Mit Kaisers Hilfe: 125 Jahre Kirchengemeinde Evingsen

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Aufstieg hinauf zum Glockenstuhl. ▪

ALTENA ▪ Zahlreich waren am Mittwoch die Gratulanten, die der Kirchengemeinde Evingsen zum 125. Geburtstag gratulierten. Am 3. Oktober 1887 wurde die Kirche durch Generalsuperintendent Dr. Gustav Nebe eingeweiht. Wer sich über die Baugeschichte der Kirche informieren wollte, war bei Helga Mosch bestens aufgehoben.

Die langjährige Kirchmeisterin (1985 bis Februar 2012) und Presbyterin führte die Besucher durch die Ausstellung und erzählte von dem „aufsässigen Bergdorf“, das Ende des 18. Jahrhunderts sein eigenes Kirchlein haben wollte, das allerdings nur rund 100 Jahre hielt. Dann wich das erste Bethaus 1886 dem Neubau, der in einer erstaunlich kurzen Bauzeit errichtet wurde. „Erst eine Spende des Kaisers über 10 000 Reichsmark erlöste die Gemeinde von ihren finanziellen Nöten“, erzählte Helga Mosch von dem interessanten Finanzierungsmodell der insgesamt 58 000 Mark teuren Kirche.

Synodalassessor Pfarrer Hans-Peter Marker als Vertreter des Kirchenkreises baute in seiner Festpredigt auf einen Text des Evangelisten Matthäus, den zu Rate zu ziehen sich bei allen kirchlichen Bauvorhaben empfiehlt: Jesus Christus erzählt darin das Gleichnis von den beiden Männern, von denen der eine sein Haus auf Sand, der andere aber auf einen Felsen baut.

Marker blickte zurück auf die „Irrungen und Wirrungen“ eines Kirchbaus und würdigte die lebendige Gemeinde, die sich dort bis heute trifft.

Im Namen dieser Gemeinde nahm Pfarrer Uwe Krause stellvertretend die Glückwünsche der Evingser Vereine, des Blauen Kreuzes und der Nachbargemeinden entgegen. Auch Ortsvorsteher Dirk Mühle und Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein würdigten das Kirchjubiläum. Pfarrerin Merle Vokkerts Bemerkung zur eingeschränkten Sicht auf die katholische Kirche setzte Diakon Heinz-Georg Voß Gewichtiges entgegen: „Dass man den katholischen Diakon nicht sehen kann, das liegt nicht an mir. Ich habe alles dafür getan, dass man mich sieht“, scherzte Diakon Voß. Er erinnerte an schwere Zeiten während des Nationalsozialismus: „Die Kirche war oft einziger Zufluchtsort, als man draußen nicht mehr viel sagen durfte.“ Den Blumenscheck für einen Freudenstrauß hatte er der „reifen alten Dame“ mitgebracht. Abschließend legte Diakon Voß ein nachdrückliches Bekenntnis zu „einer Ökumene der kleinen Schritte“ ab, die er einer Ökumene „in zu großen Schuhen“ entgegensetzte: „Ich fühle mich in der evangelischen Kirche genauso wohl wie in meiner eigenen.“

Auf Gottesdienst und grußworte folgte eine ganz elementare und sehr angenehme Sättigung der bis zu 300 Festgäste. Dabei schien sich ein altes, neutestamentliches Wunder zu wiederholen: Obwohl erheblich mehr Gäste als erwartet gekommen waren, wurden alle satt. Frisch gestärkt nutzten dann viele die Gelegenheit zu einem Aufstieg auf den Kirchturm bis zu den Glocken. ▪ thk

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