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Industriebrache im MK: Hier soll wieder Gewerbe hin

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Von: Thomas Bender

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Freier Blick auf das Haus Lennestein: Das war nicht möglich, als die Firma Bierbach noch stand. Die Überreste werden demnächst abgefahren.
Freier Blick auf das Haus: Das war nicht möglich, als die Firma noch stand. Hier soll auch wieder Gewerbe hin, fordert die CDU. © Keim, Thomas

Früher Industrie, künftig auch Gewerbe: Die CDU hat klare Vorstellung für eine Brache in Top-Lage im MK. Zumal Gewerbeflächen im ganzen MK Mangelware sind.

Die CDU-Fraktion in Altena möchte, dass die Bierbach-Brache an der Werdohler Straße auch zukünftig gewerblich genutzt wird. Das ist der Tenor eines Antrages an den Ausschuss für Stadtentwicklung, den die Fraktion nach ihrer Haushaltsklausur auf den Weg brachte.

„Im Sinne einer nachhaltigen Nutzung von bereits vorhandenen Gewerbeflächen ist es für uns selbstverständlich, dass diese Fläche wieder einer zweckentsprechenden Nutzung zugeführt werden muss“, schreibt der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmar Roder und regt an, einen Projektentwickler mit der Vermarktung der Fläche zu beauftragen. Flächen für stadtplanerisch notwendige Nutzungen müssten natürlich berücksichtigt werden, meint die Union und nennt Parkplätze, den Lennetalradweg und einen Gehweg auch entlang der Steinstraße.

Altlasten: Ergebnis liegt vor

An den Eigentumsverhältnissen sollte die Umsetzung des CDU-Antrags nicht scheitern: Die Fläche gehört der Stadt. Sie hat sie Anfang 2018 aus der Nachlassinsolvenz des verstorbenen Unternehmers Chafik Itani erworben und inzwischen die Gebäude abreißen lassen.

Auch die Frage der Altlasten ist inzwischen geklärt: Es seien Rückstände von Ölbädern gefunden worden, erklärte Roland Balkenhol, Leiter des Fachbereichs Bauen und Planen bei der Stadt, auf Anfrage. Es reiche aber aus, sie abzudecken.

Bruchteil der vorhandenen Flächen für Gewerbe genutzt

Die Bierbach-Brache ist im Moment die einzige Industriebrache in ganz Altena. Das geht aus einer Auflistung der kreiseigenen Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung (GWS) hervor. Sie hat 2017 zum ersten Mal in einem Gewerbeflächenmonitoring-Bericht Brachflächen im Märkischen Kreis unter die Lupe genommen.

Insgesamt 16 Flächen mit einer Gesamtgröße von etwa 17 Hektar konnten damals identifiziert werden. Schaut man sich diese Flächen heute an, wird klar: Nur ein Bruchteil der Areale wird wieder durch die Industrie genutzt.

Nähe zu Wohnraum erschwert Vermarktung

„Wenn man durch die Täler des Märkischen Kreises fährt, kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass es eine Vielzahl an Industriebrachen gibt, die die Unternehmen wieder nutzen können“, meint GWS-Geschäftsführer Jochen Schröder. Dass diese Rechnung so einfach nicht aufgeht, zeigt ein Blick in die Zahlen: Von den 16 damals gefundenen Arealen werden aktuell lediglich eine Fläche in Schalksmühle und eine Teilfläche am Bahnhof in Lüdenscheid-Brügge wieder gewerblich genutzt.

GWS-Projektleiter Marcel Krings erläutert, warum es nicht mehr sind: „Viele der Brachflächen befinden sich in besonderen Gemengelagen in der Nähe zur Wohnbebauung, was eine gewerbliche Entwicklung deutlich erschwert. In der Regel werden dann nicht störende Einzelhandels- oder Dienstleistungsunternehmen angesiedelt oder neue Wohngebiete geschaffen.

21 Gewerbeflächen im MK

Eine aktuelle Analyse der GWS für das Jahr 2021 weist 21 Areale mit einer Gesamtgröße von etwa 43 Hektar im Kreis aus, die aber sehr unterschiedlich verteilt sind. Allein in der Stadt Iserlohn befinden sich neun Flächen, darunter zum Beispiel das alte Christophery-Gelände und die alte Schießanlage in Sümmern. Für Altena ist lediglich das 4100 Quadratmeter große Bierbach-Areal an der Werdohler Straße aufgelistet. Etwa die Hälfte der MK-Kommunen – darunter auch Nachrodt-Wiblingwerde und Werdohl – kennen überhaupt keine Brachflächen.

Eine Hürde für eine mögliche Wiedernutzung sei häufig die Altlastenproblematik, wie Dr. Johannes Osing vom Fachdienst Natur- und Umweltschutz beim Märkischen Kreis erläutert: „Für viele der Flächen liegt ein Altlastenverdacht vor, der zunächst durch entsprechende Gutachten und Analysen überprüft werden müsste.“

Hochwasser zeigt: Natur braucht mehr Raum

Darüber hinaus befinden sich viele Areale direkt an Bächen oder Flüssen, was häufig zu Konflikten in der weiteren Planung führt. Ein weiteres großes Problem ist oft die nicht mehr zeitgemäße, unzweckmäßige und abbruchreife Altbebauung. Nach Einschätzung von Marcel Krings erscheint lediglich bei neun Teilflächen mit einer Gesamtgröße von etwa 21 Hektar eine Reaktivierung überhaupt möglich.

Nichtsdestotrotz sehen alle Beteiligten die zwingende Notwendigkeit, die Flächen – wo möglich – einer industriellen Wiedernutzung zuzuführen. Krings weiter: „Das diesjährige Hochwasserereignis hat gezeigt, dass wir der Natur wieder mehr Raum geben müssen. Zwangsläufig wird es zukünftig zu erheblichen Interessenkonflikten kommen, denn auch die Industrie benötigt weitere Entwicklungsmöglichkeiten.“

Angst vor Abwanderungen der Unternehmer

Diese Herausforderung lässt sich nur geschlossen und im Dialog mit allen Akteuren angehen, ist Jochen Schröder überzeugt: „Gemeinsam mit den Kommunen, der Bezirksregierung und Akteuren wie dem Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung oder dem Ruhrverband lassen sich Lösungen finden.“ Wichtig sei, dass der Märkische Kreis als Industrieregion eine Zukunftsperspektive behält, so Schröder.

Bereits jetzt gebe es Unternehmen, die die gefährdeten Tallagen verlassen möchten und neue Standorte suchen. „Im schlimmsten Fall finden sie diese nicht im Märkischen Kreis, sondern außerhalb der Region. Das kostet nicht nur Steuereinnahmen für die Kommunen, sondern auch Arbeitsplätze“, befürchtet Schröder.

Wenige Brachflächen dringend für Gewerbe nutzen

Insgesamt zeigen die Zahlen der GWS eine nüchterne Bilanz: Realistisch betrachtet dürfte die Wiedernutzung von Brachflächen vor allem kurzfristig keinen entscheidenden Beitrag dazu leisten können, den lokalen Mangel an Gewerbeflächen zu beheben. Schröder betont: „Uns bleibt keine andere Wahl, als die wenigen in Frage kommenden Brachflächen schnell und gezielt für eine gewerbliche oder industrielle Nachnutzung zu entwickeln.

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