Nur jeder dritte Abiturient will an die Uni

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Die Neuenrader Unternehmerin Dr. Sarah Schniewindt zeigt auf, welche Wege jungen Menschen mit dem Abitur offen stehen. ▪

ALTENA ▪ „B. trifft“ könnte zu einer festen Institution am Burggymnasium werden, die Stimmen nach der ersten Veranstaltung am Samstagabend waren durchweg positiv. Das Konzept des Fördervereins ging auf, mit „B. trifft“ sollten ehemalige Schüler angesprochen werden und die jungen Schüler der jetzigen Oberstufe sollten eine Möglichkeit haben, mit den Älteren über Ausbildungsmöglichkeiten und Chancen in der Berufswelt ins Gespräch zu kommen.

Als Referentin konnte mit Dr. Sarah Schniewindt eine „dynamische, noch junge Praktikerin“ für die Premiere gewonnen werden.

Nach einem Sektempfang begrüßte Hans-Ulrich Holtkemper als Hausherr die Gäste, zu denen als ältester ehemaliger Schüler und „vor-voriger“ Schulleiter Alfred Werthmann mit seiner Frau gehörten. Christof Hüls vom Förderverein erklärte kurz das Konzept der Veranstaltung sowie den weiteren Ablauf. Die festlich dekorierten Tische in der ZRG waren so gedeckt, dass anhand der Farbe der Servietten, nämlich gelb für Schüler und grün für Ehemalige, für eine gute Durchmischung bei der Sitzordnung gesorgt wurde. Hüls dankte den drei Sponsoren der Veranstaltung, der Sparkasse, den Stadtwerken und den Wirtschaftsjunioren Mittellenne und begrüßte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und natürlich die Referentin des Abends, Dr. Sarah Schniewindt.

Nach einem kurzen Interview durch die Schülersprecher Larissa Draeger und Tim-Jonas Becker über ihren Lebensweg berichtete Dr. Schniewindt aus der Praxis. Sie habe Volkwirtschaft studiert und damals nicht damit gerechnet, später in den väterlichen Betrieb in Neuenrade zu gehen. Sie habe viel reisen müssen und zeitweise auch im Ausland gelebt, dabei habe sie das Sauerland schätzen gelernt. Nach einem kurzen Abriss über die Entstehung des Abiturs nannte sie Zahlen: Nur ein Drittel der Abiturienten wolle heute noch an die Uni. Es folgte ein Test unter den anwesenden Schülern, auch hier zeigte nur etwa jeder dritte auf, als gefragt wurde, wer ein Studium anstrebe. Schniewindt zeigte die verschiedenen Alternativen auf, die sich bieten, wenn man „das Abi in der Tasche hat“ und keine Universität besuchen möchte. Eine Möglichkeit sei das Verbundstudium, ein Studium an einer Fachhochschule in Kombination mit einer Ausbildung. Dies sei sehr praxisorientiert, stelle aber eine Doppelbelastung dar.

„Was bietet der Mittelstand?“ fragte die Referentin anschließend und beantwortete die Frage selber: „Der Mittelstand ist die tragende Säule der Wirtschaft, ohne ihn fährt kein Auto und kein Zug, kommt kein Strom aus der Steckdose und kein Wasser aus dem Hahn.“ Der Mittelstand biete flache Hierarchien, ein breites Aufgabenspektrum und sei zunehmend weltweit aufgestellt.

Dr. Rita Rüth und Christof Hüls bedankten sich mit einem Blumenstrauß bei der Referentin, bevor die Anwesenden Gelegenheit hatten, Fragen zu stellen. Dabei wurde Kritik an den neuen Abschlüssen geübt, der Bachelor beispielsweise sei mit dem Diplom nicht vergleichbar. Durch die Reduzierung auf sechs Semester gehe das Studium nicht so in die Tiefe, und die Absolventen müssten im Beruf einiges nachholen, was früher Thema im Studium war.

Das anschließende Büfett erhielt auf den zum Abschluss verteilten Feedback-Bögen durchweg die Note 1, die meisten Anwesenden plädierten für eine jährliche Neuauflage von „B. trifft“, wünschten sich aber auch mehr Informationen, die andere Studiengänge, zum Beispiel Sprachen oder Psychologie, betreffen. Während des Essens ging der Plan des Fördervereins auf: Die Schüler sprachen die Ehemaligen an, man kam miteinander ins Gespräch. Schulleiter Holtkemper, der seine Schüler und deren Berufswünsche kennt, half mit und vermittelte so manches Gespräch. Aber auch die Ehemaligen fanden gegen Ende der Veranstaltung noch genügend Zeit, Erinnerungen auszutauschen. ▪ sis

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