50 Jahre Femegericht in Evingsen

Das Femegericht samt Büttel kam zur 25. öffentlichen Verhandlung zusammen.

ALTENA - Reumütig stehen sie vor dem Kadi, die Schützenbrüder und -schwestern, die sich in den vergangenen zwei Jahren gehörig was zu Schulden kommen lassen haben. Auf der 25. öffentlichen Sitzung des Femegerichtes wurden sie nach den Richtlinien des Gerichtes am Samstag verurteilt, ganz zur Freude der sensationslustigen Gäste.

Das Besondere: Das Gericht tagte im 50. Jahr seines Bestehens. „Insbesondere liegt es an den Menschen dieses Bergdorfes, die einfach nicht die Sitten und Gebräuche des Miteinanders in der Gemeinschaft einhalten können und wollen“, erklärte der Vorsitzende Richter Frank Moldenhauer. Der erste Fall der verhandelt wurde, drehte sich um mangelnde Fürsorgepflicht. Angeklagt waren Birgit und Uwe Hell, nebst Sohn Benny. Benny der ohne Krawatte das Altenaer Schützenfest besuchen wollte und die Schmückmoral der Familie riefen die Richter auf den Plan. Das Urteil war jedoch milde: Krawatte binden nach Anleitung. Schwerer war der Fall der kleinen Springer Strolche, die ein konstituierendes Springer Schützenfest abhielten. Zur Strafe müssen sie das Femegericht, während des Umzuges im Springen bewirten.

Der Evingser Frauenchor wurde ganz zur Freude der Zuschauer wegen BTM-Verstoß verurteilt: „Sie werden sich nun mit unserer Hilfe in den Gefangenenchor aus der Oper Nabuco verwandeln.“ Zu der Musik von Giuseppe Verdi begaben sie sich auf die Tanzfläche. Dort erwarteten sie die „Tiere im Keller“. Gemeinsam tauchten sie in die Opernwelt ab. Natürlich durfte auch die eine oder andere scharfe Bemerkung bezüglich des Nachbardorfes nicht fehlen.

So beim Verfahren gegen den Evingser Jungfrauen- Verein: „Ja, glauben diese Töchter von Alice Schwarzer, mal so eben als offizielle Abordnung nach Dahle ziehen zu können? Diese weiblichen Angeklagten, geboren etwa in der Zeit als Elvis Presley den Dahlern sein Lied „In the ghetto“ widmete, können saufen wie ihre Väter, früher konnten die Töchter kochen wie die Mütter.“ Wie jedes Jahr war das Femegericht für alle ein großer Spaß. - lm

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