Leerstand in Altena

Nächster Laden in der Innenstadt schließt 

Die Innenstadt Altenas bleibt leer. Der Lockdown wird verlängert.
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In der Innenstadt Altenas wird es bald ein Geschäft weniger geben.

Ein weiteres Ladenlokal in Altenas Innenstadt wird ab April leer stehen. Eines, das seit vielen Jahren zum Stadtbild dazugehört. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Altena – Ülle schließt. Die Diplom-Kunstmalerin Ursula „Ülle“ Buschmann dreht am Mittwoch, 31. März, zum letzten Mal den Schlüssel in ihrem Atelier, der Kunstschule und dem angegliederten Geschäft für Malbedarf und Dekorationsartikel an der Lennestraße 20 um. „Dann bin ich nur noch privat.“ Im neuen Lebensabschnitt möchte sie sich verstärkt „um die vier Enkelkinder meiner drei Söhne kümmern. Und endlich habe ich dann Zeit, auch für mich persönlich zu malen. Das Meer mit seiner Unendlichkeit wird meine künstlerische Zukunftsbeschäftigung.“

Zehn Jahre war sie in Altena an der Lennestraße selbstständig tätig. „Eine Zeit, die ich nicht missen möchte“, sagt die 66-Jährige. Ihr Lebens- und Berufsweg ist bunt. Nach kaufmännischer Ausbildung und Tätigkeit im elterlichen Betrieb folgten leitende Positionen bis in die Geschäftsführung, dann weitere Jahre als Bilanzbuchhalterin und die Meisterprüfung als Malerin im Handwerk.

Selbstständigkeit ein hartes Brot

Erst im Alter von 51 Jahren begann Buschmann „aus brennendem Interesse“ ihr Diplomstudium zur Kunstmalerin. Sechs Jahre studierte sie in Bochum an der Akademie, unter anderem bei Professor Era Friedzon. Ihr Talent als Malerin führt sie auf den Großvater zurück. „Der war Kirchenmaler. Ich glaube, von ihm habe ich so ein bisschen geerbt, Formen und Farbtöne sofort zu erkennen und umsetzen zu können“, sagt sie.

Es sei ein Herzenswunsch gewesen. „Immer, wenn mich ein Kunstwerk in seiner Aussage begeistert hat, hat meine Seele gebrannt in dem Wunsch: Das will ich auch können“, bilanziert sie zwölf harte Semester Studium – neben Beruf, Haushalt und Familie.

Selbstständig zu sein, besonders als Künstler, sei ein hartes Brot. Das musste Ülle Buschmann früh erkennen. Altena sei eben eine kleine Stadt, aber mit den Malkursen und einer gewissen Bekanntheit sowie dem Rahmen von Bildern und dem Verkauf von Deko-Artikeln habe sie versucht, ihre Einnahmen zu steigern. Leider nicht immer mit Erfolg. „Es war schon hart.“

Besucher der Burg flanieren nicht durch die Stadt

Große Hoffnungen setzte sie auf den Burgaufzug, der 2014 eröffnet wurde. Und auch die Entwicklung der Lenneterrassen „habe ich mich Freude gesehen. Nur“, so fügt sie an: „Unter dem Strich: Die Besucher der Burg sind durch die Busunternehmen eben nicht durch die Stadt geführt worden. Und die Lenneterrassen haben auch nicht für mehr Laufkundschaft und Umsatz in der Stadt gesorgt. Ich hatte immer den Eindruck: Die, die es sich dort gemütlich machten, wollten einfach nur eine nette Auszeit vom Alltag.“

Das Unterrichten von Jung und Alt sei in all den Jahren für sie immer mehr gewesen, als Menschen beizubringen, Farbe aufs Papier oder die Leinwand zu bringen. „Ich habe mich immer bemüht, den Kursteilnehmern zu helfen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Abmalen? Nein, das kam für mich nicht infrage. Das kann doch jeder“, sagt sie rückblickend.

Positiv in Erinnerung hat sie viele Ausstellungen, zum Beispiel im Foyer des ehemaligen St.-Vinzenz-Krankenhauses oder Kunstaktionen wie die Ateliermeile, die sie mit ihrem Kollegen Klaus Storch (Fotograf) und Christoph Schulz (Antek) in der Stadt durchführte.

Geschäftsaufgabe: Corona gab nicht den Anstoß

Obwohl sie in ihrem Deko-Laden auch Erinnerungen an die Stadt, etwa Burg-Bilder oder Magnete mit dem Signet der Festung und vieles mehr verkaufte: „Die Burg war und ist nicht mein Lieblingsmotiv, obwohl ich sie wohl hundertfach gemalt habe.“ Ülle Buschmann liebt das Meer. Und so zieren noch jetzt viele Bilder der See ihr Atelier. „Das Zusammenspiel von Farbe, Bewegung, Stimmung, das macht das Meer aus“, sagt sie.

Hat Corona und die Zeit des Lockdowns Ülle Buschmann Anstoß gegeben, „die Reißleine zu ziehen“, wie sie ihre Geschäftsaufgabe in den sozialen Medien nennt? Die 66-Jährige verneint, obwohl diese Zeit schon sehr hart gewesen sei. „China drängt mit günstigen Preisen rund um die Malerei auf den Markt.

Große Konkurrenz im Internet

Auch große Discounter und Anbieter ziehen da mit. Da kann ich nicht mithalten. Zudem erkenne ich einen deutlichen Trend, noch mehr als bisher im Internet einzukaufen“, sagt „Ülle“. „Verbunden mit der Bevölkerungsstruktur – und damit meinem möglichen Kundenkreis in Altena – muss ich einfach sagen: Gegen diese Trends war ich machtlos.“

Trotzdem sagt die Frau, die noch Restbestände bis 31. März verkauft: „Ich komme gebürtig aus Nordkirchen im Münsterland und bin vor 41 Jahren nach Altena gekommen. Hier bleibe ich auch. Die Menschen sind freundlich und zugewandt. Ich danke allen für ihre jahrelange Treue. Es haben sich so viele Freundschaften entwickelt.“

Fast steigen der scheidenden Geschäftsfrau Tränen in die Augen, als sie schnell ein paar Briefe auf den Tisch legt. „Ich habe so viel Anerkennung und Zuwendung erfahren. Dafür bin ich dankbar. Das tut einfach gut. Auch wenn mein Schritt jetzt sicherlich sehr schmerzlich ist.“

Auch für die Innenstadt. Doch dort tut sich auch viel Positives. So sind bereits zwei neue Geschäfte eröffnet worden, weitere - mit teils besonderem Angebot - sollen folgen.

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