Jüdischer Friedhof wird jetzt im Internet beschrieben

Jürgen Wagner von der Stadt Altena hat alle historischen Grabsteine katalogisiert und fotografiert.

ALTENA - Dank der Spendenbereitschaft der Altenaer Bevölkerung ist die jahrhundertealte Geschichte des jüdischen Friedhofs in der Stadt jetzt online – also im Internet nachzulesen.

Stadtarchivarin Monika Biroth und Denkmalbeauftragter Jürgen Wagner haben in mehr als zweijähriger Arbeit alle 56 erhaltenen Grabstätten und -Steine auf dem Friedhof am Grünen Wege im Stadtteil Mühlendorf katalogisiert, fotografiert und die hebräischen Inschriften übersetzen lassen. Erstmals wurden auch alle Namen und Lebensläufe der in Altena bestatteten jüdischen Mitbürger recherchiert und dokumentiert. Sie werden ebenfalls auf der Internetseite vorgestellt.

In ihrer Arbeit wurden die beiden Stadtmitarbeiter vom Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut unterstützt, das sich bundesweit auf das Thema „Darstellung von Jüdischen Friedhöfen“ spezialisiert hat. Noch im Mai diesen Jahres war deren Mitarbeiterin Natanja Hüttemeister in Altena, um die Endfassung der informativen Internet-Darstellung abzusprechen.

Rund 1 500 Euro kostet die Aufbereitung für den Aufritt im Netz – davon steuerte die Stadt selbst nur 300 Euro hinzu. „Es gab eine Großspende und viele kleine Geldbeträge“, bilanziert Biroth. Sie könnte sich vorstellen, auch ein Buch über diese Grabstätte aufzulegen, „allein würden wir aber die Druckkosten wohl nicht stemmen können“, bleibt dieser Plan vermutlich nur Wunsch.

Als gesichert gilt, dass Mosche Schimschon ben Jokew Mosche der erste war, der am 22. September 1718 im Mühlendorf beigesetzt wurde. Auf seinem Stein heißt es unter anderem: „Hier ist geborgen und verborgen ein gerechter und aufrechter Mann (...)“. Sein Grabmal trägt neben der hebräischen Inschrift auch das Sterbejahr in arabischen Ziffern – ein absolutes Novum. Stadtarchivarin Monika Biroth kündigte an, im kommenden Jahr mit Jürgen Wagner Führungen auf dem Friedhof anzubieten.

von Johannes Bonnekoh

Die Internet-Adresse:

http://www.steinheim-institut.de/cgi-bin/epidat?function=Inf&sel=alt&lang=de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare