Singen mit den Händen und zwei Mal tippen für Jesus

Der technische Fortschritt ermöglicht Taubblinden wie Sandor Bela live an Konferenzen teilzunehmen. Foto: Hormemann

Altena - Zwei Mal tippen in die Handflächen – das bedeutet Jesus. Das gilt für nahezu alle Orte auf der Welt, wo gehörlose Menschen gebärden. Weil es aber auch Länder gibt, in denen das Zeichen ein unmoralisches Angebot darstellt, hat die Gehörlosengemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten ein eigenes Logo entwickelt.

Das wies über Ostern den Teilnehmern der internationalen Gehörlosenkonferenz im Bergheim den Weg.

Christen aus sieben Nationen nahmen daran teil. „Wir konnten gar nicht alle unterbringen“, bedauerte Hausleiter Reinhard Fuchs. Die kleinen Ostertreffen deutscher Gehörlosen-Gruppen begleitet er mit seiner Familie schon seit 30 Jahren. Dass 75 internationale Gäste plus Referenten und Dolmetscher in gleicher Mission bei ihm auflaufen, hat Seltensheitswert. Da wird das Gotteslob in sieben Sprachen gesungen und gebärdet – und alle verstehen sich gut, ob sie nun aus Kenia oder Finnland stammen.

95 Jahre schon gibt es die internationale Gehörlosengemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten. Die Freikirche, die viel Wert auf Missionsarbeit legt, trägt Gottes Wort in diesem Rahmen buchstäblich auf Händen in die Welt. ,,Unser Thema zum Geburtstagstreffen ist Kommunikation“, erklärt Gerd Wildemann, der sich bundesweit um den Anteil der 80 000 Gehörlosen in Deutschland kümmert, die Glauben in Gemeinschaft leben möchten. Empfängt er in seinen Gottesdiensten Gäste ohne Hörvermögen und es ist kein Übersetzer greifbar, druckt er seine Predigt aus.

SMS, Skype und Whatsapp haben die Teilhabe Gehörloser in den vergangenen Jahrzehnten enorm nach vorn gebracht. Handys haben viele in der Gemeinschaft – nur nicht zum Telefonieren. In puncto Kommunikation ist man einfallsreich: Will der spanische Gast mit dem Briten gebärden, hilft das Fingeralphabet, wenn die Vokabeln sich zu sehr unterscheiden.

Um ein Kulturprogramm für alle bieten zu können, wurde am Samstag Pantomime Carlos Martinez nach Lüdenscheid geladen. Am Sonntag folgte ein Ausflug.

Für das Bergheim hat die seit 40 Jahren bestehende STA-Gehörlosengemeinschaft von Deutschland schon eine eigene Gebärde entwickelt. Das Gründungstreffen fand damals in Altena statt, seither kommt man jährlich. Familie Fuchs hat schon viel gelernt von ihren Stammgästen. „Wir verstehen uns auch ohne Worte gut!“ - Ina Hornemann

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