125 Jahre Raumausstatter Bartels: Betrieb der mutigen, jungen Frauen

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Das Team des Raumausstatter-Fachgeschäftes Bartels aus der Lennestraße 64a mit (v.l.) Andreas Klupsch,Liane Klüppelberg, der neuen Inhaberin Alina Weber, Ingrid Greupner und der langjährigen Chefin Dorothee Behrendt-Bartels.

Altena - Tradition ist beim Raumausstattergeschäft Bartels kein leeres Wort. Der Betrieb feiert 125-jähriges Firmenjubiläum. Es ist ein Unternehmen mit mutigen, jungen Frauen.

Der 1. April ist ein großer Tag in der Firmengeschichte: Das fünfköpfige Team des Raumausstatter-Meisterbetriebes Bartels feiert an der Lennestraße 64a das 125-jährige Firmenjubiläum. 

Den Grundstein legte, wie eine historische Anzeige aus unserer Zeitung belegt, der Großvater der scheidenden Firmenchefin, Hermann Bartels. Der zeigte „den sehr geehrten Bewohnern von Altena und Umgegend“ anno 1895 an, dass er „(...) im elterlichen Hause am Kaldewey (jetzt Bachstraße) ein Sattler-, Polsterer- und Decorationsgeschäft“ eröffnete. 

Start am 1. April 1895

Insbesondere der Wandel der Materialien – Gardinen, Sonnenschutz, Polsterei und Bodenbeläge – „hat es mir nie langweilig gemacht, in diesem sehr kreativen Beruf zu arbeiten“, sagt Dorothee Behrendt-Bartels. Sie sagt das nicht einfach so, denn immerhin führte sie das Geschäft 52 Jahre als Inhaberin. „Es ist so schön, dass es jetzt weitergeht, obwohl unsere Kinder andere berufliche Pläne hatten“, sagt sie. 

Firmengründer Hermann Bartels senior würde sich sicher heute die Augen reiben, blickte er dieser Tage ins Schaufenster an der Lennestraße. Welche fröhlichen Farben, welche Materialfülle. Solche üppige Vielfalt kannte er nicht, als er am 1. April 1895 sein Gewerbe anmeldete. Hermann Bartels senior lieferte aber stets solide Handwerksarbeit ab und die Kunden schätzten zudem seine Pünktlichkeit und Kundenfreundlichkeit. 

Zaumzeug fürs Pferd repariert

Das schloss einst auch Vierbeiner ein. „Damals, zur Jahrhundertwende, fuhren ja noch Pferdegespanne“, erzählt die langjährige Firmenchefin und hat einen weiteren AK-Zeitungsausschnitt parat. „Wenn das Zaumzeug brach, wurde mein Großvater von Nettetal-Kutschern aus der Werkstatt geholt und leistete als Sattler vor Ort schnelle Hilfe.“ 

Einmal brannte gar die Werkstatt ab. Der Gründer, selbst Feuerwehrmann, musste sein eigenes Unternehmen löschen. 

Der 1. April war stets ein besonderer Tag im Leben der Bartels. So trat zum 1. April 1926 Hermann Bartels junior in die Fußstapfen des Vaters – und musste sogar zwei Mal die Meisterprüfung ablegen, weil der Stadtstaat Hamburg und die Handwerkskammer zu Arnsberg in Nordrhein-Westfalen ihre Meisterbriefe nicht gegenseitig anerkannten. 

Chefin mit 23 Jahren

1967 starb der Vater von Dorothee Behrendt-Bartels Sie musste im Anschluss ihren Berufswunsch als Reisekauffrau begraben, begann eine Raumausstatterlehre und legte bereits 1972 die Meisterprüfung ab. „Irgendwie habe ich das aber nie bereut“, sagt sie heute. 

Besondere Freude hatte sie daran, ihre Kenntnisse an Auszubildende weiterzugeben. Bis zum Ausscheiden im Dezember 2019 hat Dorothee Behrendt-Bartels täglich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Andreas Klupsch, Liane Klüppelberg, Ingrid Greupner und Alina Weber alle Bereiche der Raumausstattung abgedeckt. 

Ihre junge Nachfolgerin Alina Weber (23) schätzt es, dass dem Raumausstatter von heute unendlich viele Materialien, Stoffe und Farben zur Verfügung stehen. Allein aus mehr als 1200 Mustern kann der Kunde im Geschäft wählen und sich zwischen mehr als 200 Farben entscheiden. „So sind“, sagt die junge Frau, „der Gestaltung von Heim und Arbeitsplatz kaum Grenzen gesetzt.“ 

Die Kundschaft aus Altena und dem Umland darf sich zum Firmenjubiläum auf besondere Aktionen freuen. Aufgrund des Coronavirus’ muss der Start der Sonderaktion aber zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Dorothee Behrendt-Bartels ist eines wichtig: „Ohne unsere treuen Kunden hätten wir uns nie so lange halten können. Es ist mir ein Bedürfnis, mich dafür zu bedanken."

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