Wohnhaus von Ernst Tzschachmann brennt nieder

Vorsicht vor Unterversicherung

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Großbrand auf dem Nettenscheid: Am 18. November brannte das Haus von Ernst Tzschachmann und Evi Wild nieder. Schon am nächsten Tag kam die Versicherung und sorgte zunächst für die Sicherung der Brandstelle. Die Erfahrungen mit dem Versicherer seien aber nicht nur positiv, berichten die Beiden.

Altena - Blaulichter, Dutzende von Helfern, Schaulustige, Pressefotografen und vielleicht sogar Fernsehteams: Wenn’s brennt, ist die Aufregung stets groß. Was aber passiert, wenn die Flammen gelöscht und die Retter abgezogen sind? Das AK hat nachgefragt – bei Ernst Tzschachmann und Evi Wild. Ihr Haus an der Märkischen Straße auf dem Nettenscheid wurde am 18. November ein Raub der Flammen.

Es war ein klassischer Fettbrand, Ernst Tzschachmann merkte durch den Alarmton des Brandmelders, dass in der Küche was nicht stimmte. Er unternahm Löschversuche – so lange, bis Nachbarn ihn ins Freie zogen. „Da hatte ich wohl schon etwas von dem Rauchgas abbekommen“, sagt er heute. Evi Wild ist sich sicher, dass die Nachbarn ihrem Mann das Leben gerettet haben. Sie erfuhr beim Wanderurlaub in Portugal von der Katastrophe und kam mit dem nächsten erreichbaren Flieger zurück.

Es sei beeindruckend gewesen, wie mitfühlend und hilfsbereit die Nachbarn gewesen seien, sagt Evi Wild. Tzschachmann konnte nur das retten, was er auf dem Leib trug – und das war nicht viel. Die Nachbarn halfen mit Kleidungsstücken aus, boten eine Schlafstatt und vermittelten ihnen auch die winzig kleine, möblierte Wohnung in Letmathe, in der sie jetzt den Wiederaufbau ihres Hauses planen. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie beide in der Bauwirtschaft gearbeitet haben.

Zwiespältige Erfahrung mit der Versicherung

Blitzschnell sei die Versicherung vor Ort gewesen, blickt Tzschachmann zurück und lobt, dass sofort die Sicherung der Brandstelle organisiert worden sei. Zerborstene Fenster wurden zugenagelt, die Reste des Dachstuhls abgetragen und die Geschossdecke mit Schweißbahn belegt, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit in das Haus eindringt, das nach dem Brand faktisch eine Ruine ist. Zum einen ist alles, aber auch wirklich alles nass – bis zu 2000 Liter Wasser pro Minute pumpte die Wehr in das brennende Haus. Was nicht durch das Wasser beschädigt wurde, litt unter dem Ruß, der in jede Ritze kroch.

Evi Wild ist sich sicher, dass die Nachbarn ihrem Mann das Leben gerettet haben.

Auf 320 000 Euro schätzte der Gutachter den Gebäudeschaden – aber diesen Betrag werden die beiden Brandopfer nicht bekommen. Es stellte sich nämlich auch heraus, dass sie unterversichert sind. Ihr Haus ist größer, als bei der Berechnung der Versicherungsprämie angenommen wurde – unter anderem, weil bei der Flächenberechnung die Terrasse unberücksichtigt blieb. Weil die überdacht ist und auf zwei Seiten von Mauern begrenzt ist, hätte das aber erfolgen müssen. So müssen die beiden jetzt damit leben, dass ihnen sowohl beim Gebäudeschaden als auch beim Hausrat nur 80 Prozent beglichen werden. Er rate jedem ganz dringend, sich mit diesem Problem zu beschäftigen und mit seinem Versicherer einen „Unterversicherungsverzicht“ zu vereinbaren, sagt Tzschachmann.

Ein Großaufgebot von Feuerwehrleuten bekämpfte den Brand. Sie pumpten bis zu 2000 Liter Wasser pro Minute in das brennende Gebäude.

Und wie bemisst sich der Schaden? Den am Haus errechnete ein Gutachter. Für den Hausrat musste eine Auflistung her: „Ich habe auf dem abgebrannten Dachboden nach den Resten unserer Campingausrüstung gesucht“, erzählt Evi Wild. Die beiden sind große Outdoor-Fans, haben ausgedehnte Touren durch die kanadische Wildnis hinter sich und eine dementsprechend hochwertige Ausrüstung.

Auf jeden Fall zurück zum Nettenscheid

Das Haus an der Märkischen Straße hat Tzschachmann vor 35 Jahren weitestgehend in Eigenleistung gebaut. Demnächst wird er 80, er möchte aber auch im Alter nirgendwo anders wohnen als auf dem Nettenscheid, wo man mit ein paar Schritten im Wald ist und wo die beiden ihren Garten so naturnah gestaltet haben, dass dort regelmäßig Igel, Glühwürmchen und Fledermäuse zu Gast sind.

Das Gerüst zeigt: Es tut sich schon was. So wurde bereits der Putz der Innenwände entfernt.

Also wird wieder aufgebaut. Ausgeräumt ist das Haus bereits, außerdem wurde von den Innenwänden der Putz abgeschlagen – er muss weg, weil sonst alles nach kaltem Rauch stinken würde. Alle Fenster und Dach samt Dachstuhl müssen erneuert werden, bestimmt 80 Prozent der Haustechnik sind hinüber und auch der Estrich muss weichen. Unter ihm liegt nicht nur die Fußbodenheizung, sondern auch eine Dämmung aus Steinwolle. „Die wird nie wieder trocken“, ist Tzschachmann überzeugt. Nicht ganz so skeptisch ist er, was die Dämmung in den zweischaligen Außenwänden angeht. Da will er einen Trocknungsversuch unternehmen.

Einerseits haben die beiden eine auf solche Sanierungen spezialisierte Fachfirma engagiert. Andererseits wollen sie auch viel selber machen – vor allem bei der Planung, aber nicht nur dort. Ihr Ziel ist es, im Sommer wieder auf der Terrasse zu sitzen.

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