„Irgendwas ist immer“

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„Hm, lecker!“, dachten gestern trotz Antibiotika-Skandals einige auf dem Wochenmarkt in Altena und ließen sich ihr Grillhähnchen schmecken. ▪

ALTENA ▪ „Bitteschön, guten Appetit“, das hat Georg Peters seinen Kunden gestern Mittag wesentlich weniger als sonst gewünscht. „Wir verkaufen momentan etwa 15 bis 20 Prozent weniger Grillhähnchen“, berichtete der Mann aus dem Verkaufswagen der Westerwälder Hähnchenbräterei auf dem Wochenmarkt.

Das erneute Bekanntwerden über den Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast ließ gestern viele Altenaer auf das gegrillte Geflügel verzichten. Doch eben nicht alle: „Ach, ist doch egal“, winkte eine ältere Dame ab, als sie die dampfende Tüte mit der knusprig-braunen Hähnchenkeule entgegennahm. „Wenn sie darauf hören, dann können sie ja gar nichts mehr essen.“ Das meinte auch ein Mann, der gerade zwei „Halbe“ bestellt hatte. „Wir essen weiterhin unser Hähnchen. Irgendwas ist doch immer“, meinte er und erinnerte an die Vogelgrippe.

„Unser Geflügel kommt von einem Bauernhof – da gibt es nicht so eine Massentierhaltung. Ich vertraue denen voll und ganz und esse immer wieder gerne mein lecker gegrilltes Hähnchen“, versicherte dann auch Bräter Georg Peters.

Ein paar Meter weiter stand Thomas Böhnke mit seinem Verkaufswagen und bot frisches Geflügel an. Etwas mau war sein Geschäft gestern, aber ob das mit den Antibiotika-Meldungen zu tun hatte, wollte er nicht bestätigen. „Das ist immer schwankend – je nach dem, worauf die Leute Hunger haben eben“, sagte der Händler. Das Fleisch, das er verkauft, bezieht er vom Frischgeflügel-Spezialbetrieb Borgmeier in Delbrück, wo die Hühner von ausgewählten Mastbetrieben angeliefert und dort verarbeitet werden. Böhnke beklagte gestern den großen Preisunterschied zwischen Discountern und Markthändlern. „Ein tiefgefrorenes Hähnchen für 1,99 Euro dürfte es an und für sich gar nicht geben. Aber die Verbraucher wollen’s halt immer billiger haben“, meinte er. Gedient sei damit jedoch am Ende niemandem.

In der Metzgerei Wolfgang Anlauf fragen die Kunden derzeit verstärkt nach, wo das Geflügel, das er anbietet, herstammt. „Vom Fleischereieinkauf Dortmund“, lautet seine Antwort. Und der kauft es von Bauernhöfen aus dem Paderborner Raum – „diese Infos finden unsere Kunden in den Flyern, die im Laden ausliegen“, so Anlauf. Sein Angebot an Hähnchenbrust, -keulen und Suppenhühnern sei begrenzt, größere Mengen gäbe es in seinem Geschäft nur auf Bestellung.

„Nicht eine Keule“ hat in dieser Woche Metzgermeister Ulrich Hücking verkauft. „Die will im Moment doch keiner haben“, berichtete er gestern. „Und das wird auch so bleiben, solange die Medien immer wieder über den Antibiotika-Einsatz berichten.“ Auch Hücking kauft das Geflügel im Dortmunder Fleischereieinkauf und erklärte: „Ich gehe davon aus, dass mein Hähnchenfleisch antibiotikafrei ist.“

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