Kanäle im Handumdrehen dicht

Martin van Thiel steuert am PC den Roboter mit der Kamera. All diese Daten werden ausgezeichnet. Foto: Bender

Altena - Diese Lichterkette hat mal richtig Power: 12 Lampe á 400 Watt hängen dran, Martin van Thiel zieht sie mit 1,20 Metern pro Minute durch den Abwasserkanal in der Lüdenscheider Straße. Der wird gerade saniert, und zwar im „Schlauchliningverfahren“.

Altenas Kanalnetz ist rund 134 Kilometer lang. Es wird regelmäßig kontrolliert, damit beauftragt das Abwasserwerk Fachfirmen. Die schicken Roboter mit Kameras in die Unterwelt. Bei einer solchen Kontrolle fiel im vergangenen Jahr auf, dass es um den Kanal in der B 236 nicht zum besten bestellt war und Handlungsbedarf bestand.

Der Auftrag ging an die Firma Geiger. Die sitzt in Oberstdorf, hat aber auch eine Filiale in Bochum. Deren Mitarbeiter setzen gerade die Pläne eines vom Abwasserwerk beauftragten Planungsbüros um.

Genau 132 Meter lang ist das zu sanierende Stück. Es handelt sich um ein „DN 300“ Rohr – das bedeutet, dass es einen Durchmesser von 30 Zentimetern hat. Diese Daten sind wichtig, weil der Inliner passgenau bestellt werden muss: „Von der Stange gibt’s die nicht“, saght Michutta.

Die Inliner sind aus Glasfasser. Tränkt man die mit Harz, dann hat man nach dem Aushärten ein Material von einer ausgesprochen hohen Festigkeit. Viele Boote sind aus GFK, wie dieser „glasfaserverstärkte Kunststoff“ kurz und knackig heißt. Den gibt es schon seit vielen Jahrzehnten, 1980 wurde er zum in London zum ersten Mal zur Kanalsanierung eingesetzt. Das damals reparierte Stück halte bis heute, weiß Michutta: „Man geht von einer Lebensdauer von 50 Jahren aus“.

Ohne Roboter geht es nicht, mit ihnen fängt auch alles an: Sie fräsen zu Beginn der Arbeiten etwaige Unebenheiten weg und vermessen gleichzeitig die Strecke, damit Jens Riecken und seine Leute später wissen, wo Haus- und andere Anschlüsse und liegen. Riecken ist Systembetreuer bei der Firma Geiger.

GFK benötigt UV-Licht, um auszuhärten. Das machen sich die Kanalsanierer zunutze. Der 132 Meter lange Schlauch, die für die Lüdenscheider Straße gebraucht wurde, im Werk mit Harz getränkt und dann lichtdicht verpackt angeliefert.

Natürlich darf kein Abwasser fließen, wenn saniert wird – dafür sorgt eine Art Ballon, der vor der zu reparierenden Strecke in den Kanal gezogen und aufgeblasen wird. Dann wird endlich der Schlauch eingezogen und mit Druckluft aufgepumpt, damit er Form annimmt.

Jetzt kommt Martin van Thiel mit seinen UV-Lampen zum Zug. Ein Roboter fährt durch den Schlauch und filmt die Strecke. Van Thiel sitzt im Bausellen-LKW vor einem Monitor und kontrolliert, dass alles seine Richtigkeit hat. Im Schlepp hat der Roboter die Lichterkette: Hat der Roboter keine Fehler gefunden, dann heißt es „Spot an“ und fast 5000 Watt UV-Licht sorgen dafür, dass der Schlauch aushärtet. Mit maximal 1,37 Meter pro Minute dürfe dieses Licht durch den Schlauch zurückgezogen werden, hat dessen Hersteller im Datenblatt festgelegt. „Wir bleiben etwas darunter, das ist sicherer“, entscheidet Riecken. Wie schnell der Roboter ist, welche Leistung die Lampen haben – all das wird genauestens dokumentiert. Es wird außerdem ein Stück des Schlauches abgeschnitten – das geht ins Labor, wo die Festigkeit ermittelt wird.

Wenn der Schlauch hart ist, ist die Arbeit noch nicht beendet. Es fehlen noch die Übergänge an den vorhandenen Kanal. Die können nur in Kanalschächten erfolgen, weil das Handarbeit ist. Außerdem müsse die Hausanschlüsse wieder geöffnet werden. Das erledigt der Roboter. Er fräst an der entsprechenden Stelle ein Loch und bringt einen Stutzen an.

Zwei, drei Tage – länger dauert so eine Kanalsanierung nicht. Das ist nicht nur für die Autofahrer gut, sondern auch für den Gebührenzahler: Inlinern koste gerade mal zehn Prozent dessen, was für eine klassische Reparatur mit Straßenaufbruch und verlegen neuer Rohre fällig würde, sagt Michutta. Das Netz in Altena ist nach seinen Angaben in einem guten Zustand. Damit das so bleibt, werden 250- bis 300000 Euro jährlich für die Sanierung von Kanälen aufgewendet.

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