Impfkampagne in den Firmen gestartet

Das große Warten auf den Impfstoff

Drive-in-Impfaktion in Meerbusch
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Auf den Impfstoff warten viele heimische Firmen im MK.

Die einen warten noch, bei den anderen geht‘s schon los. Sehr unterschiedlich sieht‘s mit dem Impfen in den Firmen in Altena und Nachrodt aus. Und nicht jedes Unternehmen prescht nach vorn beim Thema Impfen.

Altena/Nachrodt – „Insgesamt macht es ja keinen Sinn, wenn einer dem anderen die Impfdosen wegnimmt“, sagt Dr. Bodo Reinke. Schmunzelnd erzählt der Geschäftsführer der Walzwerke Einsal, dass er überlegt hat, sein Unternehmen in „Alzwerke“ umzutaufen. Denn das Betriebsarztzentrum in Iserlohn, dem die Nachrodter Firma über den Arbeitgeberverband angeschlossen ist, hat sich für eine alphabetische Ordnung beim Impfen entschieden. Und damit stehen die Walzwerke ganz unten auf der Liste.

Zeitgleich mit dem Ende der Priorisierungen für Coronaschutzimpfungen dürfen auch Betriebsärzte mit dem Impfen beginnen, allerdings ist die zur Verfügung stehende Impfstoffmenge begrenzt. Auch in der Burgstadt und in Nachrodt hoffen einige größere Unternehmen, dass ihre impfwilligen Mitarbeiter möglichst schnell den ersten Piks erhalten können.

Wenige Impfdosen für 300 Unternehmen

Bei den Walzwerken wünschen sich etwa 90 Mitarbeiter eine Impfung und wurden im Betriebsarztzentrum Iserlohn angemeldet. Doch bei wenigen Impfdosen und 300 Unternehmen, rechnet Dr. Bodo Reinke in den nächsten Wochen nicht mit einer Impfung für seine Mitarbeiter. „Es ist trotzdem keine angespannte Situation, man ist einfach dauergenervt“, so Bodo Reinke.

Von den rund 140 Mitarbeitern der Drahtfirma Lüling in Altena seien einige Angestellte „bereits über die Priorisierung geimpft worden“, sagt Geschäftsführer Christian von der Crone. Für die Mitarbeiter, die noch nicht an der Reihe waren und gerne geimpft werden wollen, setzt sich das Unternehmen nun ein.

Lüling: Vorbereitet für kurzfristigen Impfstart

„Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht und sind an dem Thema dran“, betont von der Crone. Die Firma Lüling arbeitet nach Angaben des Geschäftsführers mit einem Iserlohner Arbeitsmediziner zusammen. Dieser könnte, wenn er denn ausreichend Impfdosen zur Verfügung hat, prinzipiell direkt loslegen im Stahldrahtwerk. „Kurzfristig könnte bei uns im Unternehmen geimpft werden“, verdeutlicht von der Crone.

Einen Starttermin gibt es aber noch nicht. Zuerst sollen jene Mitarbeiter geimpft werden, die ein höheres Infektionsrisiko haben, etwa weil sie in der Produktion eng zusammenarbeiten. Alle Neuigkeiten rund um die Corona-Pandemie im MK lesen Sie in unserem News-Blog

Möhling: Auflagen und Anforderungen sehr hoch

„In abwartender Position“ befindet sich die Firma Möhling nach Auskunft von Geschäftsführerin Britta Hölper. Sie verweist auf hohe Anforderungen und Auflagen hinsichtlich der Räume und der Ersthelferversorgung, „wenn das alles verantwortungsvoll geschehen soll“. Da vorgesehen sei, dass beide Impfungen an einem Ort verabreicht werden, entstehe ein zusätzliches Problem: „Das ist schwer zu koordinieren“, sagt Hölper und verweist dabei auch auf Urlaubszeiten. Wenn nun mit dem Johnson&Johnson--Impfstoff eine einzige Gabe ausreichend sei, müsse man die Situation eventuell neu bewerten: „Wir werden das von Woche zu Woche beobachten.“

In der Firma Möhling wartet man noch ab mit dem Impfen.

Das Unternehmen hat zwei eigene Teams für die Schnelltestung der Mitarbeiter an den Start geschickt. „Dabei sehen wir, dass schon einige die erste und auch die zweite Impfung haben – zum Beispiel die Feuerwehrleute unter unseren Mitarbeitern.“ Die Möhling GmbH hat sogar einen eigenen Betriebsarzt.

VDM: Erste Impfungen für Mitarbeiter

Bei VDM wird ab Donnerstag (10. Juni) geimpft. Sprecher Philipp Verbnik bestätigte, das in dieser Woche die ersten Mitarbeitenden der Werke am Stammsitz in Werdohl, in Altena und in Unna geimpft werden sollen. In der Woche darauf seien die kleineren Werke in Siegen und Frankfurt an der Reihe.

Vorher wurde die Impfbereitschaft bei VDM Metals abgefragt, bislang haben sich 450 Männer und Frauen in die Liste eingetragen. VDM wird vom Werksarztzentrum Mittel-Lenne betreut. Ein Impfteam wird am Donnerstag in das Werdohler Werk kommen, eine kleine Impfstraße ist dort bereits vorbereitet. An dem Tag sollen 149 Mitarbeitende vermutlich mit Biontech geimpft werden. Verbnik: „Wir freuen uns, dass das bis jetzt so gut geklappt hat.“

VDM: „Guter Dinge, dass wir Corona gut überstehen“

Das Gesundheitsmanagement und die Task-Force des Unternehmens hätten das Impfangebot lange vorbereitet. „Jeder, der sich auf die Liste eingetragen hat, wird geimpft“, so Verbnik. Da momentan noch nicht genug Impfstoff vorhanden ist, könne es für weitere Impftermine noch einige Zeit dauern.

Mitarbeiter von VDM in Altena und Werdohl können ab dieser Woche geimpft werden.

Die Abfrage bei den Werksangehörigen laufe bereits seit zwei Wochen. Insgesamt beschäftigt die VDM Metals Group rund 2000 Menschen. Eine Quote zur Impfbereitschaft ließe sich daraus aber nicht ableiten, so Verbnik. Eine nicht zu bestimmende Zahl von Mitarbeitenden sei bereits durch eigene Hausärzte geimpft.

Arbeitgeberverband: „Impfstoff bleibt Mangelware“

„Wir bei VDM sind guter Dinge, dass wir Corona gut überstehen“, so Verbnik. Eine große Infektionswelle im Betrieb sei bislang ausgeblieben. Zurzeit gebe es lediglich drei positiv getestete Mitarbeiter. In der Spitze seien es mal 14 Infizierte gewesen. Verbnik: „Das ist sehr beruhigend für die letzten Tage der Pandemie.“

Der Märkische Arbeitgeberverband äußert sich zwiegespalten zum Impfstart in Betrieben. Grundsätzlich begrüßt er dies. „Aber“, so Dr. Andreas Weber, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, „der Impfstoff bleibt Mangelware. Es ist zu wenig avisiert. Die Betriebsärzte werden auf keinen Fall genug Impfstoff haben.“ So sei der Impfstart für Betriebsärzte zwar grundsätzlich ein richtiges politisches Signal, doch wenig effektiv.

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