Erste Entscheidung im September

Altenaer Feuerwehr erreicht Schutzziele nicht

Voll wurde es, als im Ratssaal über neue Strukturen für die Feuerwehr diskutiert wurde. Vor allem haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute verfolgten die Diskussion.

Altena - Zuhörer gibt es nur selten, wenn der Rat tagt. Am Montag, 12. Juni, war das anders: Im Ratsaal mussten viele der Besucher Information und Diskussion zur Zukunft der Feuerwehr im Stehen verfolgen. Die Wache war in dieser Zeit verwaist, die Mannschaft kam mit ihren Einsatzfahrzeugen und wäre im Fall eines Einsatzes vom Rathaus aus ausgerückt.

Entschieden wurde nichts. Es ging in diesem ersten Schritt darum, dem Rat Möglichkeiten vorzustellen, die Effizienz der Wehr zu steigern. Sie erreicht nämlich nach Angaben von Nicolai Kumpmann in vielen Fällen ihre sogenannten „Schutzziele“ nicht. Im 2010 verabschiedeten Brandschutzbedarfsplan ist festgelegt, in welcher Zeit wie viele Feuerwehrleute zur Stelle sein müssen. Sechs sollen es acht Minuten nach der Alarmierung sein, neun nach zehn Minuten – ein Ziel, das nur in etwas über 60 Prozent der Fälle erreicht wird, wie der Mitarbeiter der Unternehmensberatung Rödl und Partner ermittelt hat – gefordert werden 90 Prozent. Wichtig: Dieses Problem taucht tagsüber auf, nicht nachts und an Wochenenden. Die „Tagesverfügbarkeit“ der Ehrenamtlichen sinkt, weil immer mehr auswärts arbeiten.

Eine Arbeitsgruppe habe sich in mehreren Sitzungen mit dieser Problematik beschäftigt, schilderte Stadtkämmerer Stefan Kemper. Feuerwehrführung und Personalrat seien daran beteiligt gewesen. Er selbst habe daran nicht mitgewirkt, stellte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein klar. Andererseits sagte er aber auch, dass es nur zwei Alternativen gibt: Völlig neue Strukturen für die Wehr oder deutlich mehr hauptamtliches Personal mit dementsprechenden Mehrkosten, was zu einer weiteren Erhöhung der Grundsteuer führen müsse.

Die strukturellen Veränderungen, die der Gutachter gestern zur Diskussion stellte, haben im Grunde zwei Schwerpunkte. Zum einen hält er es für denkbar, dass die Wache nicht mehr rund um die Uhr, sondern nur noch tagsüber mit hauptamtlichen Feuerwehrleuten besetzt ist – dann aber mit mehr als den vier bis fünf, die es heute höchstens sind. Zum anderen hält er einen kompletten Neubau der Feuer- und Rettungswache für erforderlich. Parkplatzsuche, weite Wege zwischen Umkleideräumen und Einsatzfahrzeugen – das kostet nach den Berechnungen des Gutachters wertvolle Minuten.

Im September, so wünscht es sich die Verwaltung, soll der Rat eine erste Richtungsentscheidung treffen. Fakt ist, dass auf jeden Fall ein neuer Brandschutzbedarfsplan her muss. Den soll nach Vorstellungen der Verwaltung ein externes Büro erarbeiten. Recht des Rates wäre es, bei der Entscheidung über die Auftragsvergabe die Frage, ob die sogenannte Tageswache denkbare wäre, als eine Art Untersuchungsauftrag vorzugeben. Ob das dann machbar ist, werde sich dann zeigen, sagte Hollstein und sprach sich dafür aus, „dieses sensible Thema mit viel Fingerspitzengefühl anzupacken“.

Zu den Zuhörern gehörte auch Wehrführer Alex Grass, der eine Vorstellung davon hat, was das für die Ehrenamtlichen bedeuten würde: Je nach Zug 10 bis 25 zusätzliche Einsätze pro Jahr.

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