Pfarrerin Merle Vokkert hätte gerne bei Martin Luther studiert:

500 Jahre Reformation: "Die Kirche muss sich weiter reformieren"

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Eine historische Lutherbibel aus Wittenberg wird in der Kapelle auf Burg Altena ausgestellt.

Altena - Am 31. Oktober 2016 hat das Reformationsjubiläum offiziell begonnen. Seit dieser Zeit wird der Name Martin Luther für ein Jahr ganz besonders in aller Munde sein. Merle Vokkert ist Pfarrerin der evangelischen Kirche zu Altena. Neben dem 500. Jubiläum des Reformators freut sie sich ganz besonders auf die Wieder-Indienst-Stellung der Lutherkirche, was am Sonntag, 12. März, in einem 14-Uhr-Gottesdienst geschehen wird. An der Schwelle zum neuen Jahr sprach unsere Zeitung mit der Pastorin über Luther, über den Glauben und wie der 500. Jahrestag der Reformation in Altena gefeiert wird.

Nennen Sie uns

bitte drei Dinge/Gedanken/Wünsche/Hoffnungen, die Ihnen spontan einfallen, wenn der Name Martin Luther fällt.

1. „Freiheit eines Christenmenschen“ (eine Schrift Martin Luthers) 2. Die Kirche muss sich ständig weiter reformieren - so ein Gedanke Luthers, der uns hoffentlich auch weiter begleitet 3. Lies selber in der Bibel, benutze deinen eigenen Kopf, bilde dir selber deine Meinung - und mach dich nicht abhängig von anderen, die dir sagen, was du zu glauben hast.

Die Forschung

ist sich längst einig, welche Schlüsselmomente Luthers Glaubens- und Weltbild veränderten. Strahlt das noch in unsere heutige Zeit aus oder hat es sich längst überlebt?

Luthers Grundgedanken sind auch heute noch aktuell, sie müssen natürlich auch in unsere Welt „übersetzt“ werden. Die Welt hat sich verändert, aber der Mensch nicht wesentlich. Und viele Äußerungen Luthers beziehen sich auf das Mensch-sein.

Als Pastorin

sind sie mit dem Reformator, seinen Schriften und seinem Denken, bestens vertraut. Welche Bibelstellen, die auch Luther besonders schätzte, teilen sie mit ihm und warum?

Da bleibe ich doch tatsächlich bei dem Klassiker Römer 3,28: So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Denn diese Bibelstelle entlastet den Menschen davon zu meinen, er könne sich die Vergebung, die „Gerecht-sprechung“ von Gott verdienen. Das kann keiner. Gott schenkt seine Vergebung, seine Barmherzigkeit, seine Liebe einfach so. Völlig unverdient.

Pfarrerin Merle Vokkert

Welche Aussagen

- heute oft im Rang von Sprichwörtern - haben für Sie noch heute Bedeutung.

Ein ganz berühmtes Wort (sogar auf Socken festgehalten) heißt ja: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Es bezieht sich auf Luthers Aussage vor dem Reichstag von Worms. Dort wollten Kaiser und Kirche, dass Luther seine Aussagen zurückziehen solle. Doch das macht Luther nicht. Er kann das, was er für sich als wahr und richtig herausgefunden hat, nicht widerrufen. Er steht wortwörtlich für das ein, was ihm wichtig ist. Das finde ich bewundernswert und durchaus wünschenswert für unsere Zeit. Es gäbe noch so viel von ihm herauszustellen, aber dann würden wir hier mehrere Seiten füllen. Nur am Rande: Ob er dieses Wort wirklich so gesagt hat, ist noch sehr umstritten und liegt für manchen Forscher im Bereich der Legende. Schön ist es aber trotzdem!

Teilen Sie

Luthers Einstellung, dass allein der Glaube, die Bibel, die Gnade und Jesus Christus im Mittelpunkt eines christlichen Lebens stehen sollten? Und das auch und gerade im Jahr 2017?

Diese vier „Säulen“ sind ein gutes Fundament für eine Christin/ einen Christen. Sie müssen natürlich in den jeweiligen Kontext gebracht werden.

Stichwort Ökumene

Glauben Sie, dass die beiden großen Kirchen auf einem guten Weg zueinander sind oder doch noch "meilenweit" voneinander entfernt und wie kann man das ändern?

Ich glaube, dass die kath. und die ev. Kirche auf einem guten Weg sind. Es ist natürlich immer schwieriger und komplizierter, sich auf offiziellem Weg und auf oberer Ebene zu nähern als es das auf der Eben der Ortsgemeinden ist. Wir hier in Altena sind - so empfinde ich das - wunderbar zusammengerückt. Wir haben eine unkomplizierte, aufrichtige und gute Zusammenarbeit.

Welche speziellen

Veranstaltungen wird es zum Reformationsjubiläum in Altena geben?

Zum einen veranstalten wir in der Region ein Passionsprojekt rund um die Johannespassion von J.S. Bach. In der Woche vom 3.-6.4. wird es in den jeweiligen Gemeindehäusern Gesprächsabende zu theologischen Themen zur Johannespassion geben, u.a. auch zu Luthers speziellem Blick auf das Passionsgeschehen; am 9.4. wird das Werk in der Lutherkirche aufgeführt, am 8.4. gibt es ein Gesprächskonzert.  Und am 12. März werden wir um 14 Uhr unsere Lutherkirche wiedereröffnen.

Auf der Burg

in der dortigen Kapelle, gibt es eine wertvolle Martin Luther zugeschriebene handschriftliche Bibelübersetzung. Möchten Sie diesen Schatz Ihrer Gemeinde neu zugänglich machen? Ich muss gestehen, dass ich diese Bibel nicht kenne. Da ich aber davon ausgehen, dass sie auch jetzt schon der Öffentlichkeit zugänglich ist, sehe ich sie dort gut aufgehoben, wo sie jetzt ist.

Hätten Sie

Martin Luther gerne persönlich kennen gelernt?

Ich wäre gerne einer seiner Studentinnen gewesen. Aber da es die damals noch nicht gab (also die weiblichen Studierenden), hätte ich da keine Chance gehabt. Aber ich hätte ihn natürlich gerne selbst erlebt, auch gerne an der einen oder anderen Stelle mit ihm diskutiert. Noch spannender wäre es, die Reformatoren zusammen zu erleben, ihre Auseinandersetzungen und Diskussionen. Denn wir feiern ja nicht in erster Linie 500 Jahre Luther, sondern 500 Jahre Reformation.

Warum hat

die Lehre/der Weg des Reformators aus Ihrer Sicht heute noch Bestand?

Martin Luther hat viele grundlegende Einsichten beschrieben, die bis heute nicht an Bedeutung verloren haben. D.h. nicht, dass alles, was er gesagt und geschrieben hat, toll war und in Gold zu gießen ist. Aber das Grundlegende, das er für sich herausgefunden und das er zur Veränderung seiner Kirche wollte - das gilt es zu würdigen.

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