Zusammenarbeit: Ein schwieriges Unterfangen

Das funktioniert: Vor über einem Jahr wurden die Standesämter zusammen gelegt.  Foto: Griese

ALTENA -  Gemeinsames Standesamt, gemeinsame Sekundarschule – es gibt sie längst, die interkommunale Zusammenarbeit mit Nachrodt. Versuche, sie noch auszubauen, stehen jetzt allerdings auf der Kippe.

Dabei haben nicht nur Verwaltungen und Räte beider Kommunen viel Zeit in die Vorbereitung investiert: Auch die Kommunalaufsicht und die Gemeindeprüfungsanstalt saßen mit am Tisch, als eine eigens gegründete Arbeitsgruppe weitere Kooperationsmöglichkeiten auszuloten versuchte. Teilnehmer der Runde äußerten den Eindruck, dass die Bezirksregierung die Aktion als eine Art „Pilotprojekt“ verstehe und deshalb sehr forciere.

Sinn machen die Kooperationen aus zwei Gründen: Zum einen sind durch Personalabbau einige Bereiche der beiden Verwaltungen so klein geworden, dass ihre Funktionsfähigkeit beispielsweise bei Erkrankung von Mitarbeitern zumindest gefährdet ist. Zum anderen kann durch die Zusammenarbeit dafür gesorgt werden, dass besonders spezialisierte Verwaltungsmitarbeiter besser ausgelastet sind.

Mit den Nachrodtern wurde über die Kooperation in folgenden Bereichen gesprochen:

Bauaufsicht: Wird für Nachrodt bisher vom Kreis erledigt, könnte auch vom Bauamt der Stadt Altena übernommen werden. Die Nachrodter lehnen das ab, weil sie keinen Einspareffekt sehen – die Kreisumlage würde dadurch nicht sinken. Altena argumentiert damit, dass die Gemeinde Gebühreneinnahmen haben würde und eine ortsnahe Bauaufsicht oft effizienter arbeite. Brandschutzangelegenheiten würden durch eine solche Zusammenarbeit in die Kompetenz der örtlichen Feuerwehr fallen und nicht mehr vom Brandschutzingenieur des Kreises übernommen.

Immobilienmanagement: Scheitert an der Standortfrage – wenn, dann müsse die gemeinsame Verwaltung aller kommunalen Liegenschaften von Nachrodt aus erfolgen, verlangt der dortige Rat. Im Amtshaus ist dafür allerdings kein Platz, ein aufwändiger Umbau eines Hauses an der Hagener Straße wäre erforderlich. Er würde deutlich über 100 000 Euro kosten.

Baubetriebshöfe: Geplant ist die Fusion beider Betriebshöfe und deren Unterbringung in der Brachtenbeck in Altena. Sowohl Nachrodt als auch Wiblingwerde sind von dort aus gut zu erreichen. Das Altenaer Leitungsteam mit dem Ingenieur Volker Richter und dem Finanzfachmann Stefan Kemper sollte die Fusion vorbereiten und auch die Verantwortung für den gemeinsamen Betriebshof übernehmen. Dieser Plan ist gefährdet, weil der Nachrodter Rat den interkommunal verabredeten Zeitplan kippte und eine eher unverbindliche Zeitschiene vorgeben möchte – ob überhaupt fusioniert wird, sollte danach erst im Jahr 2015 entschieden werden.

Dem verweigerte sich am Montagabend der Altenaer Stadtrat: Entweder falle der Grundsatzbeschluss jetzt oder gar nicht. Begründet wurde das damit, dass das Ausloten von Möglichkeiten der Zusammenarbeit erhebliche personelle Ressourcen binde, und zwar vor allem in der Altenaer Stadtverwaltung. - von Thomas Bender

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