Sirius: Am Ende bleibt nichts mehr übrig

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Gelände und Gebäude am Linscheider Bach verwildern zusehends. ▪

ALTENA ▪ Letzter Akt in Sachen Sirius: Das Landgericht Hagen hat jetzt der so genannten Schlussverteilung zugestimmt. Wobei der Begriff in die Irre führt: „Für die Verteilung an die Gläubiger steht ein Betrag von 0,00 EUR zur Verfügung“, teilt das Gericht nämlich mit. Damit bleiben sämtliche Gläubiger auf ihren Forderungen in Höhe von insgesamt 1,6 Mio. Euro sitzen.

Sirius war ein eingetragener Verein, der zuletzt von dem Arzt Kamal El-Khaled geleitet wurde. Gegründet wurde er Anfang der 90er Jahre von Wilhelm Dahm und Uwe Wicha mit dem Ziel, in der ehemaligen Jugendherberge am Linscheider Bach eine Therapieeinrichtung für Drogenabhängige zu betreiben, die von ihnen als bezahlte Geschäftsführer geleitet wurde. Aufgenommen wurden dort bis zu 40 Patienten, die den körperlichen Entzug schon hinter sich hatten und in Altena auf die Rückkehr in einen drogenfreien Alltag vorbereitet werden sollten.

Dass es Probleme gab, blieb zunächst unter der Decke – Wicha stieg aus der Geschäftsführung aus, Dahm übernahm allein das Ruder. Nicht mehr zu übersehen waren die Probleme der Einrichtung dann Anfang 2006: Nach einem spektakulären Massenrückfall von Sirius-Klienten zog die Rentenversicherung als Kostenträger sämtliche Patienten ab. Jetzt stellte sich heraus, dass Sirius schon vorher massive finanzielle Probleme hatte. Nachdem nun auch der Kostenträger nicht mehr zahlte, war es nur eine Frage der Zeit, bis der Verein Insolvenz anmelden musste. Delikat: Geschäftsführer Dahm war vorher schon abgetaucht und weder für Mitarbeiter noch für Vereinsvorsitzenden Kamal El-Khaled zu sprechen. Später ermittelte die Staatsanwaltschaft, sie warf Dahm Untreue vor – er soll seiner Ehefrau als Angestellten des Vereins ein zu hohes Gehalt gezahlt haben. Die Sache verlief im Sande, weil Dahm zu mehreren Gerichtsterminen nicht erschien.

In der ersten Zeit nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens wurde Zuversicht verbreitet: Die Einrichtung könne vielleicht weitergeführt werden, hieß es – und wenn nicht, dann ließen sich zumindest aus dem Verkauf des vereinseigenen Gebäudes die Ansprüche der Gläubiger befriedigen. Diese Hoffnungen trogen: Die Sirius-Mitarbeiter landeten auf der Straße, die ehemalige Jugendherberge erwies sich als unverkäuflich. Mehrere Zwangsversteigerungstermine verliefen ohne Resultat, das Gebäude verfiel immer mehr. Inzwischen ist die Bausubstanz in einem so schlechten Zustand, dass kaum noch etwas zu retten sein dürfte... ▪ ben.-

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