CDU besucht türkische Gemeinde

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CDU-Politiker besuchten die Moschee an der Lüdenscheider Straße in Altena.  

ALTENA -  Die Quintessenz des Abends lautete: Miteinander sprechen hilft, Vorurteile auszuräumen und Lösungen für Probleme zu finden. Zuvor hatten die Vorsitzenden der türkischen Ditib-Gemeinde, Murat Gümüs und Ferdi Durak, Mitglieder der CDU durch ihr Gotteshaus geführt.

Mit dabei war auch das Ehrenmitglied der Gemeinde, Dr. Ömer Er Derbeder, der auch Fragen an den Hodscha übersetzte. Zustande gekommen war der Besuch in der Moschee durch eine Einladung an Christel Voßbeck-Kayser, die der Gemeindevorstand bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen hatte.

Der Gebetsraum der Männer beeindruckte die Gäste durch die farbigen Fliesen und die kunstvollen Wandmalereien. „Hinter der Gebetskanzel immer geradeaus geht es nach Mekka“, erklärte Derbeder. „Das ist die Richtung, in der wir fünfmal am Tag beten.“ Weniger schmuckvoll präsentierte sich der Gebetsraum der Frauen. Es sei keine Geringschätzung der weiblichen Gemeindemitglieder, dass sie getrennt von den Männern beten. „Die Seele soll während des Gebets komplett frei sein von anderen Gedanken und sich ganz Allah zuwenden“, erläuterte Gümüs, „aber eine schöne Frau kann einen Mann schon ablenken.“ In größeren Moscheen sind Frauen und Männer nicht räumlich getrennt, dort beten die Frauen auf einer Empore oder in großen Räumen hinter den Männern, das sei im Gebäude an der Lüdenscheider Straße leider nicht möglich.

Nach dem Rundgang durch die Räumlichkeiten erschallte im Gebetsraum der Ruf der Gläubigen zum Gebet. „Das ist so ähnlich wie die Kirchenglocken, die zum Gottesdienst rufen“, meinte Derbeder und verblüffte die Anwesenden mit der Tatsache, das Islam und Christentum mehr Übereinstimmungen haben als angenommen. Einen Beichtstuhl allerdings gibt es nicht, denn „es soll kein Mensch zwischen Allah und den Menschen stehen“. Viele Fragen der Besucher richteten sich an die Aufgabe des Hodscha, der für fünf Jahre aus der Türkei entsandt wird. Danach geht er zurück, seine vorherige Stelle wird ihm frei gehalten. „Viele bewerben sich, aber es kommen nur die Besten nach Deutschland“, berichtete Gümüs. Kritik an diesem Modell kam aus den eigenen Reihen, denn es sei vor allem für die Imame, die mit ihrer Familie, mit Kindern nach Deutschland kommen, nicht einfach, danach wieder in der Türkei Fuß zu fassen.

Gut sei die Zusammenarbeit mit den christlichen Gemeinden in Altena. Nach einem Besuch der katholischen und evangelischen Geistlichen im Gebetshaus habe man von Pfarrer Schmalenbach das Angebot erhalten, den Waschraum im St. Vinzenz-Hospital für die rituelle Totenwaschung verstorbener Mitglieder nutzen zu können. „Das ist hier in unseren Räumlichkeiten leider nicht möglich.“

Altersheime für türkische Mitbewohner, Schwierigkeiten während der Pubertät der türkischen Jugendlichen, Vor- und Nachteile der Zweisprachigkeit, Ramadan und Fastenbrechen – es gab viele Punkte, die gemeinsam diskutiert wurden. Zum Abschluss des Besuchs gab es Chai in der Teestube der Moschee und Derbeder sprach eine Einladung an alle Altenaer Bürger aus: „Unser Haus steht allen offen, wir heißen jeden herzlich willkommen. Wir sind stolz hier zu sein und die Zukunft Altenas ist uns wichtig!“ - von Silvia Sauser

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