Digitaler Stammtisch informiert sich über Symptomsuche im Netz

"Das Internet ersetzt keinen Arzt"

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Die Teilnehmer wurden beim Digitalen Stammtisch in der Stadtbücherei über die Möglichkeiten des Internets bei der Suche nach Diagnosen unterrichtet. Referent Tomasz Tomczyk war über Skype zugeschaltet.

Altena - Viele kennen das. Es zwickt im Magen, der Arm ist kurzzeitig taub oder das Augenlid zuckt – schnell wird da mal Doktor Google zurate gezogen. Doch kann der Hilfesuchende der Diagnose, oder gar den Diagnosen, die die Suchmaschine ausspuckt, überhaupt vertrauen?

Beim Digitalen Stammtisch in der Stadtbücherei, der unter dem Motto „Gesundheit aus dem Netz – Wie verlässlich sind Informationen aus dem Internet?“ stand, klärte Experte Tomasz Tomczyk von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) die Anwesenden über die Möglichkeiten des Internets auf. 

„Das Internet kann keinen Arzt ersetzen“, ist Tomczyks Meinung. Der Experte war am Donnerstag über Skype zugeschaltet. „Jede Krankheit kann individuell verlaufen“, betonte er. Daher könne ein automatisiertes Portal weder eine vernünftige Anamnese durchführen noch eine zuverlässige Diagnose stellen. Viele Ratgeberseiten, die im Internet zu finden sind, seien nicht zu empfehlen. Nur neun von 100 Seiten, die die UPD untersucht hat, wurden als gut bewertet, 30 waren mangelhaft und drei ungenügend. 

Datenschutz bei Gesundheits- und Diät-Apps fragwürdig

Jedoch habe nahezu jede dieser Seiten bei schwerwiegenderen Diagnosen den Gang zum Arzt empfohlen. „Immerhin das ist gut“, sagte Tomczyk. Vorsicht sei auch bei Apps geboten, mit denen man die eigene Gesundheit oder auch Diät beobachten und verfolgen kann. „Man trägt dort sein Alter und Gewicht ein, wie hoch der Blutdruck ist oder was man für Symptome hat. Aber was passiert mit diesen Daten?“ Tomczyk gab zu bedenken, dass somit Informationen, die nur den Betroffenen etwas angehen, ins Internet gelangen. 

Dort ist die Verwendung dieser Daten nicht mehr kontrollierbar. „Beim Arzt bleiben diese Daten aufgrund der Schweigepflicht geschützt.“ Es sei auch wichtig, zu bedenken, dass der normale Bürger ohne medizinische Ausbildung Beschwerden ganz anders wahrnehme als ein Arzt. „Dafür ist der persönliche Kontakt einfach unheimlich wichtig“, betonte der Experte. 

Nachträglich online über Diagnose informieren

Zu empfehlen seien Seiten wie www.gesundheitsinformation.de: „Wenn man die Diagnose, die man vom Arzt bekommen hat, nicht richtig verstanden hat, kann man sich dort noch einmal umfassend informieren. Dort sind sowohl Symptome als auch Ursachen, Verlauf, Behandlung oder auch Folgen zahlreicher Krankheiten aufgelistet“, betont der Experte.

Die Stadtbücherei bietet den Digitalen Stammtisch einmal monatlich an. Die Stadtbücherei hat auch eine neue Domain: www.stadtbuecherei.org

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