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In Schwitzkasten genommen, gewürgt, geschlagen: Streit mit Sicherheitsdienst eskaliert

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Von: Jona Wiechowski

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Beste Laune bis tief in die Nacht: Das Sommerfest der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft war ein voller Erfolg, aber auf dem Festplatz kam es zu einem Streit.
Beste Laune bis tief in die Nacht: Das Sommerfest der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft war ein voller Erfolg, aber auf dem Festplatz kam es zu einem Streit. © Ilka Kremer

Hochzufrieden ist die Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft mit dem Sommerfest, das am Freitag und Samstag stattgefunden hatte. Gleich mehrere Besucher berichten im Nachgang allerdings von Problemen mit dem Sicherheitsdienst.

Altena – „Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt.“ Hochzufrieden mit dem Sommerfest ist Jörg Nielsen, Adjutant der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft (FWG). „Wir schätzen, dass am Freitag und Samstag jeweils 2500 Personen da waren“, sagte er auf Nachfrage. Geschätzt sind die Zahlen deshalb, weil nur männliche Nicht-Mitglieder Eintritt zahlen mussten. Schützen mit Mütze und Frauen kamen kostenlos hinein. Besonders gefreut hat Nielsen, dass schon der Freitag mit DJ N-Sure, der von einer Sängerin und einem Sänger unterstützt wurde, für beste Stimmung sorgte. „Ein voller Erfolg!“

Auch die Polizei, die, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, mit höherer Präsenz vor Ort war, zieht ein gutes Fazit: Es sei unterm Strich ruhig geblieben. Christof Hüls, Pressesprecher der Polizei im Märkischen Kreis, berichtet lediglich von zwei kleineren Cannabis-Funden und einem Streit am Zelteingang.

Dieser Streit am frühen Sonntagmorgen erregte nicht nur an Ort und Stelle Aufregung, sondern auch, weil ein Schütze und Festbesucher (Name ist der Redaktion bekannt) Stunden später einen viel gelesenen und kommentierten Facebook-Beitrag in der Gruppe „Du kommst aus Altena, wenn (Das Original)“ veröffentlichte. Die Gruppe hat immerhin – Stand Montag – knapp unter 10 000 Mitglieder. Darin bringt der Autor vor allem seine schlechten Erfahrungen mit dem von der Schützengesellschaft verpflichteten Sicherheitsdienst zum Ausdruck. Konkret geht es in seinen Schilderungen um eine Szene, die sich gegen kurz vor 3 Uhr abgespielt hat. Der Verfasser will dabei von einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ins Gesicht gefasst worden sein, worauf er seine Schützenmütze verlor und zunächst nicht wiederfinden konnte. Bei dieser Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst spielte allerdings sein Bruder die Hauptrolle.

Doch zuerst die Darstellung der Polizei: Ein 34-Jähriger habe am frühen Sonntagmorgen zurück auf das Festgelände gewollt und sich in diesem Zusammenhang mit dem Sicherheitsdienst angelegt, der ihm einen Platzverweis erteilt habe. Daraufhin habe der 34-Jährige geschrien und auch die Polizeibeamten beleidigt („Scheiß Bullen“), heißt es im Polizeibericht. Bei der Festnahme habe er sich gewehrt, leistete Widerstand, schlug um sich und stieß Polizeibeamten weg. Dann wurde er gefesselt und ins Polizeigewahrsam nach Iserlohn gebracht. Laut Hüls wurde bei dem Streit auch ein Polizeibeamter verletzt, er war nicht mehr dienstfähig.

Dieser 34-Jährige beteiligte sich nicht an der Diskussion bei Facebook, berichtete aber im Gespräch mit unserer Redaktion über seine Sicht der Dinge, die von den Schilderungen im Polizeibericht massiv abweicht – und das könnten ihm auch mehrere Besucher bezeugen.

Im Gespräch erzählt der Mann, dessen Name der Redaktion vorliegt, Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes hätten angefangen, die Leute aufzufordern, nach Hause zu gehen – „und das in einem relativ rauen Ton“. Er habe beobachten können, wie ein anderer Besucher wieder ins Zelt wollte – die Security habe diesem sehr grob gesagt, er solle sich „verpissen“.

Schwitzkasten, gewürgt und zu Boden gedrückt

Der 34-Jährige und andere Besucher – darunter dessen Bruder – beschwerten sich daraufhin lautstark über den Umgangston und das Verhalten des Sicherheitsdienstes. Das habe diesem wiederum gar nicht gepasst. Der später von der Polizei in Gewahrsam genommene Mann betont: „Es gab keinen Grund zur Eskalation.“ Doch dazu sei es dann gekommen; zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes seien besonders aggressiv gewesen. Er sei in den Schwitzkasten genommen, gewürgt, geschlagen und auf den Boden gedrückt worden. Auch seine Kette sei ihm vom Hals gerissen worden – nicht ohne Folgen. Am Montag nach seiner Ingewahrsamnahme durch die Polizei sei er beim Arzt gewesen. Diagnose: Gehirnerschütterung, Rippenprellung, Würgemale am Hals.

Sein Bruder berichtet im Gespräch mit der Redaktion davon, wie ihm ein Sicherheitsmann ins Gesicht gegriffen und seine Brille zerstört habe. „Die ist extrem verbogen und ein Glas ist rausgefallen“, sagte er. Später erst sei die Brille von Freunden gefunden worden. Verloren gegangen sei auch seine Schützenmütze – mit allen Festabzeichen von 2006 bis heute. Ein Besucher habe diese glücklicherweise später gefunden.

Weiter berichteten die Brüder unabhängig voneinander gegenüber unserer Redaktion, dass die in unmittelbarer Nähe bereitstehenden Polizeibeamten wohl davon ausgegangen waren, dass es eine Schlägerei gab – und eingriffen. Konsequenz: Die Polizisten nahmen gleich beide Brüder mit. Einer wurde nach eigener Aussage von Beamten nach hinten weggezogen, am Boden fixiert und mit Handschellen abgeführt. Vom Festzelt ging es dann im Polizeiwagen den kurzen Weg zur Wache, wo er wieder auf freien Fuß gesetzt wurde – ohne, dass seine Personalien aufgenommen worden seien. Die Polizei spricht im Nachgang jedenfalls davon, dass jener nur vermitteln wollte.

Großes Thema im sozialen Netzwerk

Der Facebook-Beitrag wurde von Festbesuchern kommentiert, die wohl über eigene Beobachtungen des Sicherheitsdienstes berichteten. Einer schrieb: „Mega, was die gestern veranstaltet haben. Einfach sinnlos die Menschen anpöbeln, die einfach gar nichts getan haben und dann noch draufhauen wie Kalteisen.“

Andere bezeichneten den Sicherheitsdienst als „sehr inkompetent“, nennen ähnliche Probleme, wollen sogar beobachtet haben, wie diese bei der Arbeit Bier getrunken hätten. Gut 50 Kommentare kamen bis Montagnachmittag zusammen.

Tom Heile, Junior-Chef von der Firma Ruhr SEC Sicherheitsdienste GmbH, wollte sich am Montag „noch“ nicht zu dem Vorfall äußern. Jörg Nielsen von der FWG sagte, dass er persönlich nicht dabei gewesen sei. Der Sicherheitsdienst habe aber den ganzen Abend eine gute Arbeit geleistet und sei schon mehrfach beim Altenaer Schützenfest und auch bei anderen Veranstaltungen in der Stadt verpflichtet worden. Auch für nächstes Jahr sei der Dienst bereits wieder gebucht.

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