Technik hilft beim Zählen

+
Geschäftsmann Christian Kurz vom Schuhfachgeschäft Hüttemeister aus der Lennestraße: Eine „intelligente Kasse“ hilft ihm bei der Inventur. ▪

ALTENA ▪ Wer aktuell einen Blick in das Schaufenster des Schuhhauses Hüttemeister an der Lennestraße 69 wirft, erkennt beim flüchtigen Nachzählen mehr als 80 Paar Schuhe, die dort für den Verkauf präsentiert werden.

Genauer will es nur der Gesetzgeber wissen – das passende Stichwort dazu: Inventur. Noch immer ist jeder Kaufmann verpflichtet, einmal pro Jahr „alle seine vorhanden Bestände zu erfassen.“ Der Paragraf 240 des Handelsgesetzbuches (HGB) schreibt vor: „... Vermögenswerte und Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag zu ermitteln und schriftlich niederzulegen.“

Stellt die Inventur Abweichungen zwischen Soll- und Istbestand fest, führt dies zu einer Berichtigung des Sollbestandes. Inventurdifferenzen fließen voll erfolgswirksam in die Gewinn- und Verlustrechnung ein.

Früher „klebten“ häufig Mitteilungen an den Einzelhandelsgeschäften: „Wegen Inventur heute geschlossen.“ Das ist lange vorbei. Das Zählen, Messen, Wiegen „wird nebenbei erledigt“, so das Ergebnis einer kleinen Umfrage unter Altenaer Kaufleuten.

Allerdings erleichtert die Technik heute auch, die nicht sehr geschätzte Inventur zügig, zuverlässig und schnell zu erledigen. „Bei mir genügt ein Tipper, dann weiß ich meinen aktuellen Warenbestand“, sagt Christian Kurz vom Schuhhaus Hüttemeister. Er hat seine Warenwirtschaft längst auf eine „intelligente Kasse“ umgestellt. „Eingehende Ware wird eingescannt, verkaufte Ware ebenso. So wissen wir immer, was aktuell am Lager ist.“

Allerdings ist auch Kurz vorgeschrieben, diese „Computertheorie“ „einmal im Jahr händisch zu kontrollieren.“ Das geschieht regelmäßig zum Jahresende, in seinem Falle exakt zum 31. Dezember, „denn das Kalenderjahr ist auch das Geschäftsjahr bei uns“, so der Einzelhändler.

Das ist bei Friederike Haar, Inhaberin von Zetzmann und Bröer an der Lennestraße 36, anders. „Ich habe ein vom Kalenderjahr abweichendes Geschäfts- und Wirtschaftsjahr“, sagt sie. Inventur mache auch bei ihr keinen besonderen Spaß. Wer das gut sortierte Fachgeschäft betritt, weiß, warum. In hunderten von Kästchen, Schachteln oder Plastikcontainern liegen Schrauben, Muttern, Stifte, Dübel – eben alles, was ein guter Do-it-yourself-Handwerker so benötigt. Das zähltechnisch zu erfassen, sei schon aufwändig, gibt Friederike Haar zu. Aber weil das bei ihr im Sommer passieren müsse, falle es auch in eine Zeit, in der es nicht so viele Kundenbewegungen gäbe.

Übrigens: Bei angefangenen Schachteln mit Kleinteilen greift eine Sonderregelung des Handelsgesetzes. Dann erlaubt das Finanzamt sogar Schätzungen mit anschließender Bewertung. Es heiße in der Vorschrift korrekt: „(...) Schätzungen sind erlaubt, wenn eine exakte Aufnahme wirtschaftlich unzumutbar oder unmöglich ist.“ ▪ Von Johannes Bonnekoh

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare