"Ausnahmezustand"

Messerattacke in Bäckerei: Es war ein Mordversuch 

Nach der lebensgefährlichen Messerattacke auf eine Kollegin muss eine 48-Jährige für zwölf Jahre in Haft.
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Nach der lebensgefährlichen Messerattacke auf eine Kollegin muss eine 48-Jährige für zwölf Jahre in Haft. (Symbolbild)

Die Messerstecherin aus einer Bäckerei-Filiale in Letmathe muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts verurteilte die 48-Jährige wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Unterschlagung von Tageseinnahmen der von ihr geleiteten Filiale.

Die Richter sahen zwei Mordmerkmale als verwirklicht an: Nach ihrer Unterschlagung habe die Angeklagte aktiv versucht, den Verdacht auf ihre 19-jährige Kollegin zu lenken. Als dies zu scheitern drohte, habe sie ihren Mordanschlag vorbereitet. „Sie hat sich ihr Opfer für die Tat bereitgestellt“, bemerkte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen mit Blick auf die organisatorischen Vorbereitungen. 

Dass die Angeklagte nicht zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, wie es der Rechtsbeistand des Opfers beantragt hatte, verdankte sich nicht den Umständen der Tat selbst: Zwei Mordmerkmale erfüllt, kein Rücktritt vom Mordversuch, und „das Aufhören (der Angeklagten) war nicht freiwillig“.

Messerattacke in Bäckerei: Opfer überlebt 

Die Absicht, nach dem ersten Stich ein Versehen zu behaupten, ließ es nicht zu, dass die 48-Jährige weitere Anläufe unternahm, ihr lebensgefährlich verletztes Opfer endgültig zu töten. Das zufällige Überleben der jungen Frau ermöglichte den Richtern dennoch eine Minderung der ansonsten zu verhängenden lebenslangen Haftstrafe auf ein Strafmaß von mindestens drei und höchstens 15 Jahren - mit der Chance einer vorzeitigen Entlassung. 

Nach einem „lebenslänglich“ hätte die 48-Jährige frühestens nach 15 Jahren freikommen können. Für die Angeklagte sprach bei der Minderung des Strafmaßes lediglich der Umstand, dass sie ihr bisheriges Leben ohne Straftaten bewältigt und sich bei der Tat in einem „Ausnahmezustand“ befunden hatte. Diese strafrechtliche Entlastung kritisierte das 19-jährige Opfer in einer persönlichen Erklärung. Die Altenaerin hatte sich in den letzten Sitzungen des Prozesses im Kreis ihrer Familie im Zuschauersaal aufgehalten. Sie war deshalb zum Abschluss des Prozesses nicht in den Blick der Richter geraten, die ihr nach den Plädoyers noch einmal das Wort erteilten. 

Messerattacke auf Kollegin (19): "Lebenslang nicht vergessen"

Zuvor war vor dem Schwurgerichtssaal die umfassende Verzweiflung der jungen Frau sichtbar geworden. Ihre Mutter erlitt einen Schwächeanfall und wurde von Sanitätern betreut. In ihrer Erklärung bezog sich die 19-Jährige auf das Plädoyer des Verteidigers, der hinsichtlich des Mordvorwurfs einen Freispruch beantragt hatte. „Wir haben immer nur von der Familie, der Karriere und der Vergangenheit der Angeklagten gehört“, erklärte die junge Frau. „Wir alle hatten eine schwierige Vergangenheit“, kritisierte sie den strafmindernden Blick auf die Persönlichkeit und die schwierigen Lebensverhältnisse der 48-Jährigen. „Ich habe sie schon am Tatort gefragt: ‘Wieso?’

 Ich hätte ihr das Geld gegeben.“ Und sie wiederholte noch einmal in ruhigeren Worten das, was sie vor dem Schwurgerichtssaal hatte weinen lassen: „Nicht der Stich hat mir wehgetan, sondern die Wochen im Krankenhaus.“ Es sei eine sehr traurige Zeit gewesen, in der sie ihre Familie sehr wertgeschätzt habe. Ihre Eltern hätten wochenlang im Krankenhaus geschlafen, damit sie dort nicht allein war. „Meine Familie wird diese Tat nie vergessen. Ich bin 19. Ich werde das lebenslang nicht vergessen. Ich werde diejenige sein, die bis zum Tod darunter leiden muss.“

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