Jeden Monat eine Verbrauchs-Rechnung

ALTENA - Jeden Monat eine Rechnung von den Stadtwerken und der Mark-E? Das könnte so kommen, weil die Europäische Union nach Wegen zum effizienteren Einsatz von Energie sucht. Der EU-Kommissar für Energie und Klima, Günther Oettinger, hat dazu Vorschläge ausgearbeitet, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurden.

Sie beinhalten die Abkehr von den bisher üblichen Jahresrechnungen. Erinnere man die Verbraucher häufiger an ihren Energieverbrauch, dann schärfe das ihr Problembewusstsein, meint der Schwabe.

In den Zentralen der örtlichen Energieversorger schlägt man wegen dieses Vorstoßes die Hände über dem Kopf zusammen: „Wir haben 270 000 Kunden“, rechnet Andreas Köster von Mark-E vor – schicke man denen jeden Monat eine Rechnung, dann bedeute das allein beim Porto einen Mehraufwand in siebenstelliger Größenordnung.

Von solchen Mehrbelastungen sind die Stadtwerke zwar weit entfernt, trotzdem sieht auch Marc Bunse den EU-Vorstoß sehr skeptisch: „Nach meinem Verständnis ist das zunächst einmal eine fromme Forderung, noch kein Gesetz.“ Auch ihm graust aber „vor dem 11-fachen Porto und den damit verbundenen Prozesskosten.“ Würde die Idee umgesetzt, stiegen wohl zwangsläufig die Preise. Und Bunse rechnet dafür salopp durchaus 100 bis 150 Euro pro Haushalt im Monat vor.

Das Verschicken der Rechnung ist das eine. Hinzu kommt, dass die Verbräuche dementsprechend oft ermittelt werden müssten. Statt der Jahres- bald die monatliche Ablösung durch teures Personal? Das kommt für Mark-E nicht in Frage – das Unternehmen verweist auf so genannte „intelligente“ Zähler, die längst entwickelt seien und die es unter anderem ermöglichten, den Zählerstand elektronisch abzurufen. „Das ist aber teuer“, weiß Köster. Mark-E bereitet gerade eine Erprobungsphase für diese Geräte vor und wird dabei die Verbräuche per Funk abfragen.

Dass Mark-E sich mit dieser Technik beschäftigt, hat übrigens auch mit Energeeffizienz zu tun – es sei sinnvoll, wenn der Stromabsatz möglichst gleichmäßig sei und so genannte Tagesspitzen möglichst abgeflacht würden, argumentiert der Mark-E-Pressesprecher. Der intelligente Zähler ermögliche es – vorausgesetzt, man entwickele entsprechende Tarifmodelle – den Kunden dafür zu belohnen, dass er Stromverbraucher wie zum Beispiel die Waschmaschine nachts laufen lässt. Intelligente Zähler - im Fachjargon Smart-Miter genannt, hat die Stadtwerke schon bei dem ein oder anderen installiert. Sie flächendeckend überall nachzurüsten und einzubauen, rechne sich aber wohl nicht, meint Bunse. Verblüffung pur, als er sagt: Bei uns gibt es sehr wohl schon Kunden, die monatlich in den Keller gehen, ablesen und dann ihre Zahlen sogar bei uns in ein Online-Portal stellen können, um es rechnen und grafisch darstellen zu lassen. Das könne jeder auch ohne Zusatzrechnung haben. Allerdings blieben die Einflussmöglichkeiten von Kunden durchaus begrenzt: „Was kann man denn tun, wenn es besonders warm oder besonders kalt ist?“, fragt Bunse und hebt damit auf die natürlich der Jahreszeit entsprechenden Gasverbräuche ab. Energie sparen ja - aber Aufwand und Ergebnis müssten schon passen - und das sehe er hierbei nicht.ben.-/job-

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