Neue Antenne für Radarturm

Im MK wird Deutschlands Luftraum überwacht

Vom Radarturm am Großendrescheid wird der Luftraum überwacht.
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Vom Radarturm aus wird der Luftraum überwacht.

24 Stunden am Tag, 363 Tage im Jahr dreht sie sich und liefert Daten. Die Antenne auf dem Radarturm im MK überwacht den Luftraum genau. Nun hat sie ausgedient und wurde ersetzt. Denn sie sorgt für die Sicherheit in der Luft.

22 Jahre lang hat sie sich gedreht – 24 Stunden am Tag, 363 Tage im Jahr. An den übrigen beiden stand sie wegen turnusmäßiger Wartungsarbeiten still. Seit Dienstag hat sie nun ausgedient: Die Antenne auf dem Radarturm bei Großendrescheid wurde ausgetauscht. Reine Routine, sagt Jörg Holzapfel. Teile der Antenne bestehen aus Kunststoff, der mit der Zeit altert.

Deswegen wurde bei der auf solche Antennen spezialisierten Firma Thalis Ersatz bestellt. Die neue Antenne wurde gegen Mittag mit einem großen Autokran auf den 37 Meter hohen Turm gehoben. Am Mittwoch wird sie noch justiert, dann liefert der Radarturm wieder Daten über den Luftverkehr über Deutschland.

Arbeiten in 37 Metern Höhe: Techniker der Deutschen Flugsicherung bei der Demontage der alten Antenne am Großendrescheid in Altena.

Mehr als 30 Radartürme bundesweit

Nach und nach würden die Antennen auf allen Anlagen der Deutschen Flugssicherung (DFS) ausgetauscht, erklärt Holzapfel. Er ist als Teamleiter West Hausherr auf Großendrescheid und auch für die anderen DFS-Anlagen in NRW zuständig. Bundesweit betreibt das Unternehmen etwa 30 Radartürme wie den in Großendrescheid. Sie heißen Sekundärradaranlagen.

Dann gibt es an den Verkehrsflughäfen noch Bodenradaranlagen, mit denen der Verkehr auf den Roll- und Startbahnen überwacht wird. Die dafür zuständigen Fluglotsen sitzen in den Towern der Flugplätze. Die Signale aus den Sekundärradaranlagen landen in einem der vier Kontrollzentren, von denen aus der deutsche Luftraum flächendeckend überwacht wird. Die aus Altena werden unter anderem in Bremen und in Langen verarbeitet.

Aktionsradius von 280 Kilometern

Etwa 280 Kilometer misst der Aktionsradius der Anlage auf Altenaer Stadtgebiet. In diesem Umkreis erfasst sie jedes Flugzeug, das mit einem sogenannten Transponder ausgestattet ist. Dieser übermittelt Flugdaten, die von den Antennen aufgefangen und an die Kontrollzentren weitergeleitet werden. Dort sitzen die Fluglotsen, die darauf achten müssen, dass sich die Flugzeuge nicht zu nahe kommen.

Fünf Meilen seitlicher Abstand oder 1000 Fuß in der Höhe sind Pflicht – in der Fliegerei sind britische Maßeinheiten üblich, es wird auch ausschließlich Englisch gesprochen. Damit alles gut geht, ist der Luftraum in Sektoren unterteilt. Für jeden Sektor sind zwei Fluglotsen gleichzeitig im Einsatz. Sie müssen in der Spitze 15 Flugzeuge auf einmal im Auge behalten. DFS-Pressesprecher Fuhrmann: „Man hat wenig Zeit. Fluglotsen müssen analytisch denken und schnell entscheiden können.“

„Schwarzes Loch praktisch nicht vorstellbar“

Aus Altena kamen während des Antennen-Austauschs natürlich keine Daten bei den Fluglotsen an. Nicht schlimm, erklärt Fuhrmann: Die Radien der einzelnen Anlagen überlagern sich. Daten aus Köln, Düsseldorf und Münster sorgten während des Austauschs der Antenne auf Großendrescheid dafür, dass die Fluglotsen trotzdem stets im Bilde waren, was am Himmel so los war.

Blick in das Kontrollzentrum in Langen: Dort werden Daten der Anlage bei Großendrescheid verarbeitet. Bis zu 15 Flugzeuge sind gleichzeitig in den einzelnen Sektoren unterwegs.

Diese Überlappungen sind nur eine von vielen Sicherheitsvorkehrungen: Die Anlage habe natürlich ein Notstromaggregat, erklärt Teamleiter Holzapfel. Ein zweiter Motor springt ein, wenn es mechanische Probleme gibt. Auch die Übermittlung der Daten ist doppelt abgesichert. All das sorge dafür, dass der Luftraum über Deutschland stets lückenlos überwacht ist: „Dass da mal ein schwarzes Loch ist, das ist praktisch nicht vorstellbar“, sagt Holzapfel.

Radarturm bis 1999 mit Personal besetzt

Damit alles rund läuft, gibt es eine Fernüberwachung für die Radaranlagen. Das war nicht immer so: Nachdem der Turm auf Großendrescheid in den 1960-er Jahren in Betrieb ging, war er zunächst rund um die Uhr besetzt. Erst seit 1999 wird er von Düsseldorf aus kontrolliert. Damals bekam er auch die jetzt demontierte Antenne. Vorher hatte sich am Großendrescheid ein wesentlich größeres Exemplar gedreht.

Um die 100 000 Euro kostete die am Dienstag montierte Antenne. Das führt zu der Frage, wer die Veranstaltung Flugsicherung eigentlich bezahlt. Antwort: die Fluglinien. Die DFS gehört zwar zu 100 Prozent dem Bund, ist aber als GmbH privatwirtschaftlich organisiert. Für jedes Flugzeug, das Deutschland überfliegt oder hier landet, verlangt die DFS Gebühren und nimmt so gut eine Milliarde Euro im Jahr ein.

Hohe Ansprüche ans Personal für Flugsicherung

Auf der Ausgabenseite bilden die Personalkosten mit deutlich über 900 Millionen Euro den größten Posten. Gut 6000 Mitarbeiter zählt die DFS, die ständig auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs ist. Allerdings stellt sie wegen der komplexen Aufgabenstellung auch sehr hohe Ansprüche: Nur fünf Prozent der Abiturienten, die am Auswahlverfahren teilnehmen, bestünden die Tests, berichtet DFS-Pressesprecher Michael Fuhrmann.

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