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In Altena fahren sie schon: Neue Lieferwagen haben das Lenkrad rechts

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Von: Jona Wiechowski

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Von außen wird deutlich: Der neue Elektro-Lieferwagen ist deutlich größer als die „normalen“ Streetscooter.
Von außen wird deutlich: Der neue Elektro-Lieferwagen ist deutlich größer als die „normalen“ Streetscooter. © Wiechowski, Jona

Sie sind nicht nur größer, sondern haben das Lenkrad auf der „falschen“ Seite: Die Deutsche Post DHL Group setzt deutschlandweit völlig überarbeitete Streetscooter-Modelle mit Rechtslenker ein - die ersten fahren im Märkischen Kreis.

Altena – Noch sind nur wenige neuen Fahrzeuge unterwegs – in der Umgebung fahren jeweils zwei in Altena und Meinerzhagen. Und auf einer Probefahrt wird deutlich: Was auf den ersten Blick vielleicht komisch aussieht, macht jede Menge Sinn.

Stefan Kühnapfel, Standortleiter des Altenaer Zustellstützpunkts am Brachtenbecker Weg, beschreibt die „Work L Gigabox“ als eine Mischung aus den alten DHL-Lieferwagen und einem normalen Streetscooter, wie er in vielen Städten im Einsatz ist. Die wohl interessanteste Veränderung ist der Rechtslenker.

Sören Weustermann ist Verbundzusteller in Altena, liefert also Pakete und Briefe aus, und fährt täglich einen der zwei Streetscooter mit Rechtslenker in Altena.
Sören Weustermann ist Verbundzusteller in Altena, liefert also Pakete und Briefe aus, und fährt täglich einen der zwei Streetscooter mit Rechtslenker in Altena. © Wiechowski, Jona

Was der bringt, zeigt Zusteller Sören Weustermann, der einen der besonderen Wagen jeden Tag fährt, an der Linscheider Straße. Er setzt den Blinker, fährt rechts ran. Mehrere Autos fahren vorbei. Doch der Zusteller kann sofort auf den Bordstein aussteigen – und nicht, wie vorher, in den Verkehr. Das geht schneller und ist sicherer.

Mit der neuen Fahrposition habe sich der junge Verbundzusteller, der Pakete und Briefe ausliefert, schnell arrangiert. „Das ist Gewöhnungssache“, erzählt er. „Nach zwei, drei Tagen hat man das raus.“ In den ersten Tagen habe er allerdings durchaus mal an der – in diesem Fall – Beifahrerseite gestanden. Gewöhnungssache sei auch die Größe des Fahrzeugs. Weustermanns Bezirk umfasst die Fritz-Thomee-Straße – und damit auch die Burg Altena. „Da muss ich einen Spiegel einklappen“, sagt er. Sonst passt der Scooter nicht durch die Tore. Neben der Rückfahrkamera, die sich hinten über der Tür befindet, gibt es eine weitere Kamera, die links oben am Fahrzeug angebracht ist und ihr Bild beim Blinker-Setzen nach drinnen überträgt – so liefert sie einen besseren Blick in den Verkehr.

Direkt auf den Bordstein und nicht in den Verkehr steigen Zusteller beim neuen Streetscooter aus.
Direkt auf den Bordstein und nicht in den Verkehr steigen Zusteller beim neuen Streetscooter aus. © Wiechowski, Jona

Zwölf Kubikmeter fasst die Work L Gigabox und bietet damit Platz für bis zu 160 Pakete, die in Regale gelegt werden können – „damit ist es viel organisierter“, erklärt Standortleiter Kühnapfel. Bei vorigen Streetscootern gibt es teilweise keine Regale.

Am Mittwoch packt Sören Weustermann neben zwei Kisten mit Briefen 117 Pakete in den Wagen, die er vorher alle abgescannt hat. So erfahren die Kunden bei der Sendungsverfolgung auch, dass das Paket jetzt im Zustellfahrzeug ist. Durch den regionalen Feiertag Allerheiligen sei das Paketaufkommen an diesem Tag etwas höher als an einem normalen Tag, ordnete Kühnapfel ein. Vom bevorstehenden, alljährlichen Weihnachtstrubel merkten er und seine Kollegen wie in den Vorjahren zu dieser Zeit noch nicht viel – noch nicht. „In den vergangenen Jahren war es immer so, als ob jemand in der 46. Kalenderwoche einen Schalter umgelegt hat.“ Das wäre Mitte November.

Der Streetscooter Work L Gigabox ist größer als ein „normaler“ Streetscooter, der vielerorts im Einsatz ist. Damit ist er begehbar und lässt sich einfacher beladen, was auch an den Regalen im Innenraum liegt.
Der Streetscooter Work L Gigabox ist größer als ein „normaler“ Streetscooter, der vielerorts im Einsatz ist. Damit ist er begehbar und lässt sich einfacher beladen, was auch an den Regalen im Innenraum liegt. © Wiechowski, Jona

Am seit vergangener Woche komplett elektrisch fahrenden Zustellstützpunkt am Brachtenbecker Weg in Altena arbeiten 29 Mitarbeiter, die insgesamt 21 Bezirke in Altena und Nachrodt beliefern. Kühnapfel könne sich hier durchaus noch einen oder zwei weitere der Rechtslenker-Lieferwagen vorstellen. „Wir haben Interesse angemeldet“, erklärt er. Nicht überall machten diese Wagen Sinn – vor allem an Hauptstraßen spielten sie ihre Stärken aber voll aus.

Streetscooter wurden in den vergangenen Jahren immer weiter an die Bedürfnisse der Zusteller angepasst – das ist bei der Work L Gigabox nicht anders. Das Trittbrett hinten klappt beispielsweise bei steilen Straßen hoch, damit es nicht gegen den Boden schleift. Die Tür hinten bleibt abgeschlossen und lässt sich mit einem Armband öffnen. Die seitliche Tür in den Laderaum öffnet sich elektrisch – und das sogar auch per Fernbedienung. Nach einer gewissen Zeit schließt sie automatisch wieder.

Eine Kamera hilft beim Blick nach links.
Eine Kamera, die an der Beifahrerseite angebracht ist, liefert ein Bild in den Verkehr und sorgt für mehr Umsicht. © Wiechowski, Jona

1300 der neuen Streetscooter will die Deutsche Post DHL Group noch in diesem Jahr in den Betrieb bringen. Die Motorleistung des 6,06 Meter langen, 2,37 Meter breiten und 2,52 Meter hohen Fahrzeugs bringt es auf 51 KW, also etwas über 69 PS. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 90 km/h angegeben.

Die 40 Kilowattstunden große Lithium-Ionen-Batterie sorgt laut Herstellerangabe für eine Reichweite von 136 Kilometern. Damit das elektrische und damit sehr leise Fahrzeug besser gehört wird, wird beim Fahren ein Geräusch abgespielt. Die jährliche CO2-Einsparung pro Fahrzeug gibt das Unternehmen mit vier Tonnen an. Derzeit fahren rund 20 000 Streetscooter für die Deutsche Post DHL Group, überwiegend in Deutschland.

Auch auf Rosmart geht die Post elektrisch ab

Auf elektrische Fahrzeuge setzt die Deutsche Post DHL Group auch auf Rosmart, wo sie vor einigen Monaten die neue Kombizustellbasis in Betrieb genommen hat. Von hier gehen täglich tausende Sendungen nach Lüdenscheid, Werdohl, Plettenberg und Herscheid. Nach und nach wurden auf Rosmart die Ladevorrichtungen für die Elektro-Autos nachgerüstet. Aktuell sind 15 Streetscooter des Typs „Work Box“ vor Ort, dazu fünf Mercedes-Benz E-Vito. „Weitere E-Fahrzeuge werden auf Rosmart nach und nach folgen“, erklärt Pressesprecher Dieter Schuhmachers.

Zusteller Matthias Rochau, der täglich einen Streetscooter fährt, sieht als einen großen Vorteil, dass man tiefer einsteigt – „wie bei einem normalen Auto.“ Gleichzeitig könne man das Fahrzeug in etwa auf Hüfthöhe beladen. Einige der neuen Streetscooter-Modelle sind mit Regalen ausgestattet. Noch in diesem Monat soll auch auf Rosmart ein Streetscooter mit Rechtslenker eingesetzt werden.

Zusteller Matthias Rochau neben einem Streetscooter.
Zusteller Matthias Rochau neben einem Streetscooter auf Rosmart. © Wiechowski, Jona

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