100 Jahre alt und „noch fit wie ein Turnschuh“

Helene Runtemund und zwei ihrer Urenkel.

ALTENA ▪ Bis vor vier Jahren hat sie noch im eigenen Haus in Evingsen gelebt. „Auf der Böcke 15, wissen Sie“, erzählt Helene Runtemund. „Dann bin ich aber zu meinem Sohn Walter und seiner Familie gezogen. Jetzt wohne ich hier, an der Grünertalstraße 404, in einem Vier-Generationenhaus.“

Sie erlebt heute einen ganz besonderen Tag, feiert rüstig und fit ihren 100. Geburtstag. „Eigentlich ist alles so, wie immer. Ich steh‘ um 8 Uhr auf, frühstücke mit Walter und Frau, sehe die Enkel und dann mal sehen.“ Die Aufregung, die sie schon ein bisschen erfasst hat, wenn sie heute ihre Gäste im Restaurant Hombeck „Zur Mühle“ empfängt, überspielt die Altersjubilarin sehr geschickt.

Leicht hat sie es nicht gehabt, erzählt Enkelsohn Ingo. „Oma hat am 16. November 1940 geheiratet und ihr Mann Albert ist kaum drei Jahre später, am 30. Juli 1943, in Russland gefallen.“ Seit dieser Zeit war Sohn Walter und später dessen Familie das ein und alles der Witwe.

Helene Runtemund kam als geborene Kayser noch zur Kaiserzeit an der Strohmecke, heute Ihmerter Straße, in Evingsen zur Welt. Arbeit und immer wieder Arbeit, habe sie jung gehalten, blickt die Frau zurück und Sohn, Schwiegertochter und Enkel nicken zustimmend.

„Wissen Sie, das Schlimmste ist, wenn man 100 Jahre alt wird, dass die Freunde und Weggefährten alle weg sind. Meine Cousine war vier Jahre älter als ich und als die 95 geworden ist hat sie gesagt: ,Werd‘ du das erst mal!‘“, schmunzelt die Jubilarin. „Ja, heute ist es soweit, meine Cousine aber ist nicht mehr dabei. Leider.“

Früher hat die Jubilarin im Evingser Kirchenchor gesungen, die Gemeinschaft einst mitgegründet und sich aktiv in der Frauenhilfe eingebracht.

Was die Gesundheit betrifft, hat das Geburtstagskind kaum nennenswerte Probleme gehabt. Und so hat sie ein Krankenhaus auch erst mit 78 Jahren kurz kennengelernt. Enkel Ingo Runtemund: „Meine Oma hat zeitlebens Gymnastik betrieben und sich viel bewegt.“ Er habe immer bewundert, dass sie gerne Berge rauf- und runtergelaufen sei.

Stricken und Handarbeiten sind und bleiben die Lieblingsbeschäftigung der Evingserin. Und ihre warmen Socken sind weit über die eigene Familie hinaus begehrt. Stichwort Urlaub. Da schüttelt Helene Runtemund den Kopf: Früher sei das Geld knapp gewesen, „da war nicht viel mit wegfahren.“ Später sei sie oft mit nach Bayern oder in den Schwarzwald gefahren.

Ein Geheimrezept, wie man ein so stattliches Alter erreichen kann, hat Helene Runtemund nicht, erzählt aber augenzwinkernd, dass das vielleicht am Likörchen liege, den sie sich aber nur zu Silvester jedes Jahr gegönnt habe. Geistig fit zu bleiben, am Leben nach wie vor aktiv teilzunehmen, das gelingt Helene Runtemund auch durch das tägliche Auswendiglernen mindestens eines Artikels aus dem Altenaer Kreisblatt und regelmäßiges Bibellesen. Für die Zukunft wünscht sie sich nur eins: „Dass es meinen Lieben gut geht und dass ich weiter gesund bleibe!“ Heute sei sie vor allen Dingen „sehr, sehr dankbar.“ Das AK liest sie bereits seit 60 Jahren. Die Redaktion dankt und wünscht alles Gute zum ganz besonderen Ehrentag. ▪ Johannes Bonnekoh

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