Dietmar Flusche kennt alle Tricks

Imker schlägt Alarm: Gefälschter Honig auf dem Markt

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Hobbyimker Dietmar Flusche weiß um die Maschen der Honig-Betrüger.

Altena – Betrügereien mit Honig gibt es in vielfältigen Formen und Ausprägungen. Imker Dietmar Flusche kennt alle Tricks und ist besorgt, wie er im Interview verrät.

Wie wird Honig gefälscht? 

Dietmar Flusche: Betrug gibt es beim Honig in unterschiedlichen Formen. Er kann mit Sirup gestreckt werden. Es gibt falsche Sorten- und Herkunftsangaben, und – sehr häufig – wird unreifer Honig einfach nachträglich getrocknet. 

Ist das leicht nachweisbar? 

Flusche: Nein, leider nicht. Ein Nachweis in Laboren, die das amtlich prüfen, ist schwieriger geworden. Die Fälscher sind auf Reis, Bete oder Kartoffeln als Streckmittel umgestiegen.  Die ähneln vom chemischen Aufbau den Pflanzen, an denen sich die nektarsaugenden Bienen vornehmlich bedienen. 

Was ist mit dem Geschmack? 

Flusche: Viele Käufer orientieren sich am Preis, vertrauen darauf, was auf dem Glas steht. Das falsche Produkt schmeckt immer viel süßlicher als gesunder Honig. 

Haben Verbraucher also überhaupt keine Chancen, gepanschten Honig zu erkennen?

Flusche: Das würde ich so nicht sagen. Wie bei Wein, Fruchtsäften und Olivenöl schon praktiziert, setzen die Behörden jetzt häufiger auf eine Kernspin-Resonanz-Spektroskopie-Untersuchung, kurz NMR. Tauchen dabei Fälschungen auf, müssen sie sofort vom Markt genommen werden.

Gibt es bereits Datenbanken über „Sünderländer“, die bevorzugt Honig panschen? 

Flusche: Nach dem Wissen unseres Verbandes wird daran gearbeitet. Leider sind vorhandene Datenbanken aber noch kaum vernetzt und arbeiten auch nicht länderübergreifend. 

Warum wird überhaupt gefälscht?

Flusche: Honig ist auf dem internationalen Markt im Schnitt siebenmal teurer als Sirup. Da ist gutes Geld zu machen. 

Haben Fälschungen Einfluss auf den Honigpreis? 

Flusche: Natürlich. Eigentlich sollten die Honigpreise aufgrund der anziehenden Nachfrage steigen. Praxis ist aber, dass Händler und Abfüller immer weniger zahlen. Wir Imker führen das auf die künstlich erhöhte Honigmenge durch Honigfälschungen zurück. 

Wo wird erfahrungsgemäß am meisten gefälscht? 

Flusche: Das ist eindeutig der asiatische Raum, dazu gehören zum Beispiel Länder wie Indien, China und Vietnam. 

Wohin kann das langfristig führen?

Flusche: In Lateinamerika gibt es viele Imker, die Alarm schlagen. Sie müssen gute Preise erzielen, um überleben zu können, sonst geben sie ihren Beruf wohl auf. Das würde Riesenlücken im Weltmarkt reißen. 

Was wünschen Sie sich? 

Flusche: Imkerverbände und EU-Staaten müssten an einem Strang ziehen. Im Grunde geht es um ein Produkt, das kein Honig ist und auch nicht als solcher vermarktet werden sollte. Wir Imker hoffen darauf.

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