Skepsis in Altena und Nachrodt

 „Inzidenz 0“: Große Partys wird es trotzdem nicht geben

Richtig viel los ist immer beim Tag “Lenne lebt“ in Nachrodt. Diese und weitere große Veranstaltungen zu machen, sorgt für Bauchweh bei manchem Veranstalter.
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Richtig viel los ist immer beim Tag “Lenne lebt“ in Nachrodt. Diese und weitere große Veranstaltungen aktuell zu machen, sorgt für Bauchweh bei manchem Veranstalter.

Jubelstimmung gibt es in Altena und Nachrodt nicht, weil wieder (fast) alles möglich ist mit den neuen Corona-Lockerungen. Auf große Partys darf man vorerst nicht hoffen - aus zwie Gründen.

Altena/Nachrodt – Lenne lebt. Hallentrödel. Partys. Schützenfeste. Weihnachtsmärkte. Erlaubt ist, was gefällt. Es ist die Rückkehr zur Normalität, die so sehr herbeigesehnt wurde. Jetzt ist sie da und löst bei einigen Menschen Schockstarre aus. Die eingeführte „Inzidenzstufe Null“, die ab sofort gilt, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage lang bei höchstens zehn lag, betrachten einige mit Vorsicht. In Jubel ist kaum jemand ausgebrochen.

„Ich habe immer noch Bauchschmerzen“, sagt Nachrodt-Wiblingwerdes Bürgermeisterin Birgit Tupat mit Blick auf die Delta-Variante, die auf dem Vormarsch ist. Ob das „Lenne-lebt“-Fest in Nachrodt – das schönste Fest des Jahres – jetzt aus dem Hut gezaubert werden kann, glaubt sie nicht.

Hausarzt zu vollen EM-Stadien: „Ich würde auch hingehen“

„Das müssen wir mit den Beteiligten noch besprechen, aber ich glaube nicht, dass das klappt. Die Veranstaltung braucht viel Vorlauf“, so Birgit Tupat, die es auch weiterhin sinnvoll findet, Maske zu tragen statt sich glückselig bei Massenveranstaltungen in den Armen zu liegen – wie aktuell bei der Fußball-EM.

Das sieht der Nachrodter Hausarzt Matthias Hartig entspannter. „Ich würde da auch hingehen. Die Menschen sind doppelt geimpft und getestet. Noch mehr Sicherheit kann man nicht haben“, erzählt er und findet es wichtig, dass es wieder ein gesellschaftliches Leben geben kann, dass die Menschen wieder zum Sport gehen können. „Das wird der gesamten Bevölkerung gut tun“, sagt der Hausarzt. Die Folgeschäden durch Vereinsamung seien viel größer als zunächst gedacht.

Weihnachtsmarkt: Hin und Her ist für Helfer schwierig

Das sieht auch Hans Wehr so, allerdings ist er extrem hin- und hergerissen, was den Nachrodt-Wiblingwerder Weihnachtsmarkt betrifft. „Ich trau mich noch nicht“, sagt der Organisator des Arbeitskreises und ergänzt: „Wenn ich jetzt erkläre, dass wir den Weihnachtsmarkt veranstalten, dann fangen die Leute an zu basteln, häkeln und zu werkeln. Sie brauchen eine lange Vorlaufzeit, um den Markt zu bestücken. Dann komme ich im Oktober und ziehe die Reißleine. Die Politik hüpft ja bei dem Thema wie bekloppt.“ Und dann gibt es noch die Warnungen des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, der jetzt einen Super-Coronavirus für möglich hält, das auch Geimpfte häufig erkranken lässt.

Ein ähnliches Stimmungsbild in Altena: Auch Klaus Hesse, Hauptmann der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (FWG), ist noch skeptisch. „Mir geht das momentan ein bisschen zu schnell“, meint der Schütze und Unternehmer. Er beobachte die derzeitigen Entwicklungen mit höchster Vorsicht.

Schützen-Hauptmann: „Weiterhin Vorsicht geboten“

Ob die Schützen größere Feste wie die „Alles, was geht“-Party, die als kleiner Ersatz für das auf 2022 verschobene Schützenfest geplant war und dann abgesagt wurde, nun nachholen werden, dazu möchte Hesse noch keine Einschätzung abgeben.

Grundsätzlich wäre das in der neuen „Inzidenzstufe Null“ möglich, sofern sich alle Gäste zuvor einem Corona-Test unterziehen. Über die Durchführung von Veranstaltungen müsse letztlich der Vorstand entscheiden, sagt Hesse. Dieser werde nach der Urlaubszeit zusammenkommen und sich darüber beraten. Ganz wichtig ist dem Hauptmann: „Es ist weiterhin Vorsicht geboten. Oberste Priorität hat die Gesundheit der Menschen.“

Viel Organisation für Veranstaltungen nötig

Große Freudensprünge macht auch Stefan Kemper nicht, wenn er an die Lockerungen denkt. Es gebe nun zwar wieder mehr Möglichkeiten, damit müsse man sich aber erst einmal auseinandersetzen. Grundsätzlich hält auch der Stadtkämmerer und Vorsitzende der Kolpingsfamilie die Maßnahmen allerdings für gerechtfertigt: „Die Werte sind so niedrig. Da kann man das volle Maßnahmen-Programm nicht mehr fahren. Das wäre nicht zu begründen.“

Um bei größeren Zusammenkünften die Kontrolle zu behalten, seien Tests ein gutes Mittel. So wie es die Kolpingsfamilie bei ihrem ersten Treffen in Präsenz heute hält. Wer bei der Andacht und Jahresbetstunde um 15 Uhr in der Matthäus-Kirche dabei sein möchte, kann vor Ort und vorab einen Schnelltest machen.

Daran, dass es so schnell wieder große Feste geben wird, glaubt Kemper nicht: „Da wird zwar ein Tor geöffnet, aber es steckt unheimlich viel Organisation hinter solchen Veranstaltungen.“ Darum hat sich ein Schützenverein sogar bereits entschieden, das Fest 2022 nochmal zu verschieben.

Wie sich die Lage künftig weiterentwickelt, das möchte er lieber nicht abschätzen: „Es hat in den letzten Monaten so viele Überraschungen gegeben...“ Außerdem gebe es die Delta-Variante: Wie es damit nach der Urlaubszeit auf mittelfristige Sicht weitergeht, sei ebenfalls völlig unklar. Alle Infos und Entwicklungen zu Coorona im MK esen Sie in unserem News-Blog.

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