Eindringlinge im "Lost Place"

Immer wieder Randale an Bauruinen auf dem Nettenscheid

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Auf den Dächern wurden am Wochenende Schieferverblendungen abgerissen

Altena - Am Wochenende war wieder schwer was los in und vor allem auf den leerstehenden Hochhäusern auf dem Nettenscheid. Das berichtet Vanessa Kritzler, die am Europaring in direkter Nachbarschaft zu den Beinahe-Bauruinen wohnt.

Erst im Juni war der Vandalismus in den Hochhäusern erneut öffentlich geworden. Einmal mehr erhielt der Bauhof die Order, Türen, Kellerfenster und andere Zugänge zu verrammeln. Dass das nicht lange halten würde, schwante Joachim Protzer vom Ordnungsamt schon damals: Eigentlich müsse man alle Öffnungen zumauern, sagte er.

Protzer sollte recht behalten: „Es ist alles wieder auf und es stinkt erbärmlich nach Moder und Schimmel“, klagt die Anliegerin, die sich schon mehrfach an die Polizei gewendet hat, wenn sie wieder einmal Leute auf dem Dach entdeckte. „Wir bekamen immer die Antwort ,dafür kommen wir nicht’“, schildert Vanessa Kritzler. Sie findet das einerseits verständlich, gibt aber auch zu bedenken, dass die Eindringlinge herunterfallen könnten.

"Ein komisches Gefühl dort herzugehen"

Nach Beobachtung der Altenaerin wohnen vor allem im Winter auch Obdachlose in dem Gebäude. „Und wenn man spazieren geht, hat man immer ein komisches Gefühl dort herzugehen. Des Öfteren sind dort schon Gegenstände wie Flaschen, Platten und sonstiges aus den Fenstern geflogen.“ 

Der Hochhaus-Komplex auf dem Nettenscheid

Erhebliche Randale herrschte an den Hochhäusern auch in der Nacht zu Montag. Ergebnis: Die Kunstschieferplatten, mit denen die Schornsteine und die Treppenhausaufstiege zum Dach verkleidet waren, sind komplett verschwunden.

Probleme begannen bereits in den 90ern

Die Behörden sind weitgehend machtlos gegen das, was auf dem Nettenscheid passiert. Zuständig wären eigentlich die Eigentümer, von denen es jede Menge gibt: Die Probleme mit den Hochhäusern begannen in den 1990er Jahren, als die Investoren Heinrich Rösch und Heribert Jackels den Hochhauskomplex kauften. Sie hatten große Pläne: Aufwertung, Aufteilung in Eigentumswohnungen, Verkauf mit Vermietungsgarantie.

Dutzende von Käufern, fast alle weit entfernt von Altena lebend, schlugen zu – und erlebten ein finanzielles Fiasko, als Strom- und Gasrechnungen nicht mehr bezahlt wurden und die Mieter in Scharen die Wohnungen verließen. Seitdem stehen fast alle der 120 Wohnungen leer, der Verfall der vor etwa 50 Jahren gebauten Wohnanlage schreitet rapide fort.

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