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Inhaberin fassungslos: Beliebtes Second-Hand-Geschäft im MK muss ausziehen

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Von: Jona Wiechowski

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Sucht dringend nach einer 500 bis 600 Quadratmeter großen Fläche: Stöberland-Inhaberin Sylvia Hoffmann. Findet sie keine neue Ladenfläche, müsse sie ihr Stöberland schließen – und den sechs Mitarbeitern kündigen.
Sucht dringend nach einer 500 bis 600 Quadratmeter großen Fläche: Stöberland-Inhaberin Sylvia Hoffmann. Findet sie keine neue Ladenfläche, müsse sie ihr Stöberland schließen – und den sechs Mitarbeitern kündigen. © Wiechowski, Jona

Das Stöberland muss raus aus den Räumen an der Freiheitstraße 18. Bis Ende des Jahres hat Inhaberin Sylvia Hoffmann Zeit, die Fläche zu räumen. Findet sie keine neue, könnte es das Aus bedeuten – für sie und ihre sechs Mitarbeiter.

Altena – Ende letzter Woche habe sie die Nachricht erhalten, dass ihr Mietvertrag zum 31. Dezember gekündigt worden sei. Hintergrund: Ein anderer Einzelhändler wolle sich erweitern, brauche die Fläche. Auch bauliche Veränderungen seien geplant. Der Bauantrag liege bereits seit elf Monaten beim Bauamt, habe die Altenaerin erfahren. „Weil sich ein anderer vergrößern will, müssen wir weichen“, sagt sie gegenüber unserer Redaktion. Sie sei verärgert, erst so kurzfristig davon erfahren zu haben. Um wen es sich bei dem Einzelhändler handelt, wollte sie auf Nachfrage nicht sagen.

Das Angebot in der Altenaer Innenstadt, das in den letzten Jahren viele Läden verloren hat, werde dadurch nicht besser. „Die Einzelhändler brechen weg“, sagt sie und ergänzt: „Das wird der Innenstadt nicht gut tun.“ Dass vor diesem Hintergrund ein anderer Händler „daherkomme“ und für die Kündigung sorge, mache sie „fassungslos“.

Nicht nur für die Inhaberin wäre das Stöberland-Aus ein schwerer Schlag. Sechs Mitarbeiter hat sie, einer ist über 60 Jahre alt, zwei weitere über 50, einer hat eine Behinderung. „Für die wird es extrem schwer, etwas Neues zu finden“, macht sie sich große Sorgen um ihr Team.

Das Stöberland braucht Fläche. Ein großer Teil des Sortiments besteht aus Möbeln wie Schränken, Betten und Sesseln.
Das Stöberland braucht Fläche. Ein großer Teil des Sortiments besteht aus Möbeln wie Schränken, Betten und Sesseln. © Wiechowski, Jona

Seit elf Jahren führt sie das Stöberland auf den 600 Quadratmetern an der Freiheitstraße – ein Geschäft mit einem Konzept, das in dieser Form relativ ungewöhnlich ist. Zu bieten hat sie ein riesiges Sortiment an gut erhaltenen, gebrauchten Sachen – von der Vase, über Lampen bis hin zu Schränken, Couch-Garnituren und mehr. Die Waren erhält das Stöberland durch Haushaltsauflösungen, die das Hauptgeschäft bilden. Doch auch hier unterscheidet sich das Stöberland von vergleichbaren Läden. Nachhaltigkeit ist ein großer Punkt. So wenig wie möglich soll weggeworfen werden. „Wir spenden ganz viel“, sagt Hoffmann. Gut erhaltene Kleidung ginge als Spende nach Rumänien; in Kisten vor dem Laden würden regelmäßig Sachen verschenkt.

Kunden kommen aus der ganzen Umgebung: Lüdenscheid, Iserlohn und von weiter weg. Gut sei auch die Lage an der Freiheitstraße. Regelmäßig schauten sich Spaziergänger auf dem Weg zur Burg Altena in dem Geschäft um – oder kündigten an, auf dem Rückweg noch einmal vorbeizukommen, so Hoffmann.

500 bis 600 Quadratmeter: Passendes Ladenlokal gesucht

Die Inhaberin will nicht, dass das alles endet. Sie will weitermachen. Auf jeden Fall. Deswegen sucht sie nach einer neuen Fläche. 500 bis 600 Quadratmeter, am liebsten in Altena, aber auch in der Umgebung. „Das ist verdammt schwierig.“ Die Angebote, die sie sich bis jetzt angesehen habe, seien alle zu teuer gewesen. Zu den hohen Mieten kämen oft saftige Kautionen. „Wir sind bereit, mehr Miete zu zahlen“, macht sie klar. Vielleicht ginge das zum Start gestaffelt nach Monatsumsatz, um zu schauen, wie sich die Sache am neuen Standort entwickelt.

Fest steht für sie: Es muss jetzt schnell gehen. Viel Zeit bleibe ihr nicht. Ende Dezember müssen sie raus sein aus dem Ladenlokal, doch schon weit vorher müssten die Abbauarbeiten beginnen – und damit auch das für sie wichtige Weihnachtsgeschäft ruinieren. Auch für ihre Mitarbeiter wäre es wichtig, schnell eine Perspektive zu haben.

Das Stöberland hat Tradition in der Burgstadt. Seit 2006 gibt es den Laden, der vorher in der Firma Berg in der Rahmede unter dem Namen „Hoffnung ist grenzenlos“ lief und von Hoffmanns Eltern betrieben worden war. Als ihr Vater starb, führte Sylvia Hoffmann das Geschäft mit ihrer Mutter bis zu deren Tod weiter. Seit sechs Jahren leitet sie das Unternehmen alleine.

Jan’s Radland will sich im Komplex an der Freiheitstraße erweitern

Bei dem Einzelhändler, der sich vergrößern will, handelt es sich um Jan’s Radland, das sich im selben Gebäudekomplex unten befindet. Die Maßnahme sei schon lange geplant, um das langfristige Überleben des Ladens sicherzustellen, erklärt Inhaber Jan Slejfir auf Nachfrage. Ihm gehört das Gebäude in Teilen zusammen mit Dr. Gregor Schmitz und Dr. Rita Rüth. Schon vor gut einem Jahr habe man die Mieterin des Stöberlands informiert, dass sie langfristig die Räume verlassen müsse. Nachdem es nun für den Bauantrag das Ok gab, habe Slejfir Ende letzter Woche die Mieterin persönlich darüber informiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung hoffte er, dass das Stöberland eine neue Bleibe finde – dafür wolle auch er die Augen offen halten. Slejfir plant, sein Geschäft umfangreich zu vergrößern – und in diesem Zuge das aktuell zehnköpfige Team um zwei weitere Mitarbeiter zu erweitern. Konkrete Pläne will er zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen.

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