Joel Prinz zieht knapp drei Wochen altes Rehkitz auf

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Der 18-jährige Joel Prinz ist Schüler des Burggymnasiums in Altena. Vor etwas mehr als zwei Wochen nahm er ein Rehkitz bei sich auf. Weil Fußgänger es am Wegesrand entdeckt und gestreichelt hatten, nahm es die Mutter nicht mehr an.

Altena/Neuenrade - Es war vor etwas mehr als zwei Wochen, als eine fremde Frau an der Haustür von Joel Prinz klingelte. „Ich habe am Wegesrand ein Rehkitz im Gebüsch gesehen“, sagte sie zu dem 18-jährigen Neuenrader, der die Jahrgangsstufe 11 des Burggymnasiums in Altena besucht. Dass er das junge Wildtier schon kurz darauf zuhause aufnehmen und es aufziehen würde, ahnte er da noch nicht.

Warum die Frau ausgerechnet vor seiner Tür stand, weiß Joel bis heute nicht. Vielleicht, weil der 18-Jährige einen Jagdschein hat, ebenso wie sein Vater und sein Opa, und sich mit Wildtieren auskennt. „Ich habe der Frau erklärt, dass eigentlich nichts dabei ist und die Mütter ihre Jungen im Gebüsch absetzen und sie später wieder abholen“, sagt Joel. 

Hingefahren ist er schließlich trotzdem: „Die Frau hat sich solche Sorgen gemacht, ich dachte ich gucke mir das mal an und bringe das Rehkitz vielleicht von der Straße weg. Seine Mutter hätte es dort trotzdem gefunden“, weiß er. 

"Das geht gar nicht!"

Die orientiert sich nämlich am Geruch des Kitzes. Fasst ein Mensch ein junges Wildtier jedoch an, stößt seine Mutter es ab. Sie erkennt es nicht mehr wieder, da der Fremdgeruch zu dominant ist. „Mit speziellen Lederhandschuhen und wirklich jeder Menge Gras hätte ich das Tier wegtragen können“, sagt Joel. 

So weit ist es aber nicht gekommen. Nahe des Rehkitzes traf er auf eine Gruppe junger Erwachsener. „Sie waren etwa Mitte 20 und haben Fotos gemacht. Als sie mir die zeigten, sah ich, dass sie das Jungtier gestreichelt haben. Da wurde ich dann richtig cholerisch – das geht gar nicht!“, erinnert sich Joel. 

„Es gibt dann noch zwei Möglichkeiten: Entweder ein Jäger erschießt das Tier oder es findet sich jemand, der es aufnimmt. Und kein Jäger erschießt freiwillig ein Rehkitz.“ Also packte Joel das junge Reh ins Auto und nahm es mit nach Hause.

Joel Prinz zieht Rehkitz auf

„Ich darf es nur hier behalten, weil ich einen Jagdschein und das Ok des Bezirks bekommen habe“, erklärt er. „Ansonsten wäre das Jagdwilderei.“ Nun gehört Feline – so hat Joel das Rehkitz genannt – zu seinem Leben. Und davon nimmt das etwa drei Wochen alte Tier einen ganz schön großen Teil ein. 

„Inzwischen schläft sie fast durch – aber anfangs musste sie alle zwei bis drei Stunden gefüttert werden.“ Besonders kritisch waren die ersten Nächte. „Man hofft das Beste, aber befürchtet das Schlimmste“, erinnert sich Joel. Er wusste nicht, wie das Tier zurecht kommen würde. „Da war Feline noch kleiner. Sie wog nur 1888 Gramm, als ich sie gefunden habe.“ Mittlerweile bringt sie satte zwei Kilo auf die Waage und ist fit und munter.

Wackelig auf den dünnen Stelzen

„Als sie angefangen hat zu Laufen, war es hart“, sagt der 18-Jährige. „Auf ihren dünnen Stelzen war sie so wackelig unterwegs.“ Mittlerweile schießt Feline blitzschnell über das kleine Gehege, das sich auf dem weitläufigen Grundstück der Familie Prinz befindet. „Wir haben hier noch andere Tiere“, sagt Joel. Darunter Ziegen, Schafe, Hühner und Enten. 

„Wir haben ein Stück von deren Gehege eingezäunt, damit Feline dort Platz hat. Dadurch war es zum Glück nicht ganz so viel Arbeit.“ Viel Freizeit hat der 18-Jährige seitdem nicht mehr. „Auf Partys gehe ich zur Zeit nicht, das schaffe ich gar nicht.“ 

"Bleibt, bis sie tot umfällt"

Worauf er sich da einlässt, wusste er aber ganz genau. Vor etwa zwei Jahren hatte er einen jungen Rehbock aus einem Gully gerettet und aufgezogen. „Er wurde aber schwer krank und ist gestorben“, erzählt Joel. Feline hingegen könnte bis zu zehn Jahre alt werden. Wenn alles gut verläuft, ist sie nach etwa einem Jahr ausgewachsen. 

Dann will Joel ihr Gehege öffnen und Feline kann sich frei auf dem Grundstück bewegen. „Natürlich bauen wir eine Bindung auf, das bleibt nicht aus. Sie darf immer bleiben, bis sie tot umfällt. Sollte sie irgendwann in den Wald laufen und nicht wiederkehren, muss ich das akzeptieren“, sagt er. 

"Wildtiere niemals anfassen!"

Das Rehkitz folgt Joel auf Schritt und Tritt. „Das ist manchmal schon schwierig, weil sie noch so klein ist. Da haut man sie aus Versehen einfach mal um“, sagt er und lächelt. Die Entscheidung, für Feline zu sorgen, traf Joel bewusst. Dennoch appelliert der junge Jäger: „Wildtiere dürfen niemals angefasst werden! Das sollte wirklich jeder wissen.“

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