sein Klientel auch immer wieder in seiner Freizeit begegnete. 

Das war doppelt problematisch, weil seine am Jahresende ebenfalls pensionierte Frau beim Altenaer Jugendamt arbeitete – „manchmal habe ich sie in meiner Funktion als Polizeibeamter bei schwierigen Hausbesuchen begleiten müssen“.

Streifendienst in Wechselschicht – ewig kann man das nicht machen. 1997 wurde Hoffmann, den seine Kollegen inzwischen liebevoll „Kugel“ nannten, Bezirksbeamter. Von Stund an hatte er mit einem ganzen Strauß von neuen Aufgaben zu tun: Verkehrserziehung im Kindergarten, Radfahrprüfung in den Grundschulen, aber auch die Vollstreckung von Haftbefehlen. 

"Gönne mir den Luxus, mich darüber nicht zu ärgern"

„Da ging es nicht um schwere Jungs, sondern meistens um arme Schlucker, die Geldstrafen oder Unterhaltszahlungen schuldig geblieben waren“, sagte er und lässt deutlich anmerken, dass er mit vielen von denen Mitleid hatte. Angriffe? „Ich habe ja nun schon eine etwas kräftigere Figur“, grinst der Beamte – Aggressionen seien da meistens abgeprallt.

Und Schimpfworte wie „Bulle“ oder Schlimmeres: „Ich gönne mir schon sehr, sehr lange den Luxus, mich darüber nicht zu ärgern“. Wenn Jürgen Hoffmann am 17. Januar hochoffiziell verabschiedet wird, dann wird übrigens auch ein Zeitungsfoto eine Rolle spielen – es dokumentiert ein schweres Dienstvergehen, das sich Hoffmann alle drei Jahre beim Schützenfest zuschulden kommen ließ, wenn er am Café zur Burg ganz ohne Mütze den fantasievollen Frauen des Zugs Totschlag huldigte.

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