Älteste Baugesellschaft NRWs: Das ist ihr Geheimnis

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Die wichtigsten Männer: (v.l.) Hans Möhling, der Aufsichtsratsvorsitzende der ABG, mit Alexander Rychter, ABG-Vorstand Manfred Haupt, Staatssekretär Jan Heinisch, Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein und Axel Gedaschko.

Altena – 30 Jahre sollte es sie geben, 150 sind es geworden: Die ABG feiert Jubiläum. Dass die Baugesellschaft so zur ältesten NRWs wurde, hat mehrere Gründe.

„Feucht, dunkel, kalt und stinkend.“ So drastisch beschrieb Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski am Freitag in der Burg Holtzbrinck die Wohnsituation im 19. Jahrhundert. 

In Altena war Gustav Selve die treibende Kraft, als es um die Verbesserung der Lebensqualität von Arbeitern ging. Auf seine Initiative hin gründeten Altenaer Unternehmer am 14. Februar 1870 im Hotel Klinke die Altenaer Baugesellschaft (ABG). 

„Die Dauer der Gesellschaft ist auf 30 Jahre angelegt“, stand im Gründungsstatut. Daraus wurde bekanntlich nichts: Gestern feierte das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen. 

Damit sei es die älteste Baugesellschaft in NRW, bundesweit seien nur vier Unternehmen älter als das in Altena, berichtete Dr. Jan Heinisch, Staatssekretär im NRW-Bauministerium, als einer von vielen Gästen der Jubiläumsveranstaltung. 

150 Jahre ABG: So feiert die Baugesellschaft Jubiläum

Die ABG feierte mit Handwerkern, Unternehmern, Vertretern befreundeter Unternehmen, Kommunalpolitikern und auch einigen Mietern. ABG-Vorstand Manfred Haupt und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Möhling konnten mit Alexander Rychter (Verbandsdirektor der Wohnungswirtschaft Rheinland und Westfalen) und Axel Gedaschko (Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen) auch zwei Vertreter von Spitzenverbänden begrüßen. 

Kein "vor sich Hinverwalten"

„Die wichtigsten Menschen sind die, die zupacken“, sagte Staatssekretär Heinisch in seiner Festrede. Eher als in den meisten anderen Städten sei in Altena erkannt worden, dass das Wohnen in der Stadt alle angeht und dass es im Interesse der Industrie ist, auch für Arbeiter ein vernünftiges Wohnumfeld zu schaffen. 

Dass die ABG jetzt 150 Jahre alt wird, sei auch darauf zurückzuführen, dass sie mit der Zeit gegangen sei. „Zu sagen, wie schön es mal war, ist nicht die Lösung. Man muss wissen, wo man hinwill und man muss Antworten auf Veränderungen finden“, sagte Heinisch. Und: „Man kann so einen Wohnungsbestand nicht einfach nur vor sich hinverwalten.“ 

Kurzzeitwohnen und WG-Häuser nannte der Staatssekretär als Beleg dafür, dass die ABG bis heute immer wieder mit der Zeit gegangen sei. Dazu gehöre aber auch, dass gelegentlich Häuser „vom Markt genommen werden“. 

"Eine Bank für Handwerker"

„Ich sag’ dazu Abbruch“, sagte später Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU). Dass die ABG vernünftigen Wohnraum zu moderaten Preisen anbiete, sei für die Stadt von existenzieller Bedeutung, weil das für Zuzug sorge. 

Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Baugesellschaft „auch für Altenas Handwerker eine Bank ist“ und dass ihr mit dem Knerling eine der herausragendsten Arbeitersiedlungen in NRW gehöre. 

150 Jahre Baugesellschaft, das stehe nur scheinbar für Kontinuität, meinte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Möhling. „Kontinuität ist in diesem Fall die Aneinanderreihung von Reaktionen auf sich verändernde Gegebenheiten.“ Das Jubiläum sei kein Schlusspunkt, versprach der Dahler Unternehmer.

Ausstellung:Wohnen anno dazumal

Als „wunderbar funktionierendes Dreieck“ würden Stadt, Unternehmen und die Baugesellschaft sich auch zukünftig den Herausforderungen stellen. Begleitet wurde die Feier von einer kleinen, multimedialen Ausstellung, die den Wandel des Wohnungsbestandes dokumentierte. So sah man Uralt-Gasdurchlauf-erhitzer, antik anmutende Badewannen-Armaturen und giftgrüne Fliesen aus den Fünfzigerjahren.

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