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Abschied von der Grande Dame der Altenaer Kommunalpolitik

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Von: Thomas Bender

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Ingeborg Becker, hier bei der Verabschiedung der Kreis-Frauenunion.
Ingeborg Becker (re.), hier bei der Verabschiedung der Kreis-Frauenunion. © Silvia Sauser

Ingeborg Becker ist tot. Die langjährige Kommunalpolitikerin wurde 89 Jahre alt und erlag am Mittwoch einer schweren, langen Krankheit. Ein Nachruf.

Altena – Geboren wurde Ingeborg Becker in Wuppertal, sie wuchs in Düsseldorf auf. Nach Altena kam sie 1958 als verheiratete Frau: Ihr Ehemann hatte eine Anstellung bei VDM gefunden. Dass Ehefrauen berufstätig waren, war damals nicht unbedingt üblich. Auch Ingeborg Becker blieb zuhause, ohne allerdings ihr Leben auf Küche und Haushalt zu reduzieren. Dafür waren ihr kulturelles und ihr gesellschaftliches Interesse viel zu groß.

So begann sie, sich zu engagieren. Wer heute, also Jahrzehnte später, versucht, ihre Ämter aufzuzählen, scheitert angesichts ihrer vielfältigen Interessen beinahe zwangsläufig. Becker war Mitglied des Beirats beim Kunstförderverein Werkstatt, sie engagierte sich bei der Aktion Tannenbaum der CDU-Frauen, natürlich auch für das Krankenhaus – und und und ...

Ihre politische Karriere begann in den späten 70-ern mit der Bedingung, dass sie sich nicht nur um klassische Frauenthemen kümmern wolle. Diesen Wunsch erfüllte ihr die CDU-Fraktion mit der Wahl zur Vorsitzenden des Planungsausschusses. Zwar fiel sie in der Kommunalpolitik gelegentlich durch etwas unorthodoxe Vorschläge wie etwa das Beheizen der Straßen im Winter auf, agierte im Großen und Ganzen aber mit Souveränität und Stil.

Zwei Jahrzehnte lang war Ingeborg Becker in der Altenaer Kommunalpolitik aktiv, auch in durchaus herausgehobenen Rollen. Sie war Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Kommunalwahl 1989 und von 1989 bis 1994 stellvertretende Bürgermeisterin, Ausschussvorsitzende und Mitglied im CDU-Fraktionsvorstand. Außerhalb des Rates engagierte sie als Vorsitzende der Frauenunion.

1999 zog sie sich aus der Kommunalpolitik zurück, ging aber solange es ihr irgend möglich war, ihren vielfältigen Interessen nach. Sie reiste gerne, interessierte sich für Fremdsprachen und las täglich mehrere Tageszeitungen. Auch als Wohltäterin machte sich Ingeborg Becker einen Namen: Seit vielen Jahren verzichtete sie auf Geburtstagsgeschenke und bat stattdessen um Geldspenden, die sie stets großzügig aufstockte und im Sinne der Stadt und ihrer Bürger einsetzte. So unterstützte sie den Austausch mit Pinsk, finanzierte Ruhebänke und ließ Buswartehäuschen verschönern – all das ohne viel Aufheben. Zurückhaltend ist sie über den Tod hinaus: Sie hat verfügt, im engsten Kreis beigesetzt zu werden – deshalb „nur“ an dieser Stelle eine tiefe Verbeugung vor der Grande Dame der Altenaer Politik.

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