Jüngster deutscher Soldat in Afghanistan

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Björn Schwarzfischer beim Fitnesstraining. ▪

ALTENA ▪ Wer Björn Schwarzfischer beim Kraft- und Fitnesstraining im ehemaligen Berg-Komplex an der Rahmedestraße antrifft, mag auf den ersten Blick glauben, einem „ganz normalen“ 18-jährigen jungen Mann gegenüber zu stehen, der sich gegen die Maschinen und in die Gewichte stemmt. Der abends seine Freundin besucht und mit ihr in die Disco geht. Von Thomas Keim

Der Alltag von Björn Schwarzfischer wird aber schon in wenigen Wochen ein ganz anderer sein. Er hat sich als Soldat freiwillig für einen Auslandseinsatz der Bundeswehr gemeldet. Und weiß jetzt, dass er am 9. November im Flugzeug nach Feyzabad sitzen wird. Afghanistan. Beinahe täglich kommen aus dem kriegsgeschüttelten Land Nachrichten über Attenate, Bombenexplosionen, Verletzte – und Tote.

Der junge Mann aus Hagen ist regelmäßig im Altenaer Fitnesstreff zu Besuch, um sich für den Einsatz in Afghanistan zusätzlich vorzubereiten. Er hat bis zur 9. Klasse das Gymnasium besucht, ist auf die Realschule gewechselt und hat dann eine Ausbildung zum Wirtschaftsberater begonnen.

Dann kam die Bundeswehr - ein Schritt, der für Björn Schwarzfischer eigentlich überfällig war. „Ich wollte schon mit 16 Jahren Berufssoldat werden.“ Mit 17 hat er sich dann erstmals zur Truppe gemeldet - seine Mutter musste das unterschreiben. Als dann die Einberufung kam, hat er die Ausbildung in Absprache mit seinem Chef auf Eis gelegt. „Er hatte Verständnis für mich – er war selber bei der Bundeswehr.“

Heute ist Schwarzfischer als Hauptgefreiter in der so genannten Streitkräftebasis beim Führungsunterstützungsbatallion 281 in Gerolstein in der Eifel stationiert. Er ist „freiwillig Längerdienender“, wie es heißt. Der Bundeswehrjargon nennt Soldaten wie Schwarzfischer kurz „FWDLer“. „Ich bin aus Überzeugung bei der Bundeswehr“, sagt er, „ich habe eine Herausforderung gesucht und gefunden.“

Der 18-jährige spricht unaufgeregt und entspannt über den bevorstehenden Einsatz - auch über Gefahren. Von Feyzabad wird es nach vier Monaten in Richtung Kundus weitergehen. „Ich weiß, dass es da jeden Tag knallt - das ist mir bewusst. Schließlich ist das mein Beruf“. Ein Möchtegern-Rambo klingt irgendwie anders.

Björn Schwarzfischer spricht von den riesigen Unterschieden der Kulturen und davon, dass die Erfahrungen des Afghanistan-Einsatzes „eine Chance fürs Leben“ sein können. Der 18-jährige berichtet, dass sich seine Familie zwar Sorgen macht, ihn aber letztlich unterstützt. „Ohne den Rückhalt in der Familie hätte ich das nicht gemacht.“ Und wie selbstverständlich fügt er noch hinzu: „Mitte August komme ich wieder.“

Der junge Mann wird der jüngste deutsche Soldat sein, der nach Afghanistan gehen wird.

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