Ioannis Anastasiou steht auf der Brücke von Mein Schiff 2 und wuchs in Altena auf 

Als Kapitän die große weite Welt entdecken

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Altena - Wenn Altenaer auf hoher See heiraten, ist das schon außergewöhnlich. Wenn diese beiden Burgstädter dann aber zufällig von einem in Altena aufgewachsenen Kapitän Kraft Amtes getraut werden, dann ist das wohl eine unverhoffte Laune des Schicksals. Solche Geschichten passieren im realen Leben – man kann sie sich wohl kaum ausdenken.

Beteiligt daran: Ioannis Anastasiou. Der 57-Jährige steht seit April 2014 auf der Brücke des Kreuzfahrtschiffes Mein Schiff 2 der TUI Cruises GmbH. Er ist 57 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Töchtern im Alter von 15 und 14 Jahren. Ist er einmal nicht auf den Weltmeeren unterwegs, lebt er mit seiner Familie in Patras, Griechenland.

Als Kapitän hat er die Verantwortung über einen „Seegiganten“ von 262,5 Metern Länge und 32,2 Metern Breite. Seit der Taufe im Mai 2011 im Hamburger Hafen ist das Schwesterschiff der Mein Schiff 1 auf „Wohlfühlkurs“, wie es der Kapitän sagt. Ioannis Anastasiou hat die Welt kennengelernt, wie kaum ein anderer. Zum Sauerland hat der Seefahrt-Offizier eine gute Verbindung. Im Alter von zwei bis elf Jahren wohnte und lebte er in Altena. Vor Ort besuchte er die Griechische Grundschule an der Fritz-Thomee-Straße 36. Nach wie vor hält Anastasiou Kontakt zu Freunden aus Kindertagen und erinnert sich gerne an seine Zeit in Südwestfalen. Für den Sommer plant er noch einmal einen Altena-Abstecher. 

Geben Sie uns bitte eine kurze Beschreibung Ihres beruflichen Werdegangs. 
Ioannis Anastasiou: Ich fahre seit mehr als 35 Jahren zur See. Von 1981 bis 1983 habe ich die Handelsmarine-Akademie von Athen besucht. 1998 habe ich das Chief Offiziers Patent bekommen und 2003 das Kapitänspatent erlangt. 2005 übernahm ich das erste Kommando bei „Superfast Ferries“, im April 2014 habe ich dann als Kapitän auf der Mein Schiff 2 angefangen. 

War es immer Ihr Traum, einmal als Kapitän zu arbeiten?
Anastasiou: Es gibt ein Urlaubsfoto von mir, da bin ich neun Jahre alt und fahre mit Kapitänsmütze auf einer kleinen Fähre. Das könnte man natürlich jetzt als Hinweis auf meine spätere Berufung nehmen. Tatsächlich ist es aber so, dass mich das Meer zwar immer fasziniert hat, ich aber erst mit 21 Jahren die Entscheidung getroffen habe, an der Marine-Akademie zu studieren.

Als Neunjähriger trug Anastasiou bei der Überfahrt nach Corfu auf einer Fähre im Urlaub aus Spaß eine Kapitänsmütze.

Was ist das Besondere an diesem Beruf? 
Anastasiou: Als Kapitän entdeckt man die große weite Welt und hat das große Glück, viele verschiedene Kulturen und Menschen kennenzulernen. Wie viele Sprachen sprechen sie? Anastasiou: Ich spreche drei Sprachen. griechisch, deutsch und englisch fließend. Außerdem ein wenig spanisch.

Gibt es einen Lieblingsort auf dieser Welt, an dem Sie immer wieder gern vor Anker gehen?
Anastasiou: Ich habe zwei Lieblingshäfen: Zum einen Santorin, Griechenland und dann Stavanger in Norwegen. Haben Sie schon häufig Bekannte getroffen? Oder anders: Kommen Sie mit dem „normalen“ Gast auf Ihrem Schiff überhaupt in Kontakt? Anastasiou: Ich bin eigentlich ständig unterwegs an Bord und treffe mich mit Gästen. Es macht mir viel Freude, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich habe schon viele kennengelernt – auch welche aus Altena. Als Kapitän darf ich ja an Bord der Mein Schiff Flotte rechtsgültig trauen. Eines der letzten Paare, was ich getraut habe, war einPaar aus Altena. 

Aus TV-Serien kennt man sogenannte „Traumschiffe“ und das damit einhergehende Käptns-Dinner als einen Fahrthöhepunkt auf See. Gibt es so etwas auch auf Ihrem Schiff?
Anastasiou: Nein, das gibt es bei uns an Bord nicht. TUI Cruises hat ein anderes Konzept, als beispielsweise die Kreuzfahrtschiffe, die man aus dem Fernsehen kennt. Bei uns geht es weniger traditionell und dafür etwas legerer zu. Wir schließen die Lücke zwischen den Clubschiffen und der traditionellen Kreuzfahrt. Das hindert mich aber natürlich nicht daran, auch mal mit Gästen zusammen zu essen. So gehe ich beispielsweise hier an Bord gerne in die Restaurants Tag & Nacht, in die Osteria oder in die Backstube in unserem Büfettrestaurant Anckelmannsplatz. Dann bin ich auch zusammen mit den Gästen und wir nennen es hier an Bord auch manchmal zum Spaß Käptns-Dinner. 

Kapitän Ioannis Anastasiou hat zurzeit die Verantwortung über Mein Schiff 5 der TUI Cruises, auf dem er als Chef auf der Brücke aushilft. Normalerweise fährt er als Kapitän auf der Mein Schiff 2. Das ist ein „Seegigant“ von 262,5 Metern Länge und 32,2 Metern Breite. Dieses Schiff beziehungsweise die ganze Mein Schiff-Flotte ist seit Mai 2009 auf den Meeren der Welt unterwegs. Kreuzfahrtziele sind dabei unter anderem im Mittelmeer, entlang der Kanaren, in der Karibik, im Arabischen Golf, Asien, Mittel- und Nordamerika sowie das Nordland, einschließlich Norwegen, Island, Spitzbergen und Großbritannien. Ioannis Anastasious' Schiff, die Mein Schiff 2, wurde im Mai 2011 im Hamburger Hafen getauft. Die ehemalige Celebrity Mercury wurde Ende Februar 2011 von der Reederei Celebrity Cruises an TUI Cruises übergeben. Innerhalb von 38 Tagen bauten mehr als 2000 Handwerker das Schiff in der Bremerhavener Lloyd Werft zur heutigen Mein Schiff 2 um. Technische Daten und Fakten: Länge: 262,5 Meter. Breite: 32,2 Meter. Tiefgang: 8,5 Meter. Kabinen: insgesamt 956 davon 304 Innenkabinen, 225 Außenkabinen (davon sieben barrierefrei), 376 Balkonkabinen, 39 Junior-Suiten, 12 Suiten. An Bord gibt es acht Restaurants und Bistros, fast ein Dutzend Bars und Lounges und insgesamt 14 Decks. Die Fläche des Außendecks beträgt laut Reederei 11 991 Quadratmeter.

Gibt es etwas, was Sie an ihrem Schiff besonders schätzen und welche Plätze gefallen Ihnen an Bord besonders gut?
Anastasiou: Alle Schiffe der Mein Schiff Flotte sind wunderschön und modern. Es gibt Plätze, wo man abschalten kann, aber auch Plätze, wo man mit vielen Menschen zusammen sein kann. Persönlich gefällt mir die Außenalster auf Deck 14 achtern am besten. Es ist eine gute Abwechslung für mich als Kapitän, der ja sonst immer von der Brücke aus nach vorne blickt, auch mal nach achtern zu schauen. 

Warum raten Sie Menschen, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel zu haben, also eine Kreuzfahrt zu starten?
Anastasiou: Das wünscht man dem Kapitän, wenn man sich verabschiedet, damit er wörtlich gesprochen immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel hat, also damit er nirgendwo mit seinem Schiff strandet. 

Ein paar Worte zum Tagesablauf auf See. Wie sieht so ein „typischer“ Urlaubstag auf dem Meer aus? 
Anastasiou: Bei TUI Cruises genießen unsere Gäste unser Premium Alles-Inklusive-Konzept. Das bedeutet, dass die meisten Speisen und Getränke bereits im Reisepreis enthalten sind, genau wie der Spa- und Sportbereich oder das Entertainment-Programm an Bord. Insbesondere die Seetage bieten sich natürlich an, alles einmal nach Herzenslust zu testen und es sich an Bord richtig gut gehen zu lassen. Bei schönem Wetter liegen die meisten Gäste tagsüber auf unserem Pooldeck und genießen unseren 25-Meter-Pool – im Übrigen eine Besonderheit auf einem Kreuzfahrtschiff. Bei uns kann man richtig Bahnen schwimmen. Die kleinen Gäste spielen gerne in unserem kleinen Pool, der „Lagune“, oder halten sich in unserem Kids Club auf und erleben dort tolle Dinge. Abends gibt es immer eine Show im Theater, dort passen etwa 1.000 Gäste rein und es gibt musikalische Unterhaltung in den verschiedenen Bars oder in unserem Studio. Also: Langeweile gibt es bei uns an Bord nicht und ich habe auch noch nie gehört, dass sich ein Gast gelangweilt hat – auch nicht bei der letzten Transatlantik-Fahrt, wo wir sechs Seetage hatten.

Im Frühjahr 1967 hatte der Winter den Ortsteil Dahle fest im Griff, als diese Aufnahme entstand.

Was war für Sie die bisher kritischste Situation auf dem Meer?
Anastasiou: Ich habe glücklicherweise noch keine wirklich kritische Situation an Bord erlebt. Ich würde höchstens sagen, dass es für einige Gäste bei schlechtem Wetter manchmal etwas unangenehm werden kann, weil sie seekrank werden. 

Viele Gäste träumen von einem Besuch auf der Brücke. Ist so etwas überhaupt möglich?
Anastasiou: Bei TUI Cruises ist es möglich, wenn man treu ist. Wir bieten Brückenführungen für alle Gäste, die mindestens acht Mal mit uns gefahren sind. Es gibt ein „Ahoi und Hallo“ vom Kapitän und dann der Besuch auf der Brücke. Der Kapitän empfängt dort die Gäste und erklärt vieles über den Ablauf und die Technik. Aber auch Gäste, die nicht die Brücke besuchen können, haben die Möglichkeit, mich mit Fragen zur Technik oder zum Arbeiten als Kapitän zu löchern. Auf jeder Reise gibt es die nautisch-technische Fragestunde im Theater, bei der die Gäste Fragen stellen können. 

1964 drückte beim Spielen an der Lenne ein Familienmitglied auf den Auslöser der Kamera.

Es gibt viele Menschen, die sammeln Souvenirs oder den Sand der Strände dieser Welt. Sie kommen (fast) überall hin. Haben Sie auch so eine Anwandlung? Oder bleibt Ihnen Zeit für ein ganz persönliches Hobby?
Anastasiou: Ich habe eine Zeit lang Magnete gesammelt, bis meine Frau für die Magnete einen größeren Kühlschrank haben wollte. Dann habe ich doch lieber aufgehört damit. Jetzt sammle ich kleine Gläser oder Teller als Souvenirs. 

Kreuzfahrten sind heute auch ein Event – haben Sie Einfluss auf die Show-Bühne oder Künstler, die für Ihre Reisen gebucht werden? Anastasiou: Nein, dafür gibt es eine Abteilung an Land. Dafür fehlt mir das Know-how – das sollen lieber die Experten machen. Ich bin Nautiker. Hier an Bord ist der Kreuzfahrt-Direktor für das Unterhaltungsprogramm zuständig. 

Würden Sie jungen Menschen raten, eine Karriere auf See zu starten
Anastasiou: Auf jeden Fall: Zumindest wenn sie Lust auf Reisen und Entdeckungen haben und mit dem Gedanken leben können, eine Zeit lang weit von Zuhause fort zu sein.  

1965 entstand dieses Foto in Dahle. Stolz führte der junge Mann sein neues Fahrrad vor.

Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal nach Altena zurückzukommen oder waren Sie schon einmal wieder vor Ort?
Anastasiou: Ich habe Altena, wenn ich mich richtig erinnere, 1990 das letzte Mal besucht und damals auch alles wiedergefunden – meine Schule, das Haus, und die Gebrüder Herbert in Dahle. Für diesen Sommer haben wir einen Urlaub in Deutschland geplant und wenn alles laut Plan läuft, werde ich im Juli mit meiner Familie einen Tag in Altena verbringen. 

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