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14,5-Millionen-Euro-Neubau: Deutschlands innovativste Kläranlage steht im MK

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Von: Thomas Bender

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Kläranlage Altena neues Verfahren Inbetriebnahmne
Uwe Kober, Oliver Krischer Und Norbert Jardin nahmen die Anlage in Betrieb. © Bender, Thomas

Alles richtig gemacht: Die neue Kläranlage am Pragpaul sei nicht nur die richtige Antwort auf den Klimawandel, sondern auch auf die steigenden Energiekosten und die Probleme bei der Beschaffung von für die Abwasserbeseitigung notwendigen Chemikalien. Das sagte Norbert Jardin, Vorstandsvorsitzender des Ruhrverbandes, am Donnerstag bei der Einweihung des Neubaus auf dem Gelände der alten, 1984 erbauten Anlage.

Altena – Als die Vorgängerin in Betrieb genommen wurde, gehörte es noch zum guten Ton, dass der damalige Ruhrverbandschef einmal an dem nippte, was bei so einer Anlage hinten rauskommt. Das tat sich Jardin nicht an. Stattdessen drückte er mit NRW-Umweltminister Oliver Krischer und Altenas Bürgermeister Uwe Kober auf einen symbolischen roten Knopf.

Kläranlage Altena neues Verfahren Inbetriebnahmne
Im Hintergrund der Neubau mit den drei Reaktoren © Bender, Thomas

Ministerieller Besuch bei einem solchen Anlass ist nicht unbedingt üblich. Krischers Anwesenheit hatte sicher auch damit zu tun, dass es sich um eine bundesweit einmalige Anlage handelt. Sie arbeitet nach dem so genannten Nereda-Verfahren, das an der TU Delft entwickelt wurde. Weltweit arbeiten erst rund 90 Anlagen nach diesem Prinzip, die in Altena gilt als Modellprojekt für die gesamte deutsche Abwasserwirtschaft.

Neue Anlage spart Platz, Chemikalien und Energie

Dass so eine innovative Anlage ausgerechnet in der Burgstadt errichtet wurde, hat mehrere Gründe. Es habe ohnehin eine Sanierung beziehungsweise eine Erneuerung der vorhandenen Anlage angestanden, sagte der Ruhrverbandschef in seiner Rede zur Eröffnung. Ein Problem sei dabei der Platz gewesen – weil das Nereda-Verfahren mit nur einem in verschiedene Kammern unterteilten Baukörper auskommt, reichte eine auf dem Ruhrverbandsgelände noch vorhandene Fläche für den Neubau aus.

Die neue Anlage brauche kaum noch Chemikalien und etwa 30 Prozent weniger Energie, erklärte Jardin: „In der aktuellen Lage, die den Betrieb unserer Anlagen durch hohe Energiekosten und die Knappheit an Fällmitteln enorm erschwert, ist dieses Verfahren Gold wert“.

Altena ist wieder führend – das freut mich natürlich sehr“ 

Uwe Kober

„Wir müssen uns aktiv mit den Folgen der Klimakrise auseinandersetzen“, forderte der NRW-Umweltminister Oliver Krischer . Auch vor diesem Hindergrund sei der Neubau zukunftsweisend. Aufgrund langanhaltender Perioden mit keinen oder nur geringen Niederschlagen nehme die Wasserführung der Gewässer ab. Um so sauberer müsse das Abwasser sein, dass nach der Klärung in Flüsse wie die Lenne eingeleitet werde, sagte der Politiker der Grünen. „Altena ist wieder führend – das freut mich natürlich sehr“ – so kommentierte Bürgermeister Uwe Kober die Inbetriebnahme der Anlage.

Aus Plettenberg ferngesteuert

Die läuft übrigens schon seit ein paar Wochen – „die Ergebnisse sind äußerst positiv“, verriet Jardin. Mit den Genehmigungsbehörden ist wegen der Neuartigkeit des Verfahrens abgesprochen, dass die alte Anlage zunächst betriebsbereit gehalten wird. Erst nach Abschluss einer Monitoringphase werden die nicht mehr benötigten Anlagenteile abgerissen.

Eine weitere Besonderheit der Anlage ist, dass sie als sogenannte Satelittenanlage vom Ruhrverbands-Stützpunkt in Plettenberg gesteuert wird. Dazu wurde eigens ein Konzept zur Fernbeobachtung, Fernwartung und Ferneinwirkung entwickelt.

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