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Jüdisches Leben fotografiert: Zwischen Alltag, Festen und Polizeischutz

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Von: Bettina Görlitzer

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Der Altenaer Fotograf Dirk Vogel zeigt Fotografien zum Thema jüdisches Leben in einer Ausstellung.
Der Altenaer Fotograf Dirk Vogel zeigt Fotografien zum Thema jüdisches Leben in einer Ausstellung. © Bettina Görlitzer

Fotograf Dirk Vogel dokumentiert bereits seit mehr als 25 Jahren das jüdische Leben und stellt dabei erstaunliche Aspekte heraus. Noch bis zum 16. Januar läuft eine Ausstellung des Altenaers. Über einige seiner Werke haben wir mit ihm vorab gesprochen.

Altena/Dorsten – „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wurden 2021 gefeiert. Ein Aspekt der Projekte, soweit sie unter Pandemiebedingungen möglich waren, war neben dem Rückblick auf die jahrhundertealte Geschichte das jüdische Leben heute, das fast 80 Jahre nach dem Holocaust neu erstarkt ist.

Das dokumentiert der Altenaer Fotograf Dirk Vogel bereits seit mehr als 25 Jahren. Noch bis zum 16. Januar ist im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten die Sonderausstellung „Jüdisches Leben sichtbar machen“ mit rund 55 Fotografien des Altenaers zu sehen. Während des Studiums war Vogel erstmals für ein Projekt in Auschwitz und traf unter anderem deutschsprachige Juden. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen.

Insofern kommt es nicht von ungefähr, dass zwar viele, aber nicht alle Bilder, die er in der Ausstellung präsentiert, eigens für dieses Projekt entstanden sind. Vogel zeigt jüdischen Alltag im Deutschland des 21. Jahrhunderts, zu dem Pro-Israel-Demonstrationen oder Polizeischutz vor Synagogen und anderen Einrichtungen genauso gehören, wie Feste und Traditionen.

Das Foto dieses homosexuellen jüdischen Paares ist Teil der Ausstellung.
Das Foto dieses homosexuellen jüdischen Paares ist Teil der Ausstellung. © Dirk Vogel

Auch die Corona-Pandemie schlägt sich nieder: Zum Pessah-Fest im Lockdown konnte es kein gemeinsames Essen in der jüdischen Gemeinde in Dortmund geben, stattdessen wurde ein „Pessah-Mahl-to-Go“ angeboten, dessen Vorbereitung Vogel ins Bild gesetzt hat.

Aber vor allem sind es die Menschen, die heute als Juden in Deutschland leben, die sich in seinen Bildern finden. Seine Porträts zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Personen in einer Umgebung zeigen, in der sie sich wohlfühlen, die zu ihnen passt und etwas über ihr Leben aussagt. Die Ausstellung spiegelt die Vielfalt des jüdischen Lebens, die sich trotz des Grauens des Holocausts in Deutschland wieder entwickelt hat.

Zu sehen sind Rabbiner wie Mendel Schtroks genauso wie intellektuelle Frauen verschiedener Generationen. Dazu zählen die Autorin Esther Dischereit, die als eine der wichtigen Stimmen der zweiten Generation nach dem Holocaust gilt, die junge Politikerin und Diplom-Psychologin Marina Weisband oder die 97-jährige Journalistin und Autorin Ruth Weiss.

Auch der deutsch-russische Künstler George Pussenkoff gehört zu den porträtierten Personen, ebenso wie das homosexuelle Paar oder Jugendliche bei ihrer Bar Mitsva (Jungen) beziehungsweise Bat Mitswa (Mädchen).

Den Künstler George Pussenkoff hat Dirk Vogel unter anderem porträtiert.
Den Künstler George Pussenkoff hat Dirk Vogel unter anderem porträtiert. © Dirk Vogel

„Mich interessieren die Menschen. Deswegen bin ich Fotograf“, sagt Dirk Vogel, der in Dortmund Fotodesign studiert und rund 25 Jahre dort gelebt hat, bevor er 2017 nach Altena zurückkehrte und nun von Rosmart aus seine vielfältigen Projekte betreut. In seinem Wohnhaus entwickelt er die Bilder und erstellt die zum Teil großformatigen Abzüge selbst.

Sein bevorzugtes Medium ist der Schwarzweiß-Film. Was aber nicht heißt, dass er für Auftragsarbeiten nicht auch auf digitale Fotografie zurückgreift. Bekannt geworden ist er unter anderem durch das Buchprojekt „Gesichter der friedlichen Revolution“ über Bürgerrechtler in der DDR.

Die Ausstellung

Das Museum in Dorsten ist immer dienstags bis freitags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Für den Besuch gilt die 2G-Regel. Weitere Infos gibt’s unter www.jmw-dorsten.de.

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