Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung

Stefanie Ingenpaß mit einigen ihrer Unterlagen: Kreis- und Stadtarchiv verfügen über Polizei- und Wiedergutmachungsakten, sowie Informationen zur Deportation der jüdischen Bevölkerung in Altena. -  Foto: Hornemann

Altena -  Die Finanzierung von 13 Stolpersteinen steht bereits, gab Stefanie Ingenpaß am Dienstag beim ersten Treffen des Initiativkreises im Lutherhaus bekannt. Ziel ist es, für alle 18 jüdischen Mitbürger, die in der NS-Zeit verfolgt, gedemütigt und ermordet wurden, einen Stein von Bildhauer Gunter Demnig anfertigen zu lassen.

Der hat aufgrund der hohen Nachfrage eine Vorlaufzeit von neun Monaten. Die Zeit will der Recherchekreis nutzen, um Informationen über die betroffenen Bürger einzuholen. Kreisarchivar Ulrich Biroth hat mitgeteilt, wo biografische Informationen über die Opfer der NS-Zeit zu finden sind: Kreis- und Stadtarchiv verfügen über Polizei- und Wiedergutmachungsakten, sowie Informationen zur Deportation der verbliebenen jüdischen Bevölkerung in Altena.

Mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte will der Initiativkreis beginnen. Gunter Demnigs Stolpersteine-Projekt richtet sich aber nicht nur an jüdische Opfer, sondern an alle, die in der NS-Zeit Verfolgung aufgrund ihrer religiösen Herkunft, Homosexualität oder politischen Gesinnung erlebt haben. Ulrich Weispfennig geht davon aus, dass mit dem Verlegen der ersten Stolpersteine in der Stadt eine Eigendynamik entstehen wird, auf der die Initiative aufbauen kann. Sponsoren allein reichen nicht, damit Gunter Demnig tätig wird: Der Bildhauer knüpft an die Steine die Bedingung, dass die Geschichte der Opfer aufgearbeitet wird und dass sich Paten in der Kommune um die Pflege der Steine kümmern. Zu diesem Zweck wurden Kontakte zum Burggymnasium geknüpft.

Am Dienstag hat sich eine fünfköpfige Recherchegruppe gefunden, die sich mit den biografischen Daten der 18 jüdischen Opfer befassen wird. Ihre Geburts- und Sterbedaten und Wohnorte sind schon bekannt. Ein weiteres Ziel ist, 2015 eine Ausstellung in der Bücherei zu gestalten, die die Verlegung begleiten wird. In anderen Städten war es bislang üblich, Angehörige der Verstorbenen zur Verlegung der Steine, beziehungsweise zu einem Gedenkakt einzuladen. ,,Dass für diese 18 Altenaer jemand kommen wird, ist allerdings sehr unwahrscheinlich”, erklärte Ulrich Biroth.

Mit Bewohnern und Geschäftsinhabern von Orten, an denen Stolpersteine verlegt werden können, will der Initiativkreis auch das Gespräch suchen. Werden die Steine auf öffentlichen Gehwegen verlegt, braucht es dafür nicht die Genehmigung von Grundstückseigentümern. Gunter Demnig ist während der Verlegung trotzdem bereits auf Menschen gestoßen, die seine Arbeit verhindern wollten, weshalb Informationsgespräche sinnvoll sein könnten. Bürger oder Institutionen, die sich einbringen möchten, finden auf der Homepage stolpersteine-altena.info weitere Informationen. Die Herstellung und Verlegung eines Steins kostet 120 Euro. Der Frechener Gunter Demnig stellt sie in Handarbeit her. 46 000 Stolpersteine sind bereits an 1100 Orten verlegt worden. Stefanie Ingenpaß wurde auf sie aufmerksam, nachdem ihr Sohn Peter sich in der Schule mit der NS-Zeit beschäftigte. Einer von ihr initiierten Facebook-Diskussion folgte die Gründung einer Untergruppe zum Thema Stolpersteine und das Treffen am Dienstag im Lutherhaus. - Von Ina Hornemann

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