Der Durchbruch fürs Fahrrad ist in Altena angekommen

Diese Aufnahme aus Nachrodt zeigt, dass Fahrräder bisweilen auch für den Schulweg genutzt werden, In der Burgstadt aber selten.

Altena - Die erste Fahrradfahrt führte vor 200 Jahren, im Juni 1817, von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Es war eine Spazierfahrt bei schönem Sommerwetter, die – wenn auch mit einiger Verspätung – die Welt verändern sollte. Aber welche Rolle spielt diese Form des Individualverkehrs heute in der Burgstadt?

Karl Freiherr Drais von Sauerbronn brauchte für die knapp 13 Kilometer lange Strecke, „eine kleine Stunde“. Drais erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 Stundenkilometer und war damit deutlich schneller als eine Postkutsche und fast genauso schnell wie ein Reiter.

Der Konstrukteur stellte sein Zweirad einst stolz als „neu erfundene Fahrmaschine“ vor. Später sprach er von „Laufmaschine“, während die Öffentlichkeit bald in Anlehnung an den Namen des Entwicklers die Bezeichnung „Draisine“ bevorzugte.

Der Erfinder schrieb: „Die Hauptidee ist vom Schlittschuhfahren genommen und besteht in dem einfachen Gedanken, einen Sitz auf Rädern mit den Füßen auf dem Boden fortzustoßen.“

Wenn das in der Topografie des Sauerlandes nur immer so einfach wäre... Es ist erst einige Jahre her, dass eine Weiterentwicklung mit zusätzlicher, batteriegespeister Antriebskraft den Zweiradfahrern etwas zu Hilfe kommt. Jan Slejfir, Inhaber von „Jans Radland“ am Stapelcenter, kennt die Szene bestens: „Vor 18 Jahren habe ich das erste E-Bike verkauft“, erinnert sich der Altenaer. Damals seien das „Seniorenfahrzeuge“ gewesen, ausgerichtet auf die Generation der um die 60-jährigen. Davon sei heute nach einigem Wandel kaum noch etwas zu spüren. Vor etwa zehn Jahren seien dann die ersten sportiveren E-Bikes auf den Markt gekommen, gemeinsam mit einer merklichen Verbesserung der Batterietechnologie. Vor etwa fünf Jahren seien die ersten sportlichen, batteriegestützten Mountainbikes erschienen. Und sie schlugen ein. „Mit diesem Erfolg hat niemand gerechnet“, berichtet Slejfir. Am Anfang habe er etwa drei E-Bikes pro Jahr verkauft – „heute sind es weit über hundert.“ Die Beliebtheit ist so groß, dass es immer noch zu Lieferschwierigkeiten komme.

Das Altenaer Radwegenetz fristet dagegen eher ein Schattendasein. Da ist sich Slejfir einig mit Stadtplaner Roland Balkenhol und Heinz Wagener, der im MSC Altena als Verkehrsreferent engagiert ist. Ein guter Ansatz ist am Stortel mit einem Teilstück der künftigen Lenneroute gelungen, darüber hinaus heißt es eher: Fehlanzeige. Es gibt nur einen rudimentären Radweg entlang der Lenneuferstraße, der zudem noch Lücken aufweist. Am Stortel würde Balkenhol gerne in absehbarer Zeit den den Wechsel auf die andere Lenneseite zum Buchholz-Tunnel vollziehen. Es sei allerdings gar nicht einfach, ein geeignetes Planungsbüro zu bekommen – und „Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Die vor Jahren einmal angedachte Lösung mit einer Fähre sei vom Tisch, weil sie nicht ganzjährig möglich und alltagstauglich sei.

Nicht glücklich sind Beobachter der Radfahr-Szene auch mit einigen Strecken, die vor Jahren im Altenaer Radwegenetz ausgewiesen worden. So werden Radler auf dem Weg zum Nettenscheid zum Beispiel in Richtung Schreck hinaufgeschickt – mehr als steil und sportlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare