Übung unter realen Bedingungen:

Innenstadt wird evakuiert

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Blick in die Einsatzleitstelle in der Feuer- und Rettungswache an der Bachstraße. Einsatzleiter war dort Jörg Döring von der Iserlohner Berufsfeuerwehr. Er ist einer der stellvertretenden Kreisbrandmeister

Altena - Gestern war Mittelalterfest in Altena. Überschattet wurde es von einem schweren Zugunglück, bei dem giftige Stoffe austraten. Der Landrat rief den Katastrophenfall aus. Bei Redaktionsschluss bereiteten sich die Einsatzkräfte auf die Evakuierung der Innenstadt vor.

Dass kaum jemand was mitbekommen hat von der Katastrophe, das lag daran, dass es sich um eine Übung handelte – und bei der ging es nicht um retten, bergen, löschen, schützen, sondern einzig und allein um führen. Konkret: In einer Einsatzleitstelle in und an der Feuer- und Rettungswache an der Bachstraße kamen Vertreter verschiedenster Organisationen zusammen, um zu trainieren, wie man einen solchen Einsatz optimal leitet. Zweimal im Jahr stünden solche Übungen an, erläuterte Kreispressesprecher Hendrik Klein, der routinemäßig in diese Szenarien eingebunden ist – immerhin müsste bei echten Katastrophen mit dem Auftauchen größerer Journalistenscharen gerechnet werden, was auch organisiert werden müsste. Klein war aber nur eine Randfigur.

Iserlohner Berufsfeuerwehr

Im Mittelpunkt stand gestern Jörg Döring von der Iserlohner Berufsfeuerwehr, der die Einsatzleitung übernommen hatte. Der stellvertretende Kreisbrandmeister arbeitete mit Dutzenden von Helfern ein ganzes Bündel an Aufgaben ab, die sich Kreisbandmeister Michael Kling und Alex Grass als Leiter der Altenaer Feuerwehr ausgedacht hatten. Sie nahmen vor gut einem Jahr an einem einwöchigen Lehrgang an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz teil. Das ist eine in Ahrweiler angesiedelte, zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gehörende Aus- und Weiterbildungseinrichtung für Führungskräfte in Feuerwehren und Hilfsorganisationen. Bei diesem Lehrgang wurde der Grundstock für die gestrige Übung gelegt, anschließend trafen sich die beiden Leiter der Übung noch mehrfach, um an den Details zu feilen.

Hilfsorganisationen

Eingebunden waren gestern nicht nur zahlreiche ehrenamtliche Feuerwehrleute, sondern auch Delegationen der übrigen Hilfsorganisationen und Behördenvertreter. Weil es sich um einen Unfall an einer Bahnlinie handelte, saß auch ein Notfallmanager der Bahn in der Einsatzleitung.

Es waren auch viele Altenaer eingebunden – hier Stefan Wille (Ordnungsamt, links) und Karl-Friedrich Spelsberg (Löschzug Rahmedetal).

Im Ernstfall sei es hilfreich, wenn man auf Netzwerke zugreifen könne, die sich bei Übungen wie dieser bereits bewährt hätten, sagte Alex Grass. Natürlich habe die Altenaer Wehr eine Vorstellung davon, wie mit solchen Großlagen umzugehen ist und wohin zum Beispiel die Bewohner des Ellen-Scheuner-Hauses gebracht werden könnten, wenn evakuiert werden müsste. Es sei aber auch interessant zu sehen, wie andere mit diesen Herausforderungen umgingen, sagte Altenas Wehrleiter.

Erfahrungen sammeln

Deswegen seien solche Übungen stets sehr wertvoll. Gut für die Stadtkasse: Veranstalter war der Kreis. Damit trägt er auch sämtliche Kosten. Das hörte natürlich einer ganz besonders gerne: Auch Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein informierte sich am Vormittag über die Übung.

Die Rolle des Landrates

Im Normalfall werden Einsätze des Rettungsdienstes und nahezu aller Feuerwehren im Märkischen Kreis von der Kreisleitstelle in Lüdenscheid koordiniert. Nur bei größeren Schäden oder wenn es wie einst beim Sturm Kyrill an allen Ecken und Enden gleichzeitig kracht, werden örtliche Einsatzleitungen gebildet. Das kann einerseits stationär, also in den Wachen, erfolgen, andererseits aber auch in sogenannten Einsatzleitwagen, über die alle Wehren verfügen.

Chef der Kreisverwaltung bleibt in Lüdenscheid

 Die gestrige Einsatzleitstelle war eine Kombination aus beidem: Die Feuerwehr Plettenberg stellte einen großen Einsatzleitwagen, auch der Schulungsraum der Feuerwache wurde genutzt. Die dafür erforderliche Technik stellt zum Teil der Kreis. Wenn wie bei dem gestrigen Szenario der Landrat den Katastrophenfall ausruft, wird die Arbeit der Einsatzleitung durch einen Krisenstab unterstützt und begleitet. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass bei Großenschadenslagen Behelfskrankenhäuser eingerichtet oder Hilfe aus anderen Landkreisen angefordert wird. Chef des Krisenstabes ist der Landrat, er tagt in einem im Keller des Kreishauses vorhandenen Bunker.

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