100 Jahre Jugendherbergen in Deutschland: Erfolgsgeschichte begann auf Burg Altena

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Noch immer ist die aktuelle Jugendherberge auf der Burg gut besucht.

Altena – Vor genau 100 Jahren wurde das Jugendherbergswerk gegründet - auf der Burg Altena. Dort entstand schon 1914 die erste Herberge. Die Initialzündung gab ein Gewitter.

Am 2. November 1919  wurde auf der Burg Altena beim Reichsherbergstag die Jugendherbergs-Bewegung als eigenständiger Verein gegründet. In diesem Sinne wurde nun nicht nur dieses Datums gedacht, sondern auch die Fotoausstellung „100 Jahre Deutsches Jugendherbergswerk“ auf der Burg eröffnet. 

„Der Termin stand gar nicht zur Debatte“, betonte Gunnar Grüttner vom Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) aus Detmold. Ein besseres Datum kann es nicht geben. Die Ausstellung ist eine dauerhafte Ergänzung und Erweiterung eines bereits zum Jubiläum 2009 installierten Medientisches. 

Aus knapp 900 Fotografien, einer „Vor-Vorauswahl“ (Grüttner) aus den verschiedenen Archiven, hatte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Lothar Molin und der Historikerin Maria Daldrup 32 Aufnahmen aus verschiedenen Epochen, Regionen und Themen ausgewählt und diese in vier Gruppen – Freizeit, Unterwegs, Alltag und Historisches – eingeteilt. 

"Nicht in Nostalgie schwelgen"

Wichtig dabei: „Wir wollten nicht mit Zahlen, Daten und Fakten langweilen, in Nostalgie schwelgen oder die Geschichte des Jugendherbergswerkes verklären“, sagt Daldrup. Stattdessen sei eine Art „Kaleidoskop der Lebenswelten“ das Ziel gewesen. 

Die Fotoausstellung zeigt Lebenswelten in der Jugendherberge.

Und „diese Burg spielt eine große Rolle in der Erfolgsgeschichte der Jugendherbergsbewegung“, sagte Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper zum 100. Geburtstag der Jugendherbergs-Bewegung. 

In ihrer Erinnerung sei ein Herbergsaufenthalt vor allem mit Stockbetten, Decken mit dem eingewebten Zusatz „Fußende“, Ferien in Freiheit und ohne Eltern, „Licht aus um zehn“ und dampfendem Hagebuttentee aus riesigen, scheppernden Metallkannen verbunden. 

Schirrmann hat die Idee

Der Erfolg der Jugendherbergsbewegung geht auf den Lehrer Richard Schirrmann zurück, der ab 1903 in Altena lebte. Das Erweckungserlebnis, auf das sich das DJH am Ende berufen sollte, fand bereits zehn Jahre vor der offiziellen Gründung des Vereins statt. „Im August 1909 wurden Schirrmann und seine Schüler bei Bröhl, im heutigen Rhein-Sieg-Kreis, durch ein heftiges Gewitter überrascht“, erzählte Dienstel-Kümper. 

Auch wenn die Wandergruppe in einer Schule Schutz fand, war in diesem Moment die Idee der Jugendherbergen geboren: „Junge Menschen sollten unabhängig von Herkunft und Geldbeutel die Welt entdecken, Gemeinschaft erleben und dabei ihren Horizont erweitern.“ 

Mehr als 100.000 Mitglieder in zehn Jahren

Dieser Gedanke ließ Richard Schirrmann nicht mehr los, sodass 1914 die erste ständige Jugendherberge auf der Burg Altena eröffnet wurde. 

Doch damit nicht genug. Ab dem 2. November 1919 trug der DJH die Expansion in Deutschland voran. Zehn Jahre später gab es bereits mehr als 2000 Übernachtungsmöglichkeiten, der Verein zählte bereits 100 000 Mitglieder. 

„Den jüngeren Gästen sei gesagt, dass diese Idee auch ohne Facebook, Instagram und Co. Verbreitung fand“, sagte die Kreisdirektorin. 

Während ab 1933 der „Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen“, so hieß das DJH seit 1928, gleichgeschaltet und in die Hitler-Jugend integriert wurde, wechselte der Hauptsitz von Altena nach Berlin. „Es ist gut, dass das DJH bis heute die dann folgenden zwölf Jahre bis 1945 aufarbeitet und sie einer geschichtlichen Einordnung zuführt“, betonte Dienstel-Kümper.

Volles Haus bei der feier 100 Jahre Jugendherbergswerk.

 Im Übrigen tue dies auch die Fotoausstellung: Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es im Jahr 1949, ebenfalls auf der Burg, zur Neugründung des DJH-Hauptverbandes. Detmold setzte sich bei der Suche nach einem neuen Hauptsitz durch. „Ab dieser Zeit ging es für die Jugendherbergsbewegung wieder steil bergauf und auch so mancher alte Zopf wurde abgeschnitten.“ 

Übernachtung nur ohne motorisierte Anreise

Interessante Anekdote: Bis in die 1950er-Jahre durfte niemand in einer Jugendherberge übernachten, „die mit motorisierter Hilfe erreicht wurde“. Wandern war Pflicht, getreu Schirrmanns Grundgedanken. Dies unterstrich Rainer Nalazek, Vizepräsident des Deutschen Jugendherbergswerkes: Die zentralen Elemente dieses „Gewittererlebnisses“ würden noch heute den Wertekanon des DHJ abbilden. 

Hierzu zähle ein Netz gastlicher Jugendherbergen. „Wir sind Teil der Infrastruktur in ganz Deutschland und betreiben keine Rosinenpickerei in den Großstädten“, betonte Nalazek. Er würdigte den Einsatz von Lothar Molin für die Fotoausstellung: „Ohne ihn säßen wir heute alle nicht hier.“ 

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