150. Evingser Dorfcafé am 5. Juli

Andrea Gerdes (l.) und Doris Gurlt laden zum 150. Dorfcafé ein - auch im Namen von Erika Sauser.   Foto: Hornemann

Altena - Im März 2003 waren die Aussichten auf Kaffee und Kuchen trübe in Evingsen: Nach der Schließung der Bäckerei gab’s nicht mal mehr ein Teilchen zu kaufen. Doch beim Spülen nach einer Frauenhilfsstunde kam Ulrike Pallmann, Vera Kayser und Doris Gurlt eine Idee. So wurde das Dorfcafé geboren, das am 5. Juli zum 150. Mal stattfindet.

Aus jenem Versuch ist eine Institution geworden, die aus dem Dorfleben nicht mehr wegzudenken ist. Am dritten Mittwoch im Monat nehmen sich viele Evingser nichts vor, denn da wartet ein gedeckter Tisch auf sie und Kaffeeduft breitet sich im evangelischen Gemeindehaus aus.

Vor zwei Jahren, daran erinnert sich Doris Gurlt noch gut, da brachen dem Organisationsteam allerdings einige der Kuchenbäckerinnen weg, die zuverlässig für die Leckereien auf dem Tisch gesorgt hatten. „Da stand das Dorfcafé zunächst auf der Kippe. Aber die Gäste wollten sich nicht darauf einlassen und erklärten sich damit einverstanden, dass ab und zu auch mal ein gekaufter Kuchen serviert werden kann.“ Gemeinsam am Tisch sitzen und was Neues hören ist dem Stammgästen hier halt das Wichtigste!“

An „normalen“ Dorfcafénachmittagen wird für 30 Gäste eingedeckt, zu den Quartalsgeburtstagsfeiern kommt locker das doppelte Besucheraufkommen zusammen, denn da wird jedem angemeldeten Geburtstagskind, das die 70 überschritten hat, persönlich gratuliert.

Unabhängig von diesem Anlass wird bei jedem Dorfcafé eine kleiner unterhaltender oder sinnstiftender Impuls geboten: Ein Sketch oder eine Geschichte zum Beispiel. Auch ohne abschließendes Wort wird niemand in den Abend entlassen.

An der Veranstaltungszeit 15 Uhr ist seit 14 Jahren nicht gerüttelt worden. „Im Winter wollen die Besucher nur ungern im Dunkeln heimgehen“, erläutert Andrea Gerdes, die mit Erika Sauser eingesprungen ist, seit Ulrike Pallmann und Vera Kayser sich aus dem Organisationsteam zurückgezogen haben. Weil das Dorfcafé aber eben eine Nachmittagsveranstaltung ist, finden sich nur wenige Besucher mittleren Alters ein - die sind dann meist noch bei der Arbeit.

Generell, das betonen die Organisatoren, ist das Café offen für alle. Zwanglos, nett, lustig und konkurrenzlos, denn bis heute hat sich noch immer kein neuer Konditor oder Bäcker im Dorf niedergelassen. Deshalb sind die Preise auch unschlagbar, aber die meisten Gäste geben einen Fünf-Euro-Schein. Jeder Cent, der über die Unkosten hinausgeht, wandert in die Gemeindekasse. Und so haben wieder ganz viele Evingser etwas von dieser schönen Idee, die einst am Spülbecken entstand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare