Inline-Slalom: Mit 80 Sachen durch den Parcours

ALTENA ▪ 14 Mitglieder hat die Mannschaft des Inline Alpin Teams. Seit 16 Jahren trainieren die Athleten ihren Sport dreimal in der Woche auf insgesamt fünf verschiedenen Strecken, oft auch auf der Hegenscheider Straße am Flugplatz. Ihr Sport hat es in sich.

Ein Klackern dringt durch die vor Hitze flirrende Luft ans Ohr: rhythmisch, laut und begleitet von einem ständigen Surren. Letzteres kommt von den Rollen eines Paars Inliner, die über den Asphalt der Hegenscheider Straße flitzen. Die abgehackten Knallgeräusche stammen von blauen und roten Stangen, die der Fahrer mit seinem Körper oder mit den Stöcken, die er in Händen hält, zu Boden drückt.

Inline-Slalom nennt sich die exotisch wirkende Sportart, die ein Mitglied des Inline Alpin Team vom Skiklub Iserlohn hier präsentiert. Vor zwei Jahrzehnten wurde diese Art der Fortbewegung erdacht, um Slalom-Skifahrern auch im Sommer ein adäquates Training zu ermöglichen. Olympisch ist das zwar noch nicht geworden, eine eigenständige Sportart indes schon.

Im Winter halten sich die hiesigen Inline-Profis in der Halle fit. „Mit Ende der Saison beginnt die Vorbereitung auf die neue“, erklärt Trainer Guido Lausch.

„Unser Sport ist kontinuierlich gewachsen“, freut er sich. So hat der Trainer auch keine Nachwuchssorgen. Zu seinem Team gehören Athleten im Alter von acht bis 47 Jahren, etwa gleich viel Frauen und Männer. „Wer Inliner sicher fahren kann, darf bei uns mitmachen.“ Kontakt stellt der Interessent über die Internet-Homepage http://www.skiklub-iserlohn.de her.

„Kaufhaus-Inliner reichen sicherlich nicht aus“, rät Lausch dem Einsteiger. Schließlich werden die Rollen, die einzigen Verschleißteile der Ausrüstung, auf dem Asphalt bei Geschwindigkeiten von 40 bis 60 Kilometern pro Stunde arg beansprucht. „Und bei Rückenwind werden wir auch schon mal 80 Sachen schnell.“ Klar, dass die Hegenscheider Straße abgesperrt wird für das Training. Auch Wettkämpfe finden auf abgeriegelten Fahrbahnen, die sonst von Autos bevölkert werden, statt.

Die heimischen Sportler sind dabei recht erfolgreich: „Momentan absolvieren zwei unserer Athleten ein Probetraining bei der Nationalmannschaft“, erläutert Lausch mit hörbarem Stolz. Da landet der Einsteiger natürlich nicht so schnell. Aber: Mit diesem Sport zu beginnen, ist einfacher als bei anderen Disziplinen. „Eine komplette Anfänger-Ausrüstung gibt es für 250 Euro“, erklärt Lausch, dass es sich beim Inline-Slalom nicht um eine elitäre Sportart handelt.

Außerdem hat das Inline Alpin Team Sponsoren. Deren Gelder sorgten auch dafür, dass neben zwei Altenaern, zwei Wuppertalern und neun Iserlohnern auch eine Ahtletin aus Fürstenfeldbruck zur Mannschaft gehört: Die 24-jährige Ann-Chrystina Wantzke studiert Architektur und fährt besonders geschickt und rasant. Vor zwei Jahren errang sie so den Titel der Vize-Weltmeisterin. Alle 24 Monate konkurrieren die weltbesten Fahrer. Mitte August will Wantzke für das Iserlohner Team wieder auf das Treppchen steigen.

Guido Lausch betont: „Zu unserer Mannschaft gehören aber auch mehrere Deutsche Meister und ein Schüler, der beim Internationalen Cup die Gesamtwertung für sich entschied.“ Der Erfolg erfordert dabei übrigens keine großen Opfer. „Sicher haben wir schon ‘mal Abschürfungen“, räumt Lausch ein. In 16 Jahren ereignete sich bei den heimischen Athleten aber kein einziger schwerwiegender Unfall. Dafür sorgen auch Helm und Schutzausrüstung.

Die klackenden Kippstangen erzeugen einen monotonen, hypnotischen Beat. Es sind die selben wie beim Ski-Slalom. Auf dem Asphalt halten sie 20 Kilogramm schwere Ständer. „So eine Fahrt ist unerreicht“, schwärmt Lausch. „Das macht einfach die Birne frei.“ Unter seinem Helm ist ein Lächeln zu erkennen. „Aber wenn Sie einen Moment an was anderes denken, sind Sie raus – kriegen das nächste Tor nicht mehr.“

Konzentration ist also das A und O. „Bei einer Abfahrt geben wir 120 Prozent“, hebt Lausch hervor. Die Anstrengung und Anspannung währt nur kurz. „Ein Durchgang dauert gerade einmal 35 Sekunden“, weiß der Trainer. Der 47-Jährige unterbricht das Gespräch, stürzt sich einmal selbst den Abhang hinab.

Wieder oben angekommen berichtet er, dass Deutschland weltweit führend in dieser Sportart sei. „Bei einer WM treten zwölf Nationen an, auch Indien ist dabei“, überlegt er. Doch ein ernsthafter Konkurrent fällt ihm nicht ein. Vielleicht kann Wantzke dieses Mal sogar zu den Sternen greifen bei den Wettkämpfen.

Abschließend gesteht Lausch, im Winter auch schon mal Ski-Slalom zu fahren: „Doch das ist eine andere Qualität“, schränkt er den Vergleich sofort ein: „Das ist für mich nur Spaß – für die meisten von uns.“ Ernsthaft betreiben sie nur Inline-Slalom.

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