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Der Niedergang eines Friedhofs

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Von: Thomas Bender

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Andrea Gruß und Siegfried Lemke auf dem reformierten Friedhof
Andrea Gruß und Siegfried Lemke am gut gepflegten Familiengrab auf dem reformierten Friedhof. Sie ärgern sich über dessen schlechten Zustand. © Thomas Bender

„1989 war das hier Altenas schönster Friedhof“, erinnert sich Siegfried Lemke. Hohe Bäume hätten damals auf dem reformierten Friedhof im Mühlendorf gestanden, insgesamt habe die Anlage einen parkartigen Eindruck gemacht. Als in jenem Jahr Dieter Gruß starb, ließen Andrea Gruß und ihre Mutter ihn guten Gewissens dort beerdigen. Später fand auch Gruß’ Schwester dort ihre letzte Ruhe. Bis heute ist das Familiengrab top-gepflegt.

Altena - Auch Andrea Gruß, ihre Mutter und deren Lebensgefährte Siegfried Lemke dürften dort noch bestattet werden – das ließ sich die Familie schriftlich geben, als die im Zuge des Zusammenschlusses von reformierter und lutherischer Kirchengemeinde im Jahr 2006 die Aufgabe des kleinsten der drei evangelischen Friedhöfe im Mühlendorf beschlossen wurde. Gebrauch machen werden sie nicht von diesem Recht – viel zu heruntergekommen sei der Friedhof mittlerweile, sagten sie im Gespräch mit der Redaktion.

Friedhof noch mindestens 30 Jahre in Betrieb

Dass die Aufgabe eines Friedhofs nicht von eben auf jetzt passieren kann, war und ist allen Beteiligten klar: Das Familiengrab der Familie Gruß ist eine Wahlgrabstätte, dort gilt ein Nutzungsrecht von 30 Jahren, gleiches gilt für andere, noch genutzte Gräber. Es kann also noch Jahrzehnte dauern, bis das letzte Grab auf dem reformierten Friedhof abläuft. So lange muss die Gemeinde dafür sorgen, dass dort alles seine Ordnung hat, dass also Wege instandgehalten, Grünflächen gemäht, Zapfstellen vorgehalten und Mülleimer geleert werden. Ihre Friedhöfe würden „nach den Bestimmungen der Friedhofssatzung genutzt, gepflegt und verwaltet“, versichert die Gemeinde deshalb auch auf ihrer Homepage.

Ein Spaziergang über die drei Anlagen im Mühlendorf zeigt, dass das so nicht stimmt: Während auf den beiden unteren, ehemals lutherischen Friedhöfen regelmäßig gemäht wird und sukzessive die Wege neu gepflastert werden, verlottert der refomierte Friedhof immer mehr.

An einem Ort wie diesem muss man doch den Verstorbenen Respekt und Achtung erweisen

Andrea Gruß

Das ist seit Jahren Thema, seit Jahren weist die Kirchengemeinde auf finanzielle Zwänge hin und darauf, dass der reformierte Friedhof ja über kurz oder (eher) lang ohnehin aufgegeben werde. Aussagen, die Andrea Gruß nicht akzeptiert: „An einem Ort wie diesem muss man doch den Verstorbenen Respekt und Achtung erweisen“, sagt sie und weist auch darauf hin, dass ihre Eltern für das Familiengrab viel Geld bezahlt haben und dass sich daraus auch Ansprüche ergeben.

Die Wege sind nicht sicher

Natürlich geht es dabei zum einen um die Optik – „so muss doch ein Friedhof wirklich nicht aussehen“, meint Andrea Gruß. Sie kritisiert aber auch Sicherheitsmängel: Die Nachrodterin ist auf den Rollator angewiesen, der Weg zum Grab ihres Vaters sei gefährlich, sagt sie und zeigt auf weggbrochenen Asphalt und Schlaglöcher.

Wie gesagt: Die Klagen sind nichts Neues, Beschwerden gibt es seit Jahren. Andrea Gruß und Siegfried Lemke sind nämlich nicht die einigen, die auf dem reformierten Friedhof noch Gräber von Angehörigen pflegen. Viele halten es wie Gruß und halten auch das unmittelbare Umfeld in Schuss.

Mutter wollte dort nicht begraben werden

Das Grab der Familie Gruß wird gepflegt, so lange es geht – beerdigt werden möchte dort keiner mehr. „Bring mich auf keinen Fall auf die Müllhalde“ habe ihre Mutter unter Tränen gesagt, als bei ihr im vergangenen Jahr eine schwere Erkrankung festgestellt wurde. Jetzt liegt sie auf dem katholischen Friedhof in Nachrodt, wo auch Andrea Gruß und Siegfried Lemke bestattet werden möchten, wenn es soweit ist.

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